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Händler in Corona-Zeiten : Es braucht einen Plan C

  • -Aktualisiert am

„Als Unternehmerin darfst du den Kopf nicht in den (griechischen) Sand stecken“: Katrin Tewes von Lemoni Bild: Ben Konnte

Viele Händler leiden unter dem ­Lockdown und dem Trend zum Online-Shopping. Aber Not kann auch erfinderisch machen: Drei Unternehmerinnen haben Alternativkonzepte.

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          Katrin Tewes – Lemoni: Modenschau auf Instagram, Sommergefühl inklusive

          Meinem Laden Lemoni geht es glücklicherweise weiterhin ähnlich gut wie vor beziehungsweise zu Anfang der Corona-Krise. Das liegt primär daran, dass es uns auch schon lange als Online-Shop gibt und dass wir unseren Umsatz dorthin shiften konnten. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen großen Einsatz, und viele unserer Stammkundinnen erweisen uns  die Treue. Dennoch: Die aktuelle Situation ist natürlich für uns alle sehr belastend – physisch wie psychisch. Spurlos geht das an keinem von uns vorbei. Denn ich bin ja nicht nur Unternehmerin, sondern auch Mutter – mit Homeschooling, Haushalt und Hund.

          Am Anfang der Corona-Krise war ich fassungslos, denn so eine Situation hätten wir uns niemals vorstellen können. Der Umsatzeinbruch in den Läden beträgt 90 Prozent. Von der Stadt oder dem Staat haben wir keinerlei Unterstützung bekommen, obwohl die Mieten der staatlich geschlossenen Läden ja weiterlaufen. Hier hätte ich mir dringend eine pragmatische Regelung gewünscht, was die Mieten geschlossener Läden betrifft, anstatt die Last der Schließung einseitig den Mietern aufzuladen. Im ersten Lockdown habe ich nichts beantragt, da wir nicht in Not waren und ich auch in den letzten vier Jahren immer sehr sparsam gewirtschaftet hatte. Ich hatte also noch Rücklagen. Jetzt werde ich aber noch mal bei meinem Steuerberater nachfragen. Netterweise hat zumindest der Vermieter des Schwabinger Ladens ein klein wenig Miete nachgelassen.

          Eine absolute Herzensangelegenheit

          Aber als Unternehmerin darfst du den Kopf nicht in den (griechischen) Sand stecken, sondern musst nach Lösungen suchen, mit denen es trotzdem weitergehen kann. Ein wichtiger Kanal ist für uns Social Media. Lemoni hatte schon vor Corona etwa 27.000 Follower auf Instagram, was unser Haupt-Kommunikationskanal ist. Diesen vielen Fans haben wir nun noch mehr Unterhaltung und Inspiration geboten als bisher, und zwar an jedem einzelnen Tag. Was uns dabei besonders macht: Wir halten nicht nur Kleidung in die Kamera, sondern ziehen die Sachen selbst an und stylen sie. So erklären wir anschaulich die Passform und auch eventuelle Tücken. Dabei sind wir sehr ehrlich, sehr persönlich, wie im Laden eben auch. Ich streue auch immer Fotos aus Griechenland mit Reisetipps ein, die so richtig Lust auf Sommer machen.

          Die Masken brachten „eine Lawine ins Rollen“: Marie-Charin Thomas von  The Lovely Concept
          Die Masken brachten „eine Lawine ins Rollen“: Marie-Charin Thomas von The Lovely Concept : Bild: The Lovely Concept

          Natürlich müssen wir Geld verdienen, noch mehr ist Lemoni aber eine absolute Herzensangelegenheit für mich als Halbgriechin und auch für meine Mitarbeiter. Wir hatten noch so viele  Ideen, zum Beispiel ein lebendiges Schaufenster mit einer Modenschau und ein Dress-up-Event auf Instagram. Da der Verkauf über Instagram, „Click & Collect“ und online aber wesentlich zeitintensiver ist, als im Laden zu verkaufen, blieben hierfür letztlich keine Kapazitäten übrig. Und da kam ja auch noch unser zweites Geschäft dazu.

          An einen nochmaligen Lockdown habe ich nicht geglaubt

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