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Bauhaus-Mode : Ein Hemd zu bauen wie ein Haus

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„Mode ist die zweite Haut des Menschen – Architektur die dritte“: Olaf Kranz und Jennifer Brachmann. Bild: Jens Gyarmaty

Mode mag am Bauhaus vor hundert Jahren keine Rolle gespielt haben. Die Prinzipien, die dort gelehrt wurden, lassen sich trotzdem auf Bekleidung anwenden. Das Beispiel des Labels Brachmann zeigt es.

          Wenn die Mode, wie in diesem Fall, den Prinzipien der Architektur folgt, dann ist es kein Wunder, dass die Architektur des Gebäudes, in dem diese Mode gemacht wird, ebenfalls stimmig sein muss. Ein kantiger Bau im Westen von Berlin unweit vom Schloss Charlottenburg. Beim Anblick des Gebäudes fällt einem sofort das Bauhaus ein, die weltberühmte Architektur-Richtung, an die in diesem Jahr so oft erinnert wird, schließlich gründete Walter Gropius vor genau hundert Jahren die gleichnamige Kunstschule.

          Die Frage, wie das Bauhaus es schafft, noch hundert Jahre später so eine enorme Strahlkraft zu haben, dass viele Häuslebauer sich einen Bauhaus-Bungalow wünschen, wird auch Olaf Kranz oft gestellt. Kranz führt mit seiner Frau Jennifer Brachmann das Modelabel, das ihren Nachnamen trägt. „Die Bauhäusler waren auf der Suche nach Formen universaler Schönheit, also nach Formen, die jeder zu jeder Zeit als schön und wohltuend empfindet.“ Sie seien zudem Träger der enormen Fortschrittsgläubigkeit ihrer Zeit gewesen. Es sind Prinzipien und Gedanken, mit denen sich heute auch Kleider fertigen lassen, selbst wenn Mode zu Zeiten des Bauhauses keine große Rolle gespielt hat.

          Blick auf ein Stück der aktuellen Kollektion der Designerin Jennifer Brachmann im Showroom ihres Berliner Mode-Labels „Brachmann“.

          Gropius und andere berühmte Architekten wie Ludwig Mies van der Rohe oder Marcel Breuer trennten die Fassade von den tragenden Wänden, zerlegten die Bestandteile eines Hauses und setzten sie völlig neu zusammen. Wer in Berlin unterwegs ist, kann sich von der ewigen Schönheit des Bauhauses relativ einfach ein Bild machen: Als Einstieg empfiehlt sich das Haus Lemke am Obersee im östlichen Stadtteil Hohenschönhausen. Van der Rohe hat es 1933 entworfen. Das kinderlose Fabrikanten-Ehepaar ließ sich hier seine Villa mit Seeblick planen. Es ist eines der ältesten Gebäude in der Gegend und kann es trotzdem in Sachen Zeitgeist mit allen nach ihm erbauten Häusern aufnehmen. Wer sich in den leergeräumten Räumen auf einem der wenigen Möbelstücke niederlässt, zum Beispiel auf der Barcelona-Liege, den überkommt eine angenehme Ruhe und innere Aufgeräumtheit.

          Das schafft so wohl nur das Bauhaus mit seinen geometrischen Formen. Von Spöttern als „Rechteck-Architektur“ gescholten – von Kennern als „Meisterleistung“ aus Formsprache, Sichtachsen und hochwertigen Materialien gepriesen. Der Pavillon in Barcelona, die Neue Nationalgalerie in Berlin, die Bauhaus-Meisterwerkstatt in Dessau: Sie wirken allesamt so geradlinig, leicht, minimalistisch, sie altern nicht.

          Ähnliches könnte auch auf den Trenchcoat zutreffen, den Jennifer Brachmann in diesem Moment von einem Kleiderständer im Showroom zieht. Es ist ein Teil dieses Labels, und er erinnert an den Hintergrund seiner Designerin.

          Brachmann studierte Architektur in Dresden, später Mode in Halle und vereinte schließlich beide Fächer, indem sie begann, die Gestaltungsprinzipien des Bauhauses auf Kleider anzuwenden. Dafür nutzt sie die Klassiker der Herrenmode, zerlegt diese in ihre Einzelteile und setzt die Module neu zusammen. Ehemann Kranz, studierter Soziologe, nennt es „Post-Klassik“. Die Modedesignerin, die aus Gera stammt, nennt es „Dekonstruktion“.

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