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Brillen als Accessoire : Die Passt!

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Brille auf der Nase: Colin Firth, Hauptdarsteller in Fords Film „A Single Man“, hier bei den Filmfestspielen in Cannes 2015 Bild: Getty

Die Brille entstellt kein Gesicht mehr. Sie vertieft vielmehr den Blick, bündelt und intensiviert den Ausdruck. Über ein heute vorteilhaftes Accessoire.

          Flüchtig betrachtet, sind sie sich ähnlich. Beide sind dunkel und großrahmig, beide sind sie aus Acetat, sehr stabil und ausgesprochen dominant. Sie könnten Paradebeispiele für die jahrelange Beliebtheit sogenannter geek glasses sein, jener Brillen, die dem Blick etwas Scheues und zugleich Eindringliches verleihen. Wenn die Sache nicht viel komplizierter und aufregender wäre. Bei Brillen geht es nämlich niemals nur um den Trend.

          Dazu sind sie zu heikel, zu geheimnisvoll, ein bisschen wie Menschen, die sich nicht berechnen lassen. Brille und Gesicht gehen Bindungen miteinander ein. Selbst in Zeiten, da sich die Brille, dieser staunenswerte Gegenstand menschlichen Erfindungsgeistes, beliebig oft im Online-Handel bestellen lässt. Gesichter und Brillen finden zueinander. Ein Meister des Sehens wie Tom Ford weiß das natürlich. Was uns zurück zum Anfang bringt.

          Aus dem Film in die Realität

          Zu jenen zwei sagenhaft schicken Modellen aus Tom Fords Filmen „A Single Man“ von 2009 und „Nocturnal Animals“ von vergangenem Jahr. Colin Firth soll sich seine Brille für den ersten dieser Filme übrigens selbst aus dem Fundus gefischt haben. Er spielt George Falconer, einen Literaturprofessor, der seit dem Tod seines Geliebten in Trauer lebt. Träume vom Ertrinken und die Erinnerungen an ein verlorenes Paradies begleiten ihn. George ist ohne Illusion, melancholisch, ironisch, plötzlich auch wieder betört von der berauschenden Farbe und Pracht dieser Welt.

          Zwei Jahre jedenfalls, nachdem „A Single Man“ Furore gemacht hatte, brachte Tom Ford das geschliffene Ebenbild jener Requisite, die TF 5178, heraus. Es war gewissermaßen der Beweis, dass das Charisma der Figur, die Zärtlichkeit des Blicks auf den Gegenstand übergegangen war. Die George-Falconer-Brille war zu etwas Magischem geworden. Sie war eingegangen in den Schatz der legendären Brillen, die alle immer eine Art Orakel bedeuten. Die Frage dazu: Wie wird sie sein, die Welt, betrachtet durch diese Gläser?

          Der Blick auf eine verdrängte Wahrheit

          Für Susan Morrow (Amy Adams) in „Nocturnal Animals“ bedeutet dieser Punkt ein gefährliches Wagnis. Ihr Blick ist erstarrt. Er muss sich an die Tiefenschärfe der Wahrnehmung erst wieder gewöhnen. Genialerweise hat Kostümdesignerin Arianne Phillips eine androgyne und das Mienenspiel der Hauptdarstellerin beinahe überlagernde Brille von Céline gewählt. Durch sie hindurch blickt Susan auf eine verdrängte Wahrheit. Sie liest den Roman, den ihr Ex-Ehemann Edward (Jake Gyllenhaal), Jahre nachdem sie ihn betrogen und das gemeinsame Kind abgetrieben hat, als eine späte Rache schickt.

          Es ist ein Schock, der heftig an den Lebenslügen rüttelt. Wiederholte Male reißt sich Susan die Brille aus dem Gesicht. Doch der Zauber der nächtlichen Selbsterkenntnis siegt, und Tom Ford besteht darauf, dass Susan – aus Texas wie er selbst – an ihrer Erfahrung wächst. Er wäre nicht Tom Ford, wenn es anders wäre. Ob als Regisseur oder Modemacher, die Stärke der Frauen ist ihm heilig.

          Die Brille intensiviert den Blick

          In diesen Zusammenhang gehört, nebenbei bemerkt, auch Fords Kampagne für den kommenden Herbst und Winter. Sie zeigt das Model Binx Walton zweimal mit Brille. Es gibt ein Sonnenbrillenfoto und eines, auf dem sie durch ein Gestell im Aviator-Style den unbekleideten Körper eines Mannes fixiert.

          Das Bild ist offensichtlich die Umkehrung eines klassischen Motivs: Angezogener Mann betrachtet nackte Schöne. Hier ist sie es, die schaut. Die Haare streng zurückgekämmt, in Hose und einem grandiosen Glitzerpulli, der an die Haut eines Zauberfisches erinnert, wirkt diese Frau hochgeschlossen und überaus kontrolliert. Die mögliche Wucht ihrer erotischen Absichten liegt allein im Blick, den die Brille vertieft, den sie bündelt und intensiviert.

          Graue Mäuschen trugen immer Brille

          Die Frau mit Brille. Vielleicht ist das der Moment, in dem man noch einmal daran erinnern sollte, dass es sich um eines der mächtigsten visuellen Klischees überhaupt handelt. Im Kino trugen alte Jungfern Lorgnons vor den Augen, Stielbrillen.

          Ungeküsste Bibliothekarinnen und ins Alter kommende ewige Töchter hatten kurzsichtig zu sein. Sie waren spröde, verbitterte oder am äußersten Rand des Spielfeldes wartende, unerlöste Gestalten, die, sobald das Schicksal sie in die Nähe eines Flirts verschlagen würde, ihre Brille wie einen Makel verschwinden ließen.

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