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Chef von Stone Island : Io sono Carlo

Sehr her, alles meins! Carlo Rivetti im neuen Stone-Island-Store in der Frankfurter Innenstadt. Bild: Frank Röth

Für Carlo Rivetti ist alles Familie, auch die Firma. So ist er das Oberhaupt von Stone Island geworden, einer Marke, die ziemlich teuer ist – und auch ziemlich cool.

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          Der neue Stone-Island-Store an der Goethestraße ist schon geöffnet. Ein junger Mann probiert hinten Klamotten an, seine Freundin hat den gelangweilten kaugummikauenden Blick noch nicht ganz abgelegt, berät ihn aber wenigstens: „Probier den mal in der anderen Farbe.“

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Ansonsten steht alles still, die geschniegelten Mitarbeiter sind aufgeregt: Gleich kommt der Capo. Er ist spät dran, natürlich, immerhin ist er der Chef und Italiener obendrein. Obwohl sich hier alle beständig versichern, was für ein entspannter und wahnsinnig cooler Typ „der Carlo“ doch sei, will man natürlich einen guten Eindruck machen. Hoffentlich gefällt dem Boss, was er sieht. Dann geht die Tür auf, und Carlo Rivetti kommt mit Entourage herein, klein, gesetzt, und strahlt, wie nur ein stolzer Papa strahlen kann. Seht her, alles meins!

          Wenn Carlo Rivetti irgendwo hinkommt, nennen die Leute ihn „Mr. Stone Island“. „Oder Carlo. Carlo finde ich besser. Das heißt: sie mögen mich“, erklärt Mr. Rivetti, scusi: Carlo. Er ist ein geselliger Mensch, kein Modeschnösel. Er macht keine Fashion Shows, nur Fashion für die Leute (zumindest für die, die sich Winterjacken für 1500 Euro leisten können). Wenn Carlo wissen will, was die Leute wollen, welche Kleidung sie tragen wollen, dann betreibt er Marktforschung im Kleinen: Er geht in sein Geschäft in Mailand und hört den Kunden zu. Was suchen sie?

          „Fashion liegt Carlo Rivetti im Blut“

          Das herauszufinden scheint ihm immer wieder zu gelingen. Denn Stone Island, Rivettis Marke, ist cool. Und vor allem: jung. Das Design ist schlicht, sportlich, die Farben gedeckt. Männer in Stone-Island-Klamotten sehen in der Regel aus wie ziemlich coole Snowboarder ohne Snowboard. Oder wie Männer, die im Sommer surfen gehen und Bart tragen können, ohne Hipster zu sein. Die Geld haben, die aber nicht auf Teufel komm raus danach aussehen müssen. Männer, die im Januar eine Sonnenbrille tragen, sobald sich das kleinste bisschen Wintersonnenlicht zeigt. Carlo Rivetti ist mit Stone Island Großes gelungen: Seine Marke ist individuell, spricht einen bestimmten Typen an – und ist dabei massentauglich. Der Store, der nun in Frankfurt eröffnet hat, ist der vierte in Deutschland. Andere Läden gibt es in Hamburg, München und – für die Surfertypen, die es funktional-wettertauglich lieben – auf Sylt.

          Insgesamt gibt es nun 26 eigenständige Geschäfte von Stone Island, einige in Italien, aber auch in Paris, London, Amsterdam, New York, Tokio, Hongkong. Vor einigen Wochen hat ein Store in Toronto aufgemacht. Daneben gibt es noch 18 Shops in Einkaufszentren.

          Der Designer Massimo Osti gründete 1982 die C.P. Company, dazu gehörte auch Stone Island, ein Jahr später lernte er Carlo Rivetti kennen. Rivettis Familienunternehmen übernahm noch im selben Jahr 50 Prozent und später das gesamte Unternehmen Ostis. Die Sportswear-Abteilung wurde gegründet, und Carlo Rivetti wurde Geschäftsführer.

          „Fashion liegt Carlo Rivetti im Blut“, heißt es in seiner Biographie, die Stone Island herausgibt. Tatsächlich war die Familie Inhaber der zweiten Wollfabrik Italiens, in Biella, dem Sitz der italienischen Wollindustrie. „Ich habe als Junge nie davon geträumt, Formel 1 zu fahren“, sagt Carlo Rivetti. „Ich habe davon geträumt, Kleidung zu machen.“ Er sagt das treuherzig und vollkommen überzeugend, er kommt schließlich aus einer Unternehmerdynastie. Und außerdem liebt er seinen Job. Rivetti ist gern Chef, und zwar einer, den alle mögen. Er strahlt viel, macht gern Witze, lacht dann dröhnend und guckt sich mit Gewinnergrinsen um: Na, habt ihr alle verstanden, dass euer Chef lustig ist? Ja, haben alle verstanden. Es wird viel gelacht von den Mitarbeitern Rivettis, aber nicht, weil sie müssen, sondern weil Carlo Rivetti wirklich so sympathisch ist.

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