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Christopher Bailey : Der Verpackungskünstler

Schüchtern? Nicht mehr wirklich: Christopher Bailey nach seiner Schau im Jahr 2011. Zu diesem Zeitpunkt ist er schon seit zehn Jahren bei Burberry. Bild: Helmut Fricke

Christopher Bailey ist ein Phänomen: einst schüchterner Designer, heute Präsident der Marke Burberry. Am Montag will der Brite mal wieder mit einer Idee die Modewelt revolutionieren.

          Es war ein Spätnachmittag im Herbst 2002. Zum Interview in einem kleinen Showroom, versteckt in einem Mailänder Hinterhof, kam Christopher Bailey in Hemd und Baumwollhose, mit leicht verwuschelten Haaren und einem netten Jungenlächeln, an seiner Seite eine liebenswerte, pausbäckige PR-Frau namens Erika – beide so höflich und bescheiden, dass man sie für das Personal in einem Bed & Breakfast hätte halten können.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bailey sprach mit leiser Stimme, erklärte seine Kollektion und verabschiedete sich höflich lächelnd. Der Brite war damals Anfang dreißig, seit einem Jahr Kreativdirektor bei Burberry, und seine Kollektionen, die sich im Mailänder Schauenkalender neben Blockbustern wie Gucci, Prada und Dolce & Gabbana behaupten mussten, galten noch als Geheimtipp. Niemand ahnte damals, dass dieser nette junge Mann einmal die kleine britische Marke zu einem Luxusunternehmen mit Milliardenumsätzen machen würde. Vermutlich nicht einmal er selbst.

          Als Bailey ins Rampenlicht der Mode trat, war es die Zeit der Stardesigner. John Galliano, stets kostümiert und grell geschminkt, präsentierte sich bei Dior wie ein Darsteller aus einem Fellini-Film. Der Texaner Tom Ford, smart und kultiviert, schritt bei Gucci den Laufsteg ab, als wäre es ein roter Teppich in Hollywood.

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          Und Karl Lagerfeld bastelte bei Chanel unermüdlich und mit Erfolg daran, zur lebenden Ikone zu werden. Es war alles etwas überdreht zum Beginn des neuen Jahrhunderts. Und dann stand da plötzlich im Herbst 2001 bei der Burberry-Show in Mailand dieser Christopher Bailey, winkte nach dem Defilee scheu ins Publikum und verschwand wieder.

          Es geht erst richtig los, nachdem es Goldschnipsel geregnet hat

          Heute verschwindet er nach seinen Schauen nicht einfach so. Ganz im Gegenteil. Nachdem das letzte Model den Laufsteg verlassen hat, nachdem Bailey sich verbeugt und seinem Live-Musiker kumpelhaft auf die Schulter geklopft hat, nachdem es Goldschnipsel von der Decke geregnet hat, geht es eigentlich erst richtig los.

          Nach der Schau ist bei Burberry nun vor dem Backstage-Gewusel. Kein Designer wird heute von einer größeren Traube umringt als Bailey. Um andere Designer mögen eine Handvoll Journalisten stehen, die Fragen stellen, andere gewähren Eins-zu-eins-Audienzen, Bailey lässt sie alle rein. Hier geht es laut zu und rauh: Fernsehteams, die sich in der Menge organisieren, Models, die sich fürs Foto nach vorne drängen, und Freunde des Hauses, die ihn drücken.

          Nach der Schau ist für Bailey längst so sehr Spektakel wie die Schau überhaupt. Bailey sagt in solchen Situationen Sätze wie: „Alles, was Gold war, haben wir mit denselben Leuten gemacht, die auch die Uniformen für die Wachen der Queen fertigen“, und stellt sich im nächsten Atemzug schon mit einer Handvoll socialites fürs Foto auf.

          Christopher Bailey, der Mann, der so furchtbar nett und bodenständig ist, dass man ihn auch nach 15 Jahren bei Burberry noch immer in seiner Heimat, der nordenglischen und schon deshalb abseits vom Zentrum der britischen Entscheider gelegenen Grafschaft Yorkshire verorten würde, statt an der Spitze der größten britischen Modemarke, ist ein Phänomen.

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