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Inneneinrichtung : Eine Couch für Coco

Neu eingerichtet: In Coco Chanels ehemaligem Speisezimmer stehen nun der Dreisitzer Mayor von Arne Jacobsen und Flemming Lassen sowie der Tisch Palette von Jaime Hayon. Bild: Cornelia Sick

Zu Besuch bei einer Ikone: Die dänische Marke &tradition richtet sich bei Chanel neu ein.

          Von seinem Bett aus konnte Jean Cocteau die Ulmen an den Champs-Élysées sehen, auf der anderen Seite den Obelisken auf der Place de la Concorde. Dabei wohnte der Schriftsteller nur im Zwischengeschoss unterhalb der eigentlichen ersten Etage, in der seine damalige Freundin residierte. Coco Chanel war 1923 in das 340-Quadratmeter-Apartment an der Rue du Faubourg Saint-Honoré im achten Arrondissement in Paris gezogen. Cocteau folgte ihr 1928 in die Nummer 29. Bald schon gab es Gerüchte, die beiden würden heiraten. Doch daraus wurde nichts. Allerdings hinterließ Cocteau ihr einige prachtvolle Fresken an der Decke, die sich erhalten haben.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Vieles hier erinnert an Coco Chanel: Die hölzernen Art-déco-Vertäfelungen gab es damals schon, auch die tänzelnden Nackten über den Türrahmen. Die Toilette im Kleiderschrank war angeblich ebenfalls Chanels Idee. Die Möbel aber sind jüngeren Datums und sehen so gar nicht nach Jugendstil oder nach Louis XIV. aus, der Zeit, aus der das Haus stammt. Die Möbel sind neu. Martin Kornbek Hansen hat sie aus Kopenhagen mitgebracht.

          Im Geschoss unter der früheren Wohnung der berühmtesten Modedesignerin der Welt hat heute eine Agentur ihren Sitz, die Veranstaltungen organisiert: die MR-Agentur von Melissa Regan. Sie hatte auch die Idee, die Beletage, die sich im Privatbesitz befindet, neu einzurichten und entschied sich für die aufstrebende dänische Marke &tradition von Kornbek Hansen. Der Zweiunddreißigjährige hat sich in nur sieben Jahren einen Namen gemacht. Er hat Entwürfe alter Meister wie Arne Jacobsen und Verner Panton ebenso im Programm wie junge Designer. Die Spannbreite funktioniert erstaunlich gut: Die aktuelle Kollektion haben der Deutsche Sebastian Herkner, der Spanier Jaime Hayon, der Finne Harri Koskinen, der Schwede Andreas Bozarth Fornell und der Italiener Luca Nichetto bestückt.

          Im ehemaligen Esszimmer von Coco Chanel steht nun der Dreisitzer Mayor von Arne Jacobsen und Flemming Lassen, den die beiden einst für das von ihnen erbaute Rathaus von Søllerødd im Norden Kopenhagens schufen. „Es ging aber nie in Produktion“, sagt Kornbek Hansen. Erst der &tradition-Chef bekam die Rechte an dem Entwurf vom Enkel Jacobsens zugesprochen. Nun steht der 70 Jahre alte hochbeinige Klassiker mit seiner Knopfheftung neben dem gerade einmal zwei Jahre alten Couchtisch Palette von Jaime Hayon, für den er gleich vier Materialien - Messing, Stahl, Marmor und Holz - kombinierte. Couch und Tisch stehen auf dem Teppich The Moor des schwedisch-dänischen Designerinnen-Quartetts All the Way to Paris (Tanja Vibe, Petra Olsson Gendt, Elin Kinning, Matilde Rasmussen).

          Materialien, die zum Raum passen

          Am Kamin, der mit Marmor eingefasst ist, steht noch ein Beistelltisch: Shuffle von der Norwegerin Mia Hamborg. Der Entwurf von 2010 erinnert an ein Kinderspielzeug, bei dem bunte Scheiben über einen Stecken geschoben werden. Nur sind hier die zum Teil gewichtigen Elemente aus MDF, Eichenholz und Marmor. Auf dem Kaminsims stehen die Vasen True Colour vom Niederländer Lex Pott, aus Messing, Kupfer, Stahl oder Aluminium, auf dem Tisch Palette die mundgeblasenen Glasschalen Tricolore von Sebastian Herkner.

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