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Haute Couture Paris : Im Gemüsegarten blüht die Mode

Schau ohne Models auf dem Laufsteg bei Giambattista Valli

Insofern ist es ehrlich, die Oberfläche als solche zu feiern. Giambattista Valli, ebenfalls aus Rom, bemüht für seine eigene Marke keine höheren oder tieferen Werte. Auf seinem Moodboard, das die Stimmung seiner Kollektion darstellt, kleben Fotos aus den fünfziger und sechziger Jahren: italienische Gärten, Frauen, Häfen, Städte, Kleider. Seine Referenzen: Positano, Ravello, Sorrent. Als er die Kollektion zu zeichnen begann, hatte er den Duft von Zitronenbäumen und Bougainvillea in der Nase und spürte geradezu eine frische Brise vom Meer. Ja, solche Modegeschichten gibt es noch: Sie klingen nach dolce vita, entsprechen also der Lebenswirklichkeit vieler Frauen, die sich maßgeschneiderte Kleider für mehr als 20.000 Euro gut und gerne leisten können.

Etwas allein besitzen

Die Gründe für den Erfolg der Haute Couture, die noch vor 20 Jahren totgesagt wurde, spürt Giambattista Valli bei seinen Kundinnen: „Es gibt ein starkes Bedürfnis nach etwas Besonderem“, sagt er, „nach etwas, das sie selbst entdecken können, das sie ganz für sich allein besitzen.“ Damit spielt er darauf an, dass jedes Kleid in der Regel höchstens einmal in ein Land verkauft wird, so dass es in der Oper in Dallas oder im Theater in Moskau nicht zu peinlichen Begegnungen zweier Frauen im gleichen Kleid kommt. Durch die limitierte Produktion sind also die Trends zu Individualisierung und Globalisierung versöhnt: Im einzigartigen Kleid ist auch die Trägerin in ihrer Welt einzigartig.

Designerinnen werden schon deshalb Erfolg haben in der Hohen Schneiderkunst, weil die Männer abdanken. Karl Lagerfeld ist gestorben, John Galliano hat sich selbst ins Abseits manövriert, Christian Lacroix ist geschäftlich gescheitert – und jetzt hört auch noch Jean Paul Gaultier auf. Das Defilee zu seinem 50. Mode-Jubiläum am Mittwochabend war die letzte Schau. Das Wunderkind von 67 Jahren hielt lange durch, um mit der Couture-Mode seine Marke im Gespräch zu halten und weiter Parfums zu verkaufen. Die Düfte sind aber ohnehin erfolgreich, daher hört er mit dem Verlustbringer Couture auf – kündigt aber sicherheitshalber an, mit einem neuen Konzept zurückzukommen, das dann wohl kleiner ausfällt.

Die Straßenmode jedenfalls macht der Couture nicht das Leben schwer. Ausgerechnet Demna Gvasalia, der mit Vetements die gesamte Szene auf links drehte, beginnt nun mit Couture. Bei Vetements hat er im Herbst aufgehört, daher hat er nun bei Balenciaga, wo er auch schon seit fünf Jahren arbeitet, genug Zeit und Energie. „Wenn alle Sneaker tragen, tragen viele auch wieder Kleider“, sagte er dem „Figaro“ und kündigte die erste Kollektion für die Couture-Woche im Juli an. „Es gibt den Wunsch nach außerordentlichen Stücken.“ Der hemdsärmelige Designer hat offenbar keine Angst, dem Namen Cristóbal Balenciaga zu schaden, der als einer der großen Couturiers die Fünfziger zu einer Zeit schlichter Eleganz machte. So einfach kann das sein: Demna Gvasalia setzte sich in den Weihnachtsferien zwei Tage lang an die Nähmaschine und experimentierte herum. Seit der Modeschule hatte er das nicht mehr gemacht. Es ist nie zu spät!

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