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Modelabel Odeeh : Kleines Glück

Odeeh präsentieren ihre neue Kollektion auf der Berliner Modewoche. Bild: Helmut Fricke

Wie kann ich eine Nische in der Modebranche erfolgreich füllen? Die Designer des deutschen Duos Odeeh zeigen es bei der Berliner Modewoche.

          2 Min.

          Vielleicht hat sich die deutsche Mode einfach zu lange an den falschen Vorbildern orientiert. „Wir sind klein und dadurch erfolgreich“, sagt Jörg Ehrlich, die eine Hälfte des Designer-Duos Odeeh. Das wäre auch mal ein gutes Motto für die Berliner Modewoche, die gerade zu Ende gegangen ist: klein, aber glücklich zu sein – statt sich nicht groß und unglücklich zu fühlen.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Seitdem die Mercedes-Benz Fashion Week 2007 begann, macht sich die halbe Modewelt über Berlin lustig: die Marken zu unbekannt, die Mode zu sehr für Marktnischen gemacht, die Schauen eher peinlich, der Anspruch aber grenzenlos. Dabei muss man keine Ausstrahlung wie London, Mailand oder Paris haben: Man muss nur daran glauben, dass das Champagnerglas halb voll ist und nicht halb leer.

          Jörg Ehrlich muss es wissen. Lange hat er mit seinem Partner Otto Drögsler für die deutsche Marke René Lezard gearbeitet. „Wenn man in einem großen Unternehmen ist, dann muss man automatisch mehr diskutieren, und alles dauert länger.“

          „Vielleicht sollten wir uns auf unsere Stärken besinnen“

          Seitdem die beiden vor neun Jahren Odeeh gegründet haben, geht es unkomplizierter: „Wir sind klein und dadurch schnell und flexibel“, sagt Ehrlich. Und: „Wir sind auch nicht belastet durch die Vergangenheit und können uns leicht bewegen“ – eine Anspielung auf die Liste der 20 größten Modeunternehmen der Welt, unter denen mit Adidas nur eine deutsche Firma ist.

          Die Designer setzen auf Personalisierung und Emotionalisierung. Bilderstrecke

          „Vielleicht sollten wir uns auf andere Stärken besinnen als darauf, zu den ganz Großen zu gehören“, sagt auch Achim Berg, der Luxusspezialist von McKinsey & Co. Ein deutsches Chanel oder Gucci ist nicht in Sicht – und wäre auch unmöglich. „Heute muss man die Leute begeistern, damit sie überhaupt Mode kaufen“, sagt Berg, der nicht glaubt, dass man allein durch Social-Media-Präsenz eine Marke aufbauen kann – ein wichtiger Hinweis für Berliner Jungdesigner, die ihre Instagram-Follower für eine harte Währung halten.

          Bei Odeeh klappt es auch durch persönlichen Einsatz. Immer wieder besuchen die beiden Designer die Geschäfte, die ihre Entwürfe verkaufen. Auf den großen Auftritt verzichten sie trotzdem nicht: Sie haben die Fashion Week mit einer großartigen Schau eröffnet. Ein solches Defilee, das viele in Instagram-Zeiten für überflüssig halten, sei ungemein wichtig, sagt Ehrlich, weil man die Marke emotionalisiert, viele mögliche Kunden erreicht – und schöne Fotos produziert.

          Inzwischen verkaufen sie ihre Mode, die durch starke Muster und vernünftige Preise auffällt, in 180 Kaufhäusern und Boutiquen. Ganz klein sind sie auch nicht mehr mit 20 Mitarbeitern. Aber so groß wurden sie nur, weil sie gekonnt ihre Nische bespielten. Anders als mancher Berliner Designer, der ganz groß werden wollte – und den Betrieb eingestellt hat.

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