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Modisch gesund bleiben: Marine Serre entwirft Gesichtsmasken. Bild: Johanna Dürrholz

Modewoche in Paris : Im Zeichen der Maske

Vor Kurzem wurden sie noch belächelt, jetzt sind sie auch in Paris angekommen: Atemschutzmasken. Doch die Folgen des Coronavirus treffen die Modebranche an einem empfindlichen Punkt.

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          Das Haar der Frau glänzt so schwarz und schön in der Sonne, wie es nur natürliche Farben tun, ihr knallroter Mantel hebt sich davon ab – und ihr Gesicht? Ist zumindest zum Teil verdeckt, von einer Atemschutzmaske. Die ist, schwarz mit dezent rotem Muster, farblich auf Haare und Mantel abgestimmt. Kein Wunder: Die Frau, die draußen für Fotografen posiert, war gerade noch auf der Modenschau von Marine Serre. Und beim Prêt-à-Porter hat man nun mal stylisch zu sein – das gilt auch für den Mundschutz.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Als auf der Londoner Fashion Week einige Frauen mit Atemschutzmaske zu sehen waren, taten viele das noch als Fashion-Gag ab: Das Coronavirus war höchstens eine ferne Bedrohung, etwas Unbekanntes, das mit dem Modekosmos nicht wirklich in Verbindung gebracht werden konnte. In Paris, nur eine Woche später, sieht das schon ganz anders aus. Die Designerin Marine Serre schickte am Dienstag gleich mehrere Models mit Masken auf den Laufsteg, mal hübsch gemustert, mal schlicht schwarz, mal funkelnd – aber immer mit dem Ziel, gesund zu bleiben. Beziehungsweise: die anderen gesund bleiben zu lassen. Vor Ansteckung schützen Atemmasken nämlich nicht wirklich. Es sei denn, die kranken Personen tragen sie.

          Zuvor hatte die Ausbreitung des Coronavirus schon in Norditalien zu drastischen Maßnahmen geführt. Die chinesischen Journalisten, Blogger und Einkäufer hatten ihre Teilnahme an der Mailänder Modewoche abgesagt. Als dann auch noch einige lombardische Städte abgeriegelt werden mussten, gab der Designer Giorgio Armani bekannt, seine Schau werde ohne Zuschauer stattfinden – er wolle die Besucher keiner Gefahr aussetzen. Die Models liefen am Sonntag ohne Zuschauer über den Laufsteg, die Schau wurde live gestreamt.

          Angst vor der Ansteckung ist allgegenwärtig

          In Paris fehlen nun auch chinesische Marken, und hier sind sie ebenfalls überall: Menschen mit Atemschutzmasken. Vor der Schau von Dior am Dienstagnachmittag, mitten in den Tuilerien, warten die Influencerinnen mit modischen Masken auf. Die Dior-Chefdesignerin Maria Grazia Chiuri dagegen lässt sich von diesen Sorgen nicht anstecken. Ihre Models kommen ohne Masken aus. Die Schnitte sind in Dior-Manier schlicht, es gibt viel Karo.

          Virenfrei: Dior versteckt sich am Dienstag nicht hinter Masken.

          Dafür ist das Publikum leicht verändert. So hat der Bauer-Verlag („Madame“) die Journalistinnen, die schon in Mailand waren, nicht weiter nach Paris reisen lassen. Eine Kollegin des amerikanischen Magazins „Elle“ berichtet, die Kollegen, die aus Mailand berichteten, hätten am nächsten Tag nicht im New Yorker Büro erscheinen sollen. Die Angst vor der Ansteckung ist allgegenwärtig.

          Doch nicht so sehr die fehlenden Journalisten oder die beiden abwesenden chinesischen Modehäuser treffen die Modebranche an einem empfindlichen Punkt – es ist das Fernbleiben der chinesischen Einkäufer, das ebenfalls dem Coronavirus geschuldet ist. Denn sie machen mittlerweile gut ein Drittel des gesamten Modemarkts aus – und der Markt bestimmt.

          Die modischen Atemschutzmasken, die in Paris nun viele Menschen tragen, zeigen aber noch etwas Anderes: Das Coronavirus trifft alle Menschen gleich. Vor der Lungenkrankheit, die sich oft als harmlose Erkältung oder normale Grippe tarnt, sind auch die Reichen und Schönen und gut Gekleideten nicht gefeit. Sie sehen dabei höchstens besser aus.

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