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Inneneinrichtung : Eine Couch für Coco

“Wir haben versucht, Materialien auszusuchen, die zu dem Raum passen“, sagt Signe Hytte. „Entwürfe aus Marmor ergänzen sich gut mit dem Kamin hier im ehemaligen Speisezimmer.“ Die junge dänische Designerin hat zusammen mit Kornbek Hansen einen Teil der einstigen Chanel-Wohnung eingerichtet. Sie führt durch das Apartment, in dem die Gründerin des nach ihr benannten Mode-Imperiums früher rauschende Partys feierte. An Dienern herrschte offenbar kein Mangel: Für sie gab es eine eigene Treppe von der Küche hinauf in den ersten Stock und einen Seitengang, der durch eine in der Holzvertäfelung verborgene Tür direkt ins damalige Esszimmer führte.

Nun sitzt Martin Kornbek Hansen vor dieser Tür und erzählt, wie er mit 25 Jahren mit Hilfe seiner Familie sein Unternehmen &tradition gründete. „Meinem Großvater Simon Hansen gehörte ein Stahlwerk, das hauptsächlich Küchenwerkzeuge und Bestecke herstellte.“ Aus dem Familienunternehmen wurde die große dänische Einrichtungsmarke Menu. Sein jüngerer Bruder Joachim ist Designchef der Firma, in der auch Simon Hansen und sein Sohn Bjarne sowie eine Schwester von Martin Kornbek Hansen arbeiten. Er selbst träumte aber davon, sich selbständig zu machen. Die Chance bot sich ihm nach seinem Wirtschaftsstudium: Kornbek Hansen kaufte Klaus Kastbjerg sein Einrichtungsunternehmen Unique Copenhagen auf der Insel Papirøen in Kopenhagen ab und gab ihm den Namen &tradition. Auf der Papierinsel, die so heißt, weil dort einst Papier hergestellt wurde, hatte Kornbek Hansen bis zu diesem Jahr seinen Hauptsitz. Nun ist er mit seinen 35 Mitarbeitern in ein altes Stadthaus mit 1600 Quadratmetern gezogen - direkt am Park von Schloss Rosenborg.

Auch die Besitzverhältnisse haben sich geändert. Sein Vater und das Unternehmen Menu haben ihre Anteile verkauft, 50 Prozent der Marke gehören nun Mette und Rolf Hay und der von ihnen gegründeten dänischen Möbelmarke Hay sowie Troels Holch Povlsen, dem Gründer der dänischen Modekette Bestseller. Weitere 25 Prozent hat Holch Povlsens Sohn Anders übernommen, die restlichen 25 Prozent bleiben im Besitz von Martin Kornbek Hansen, der die Geschäfte weiter führt. „Durch die neuen Beteiligungen können wir uns globaler aufstellen“, sagt Kornbek Hansen. Noch sei Skandinavien der größte Markt, doch danach folgen schon die Benelux-Staaten und Deutschland. „Am schnellsten wächst unsere Kundschaft in Asien.“ Sein Erfolgsgeheimnis: „Ich renne keinen Trends hinterher. Ich will Innovation mit Tradition verbinden - darum auch der Name meines Unternehmens.“ Deshalb habe er Lizenzen von Klassikern erworben wie etwa der Flower-PotLeuchte von Verner Panton, einer Pop-Ikone der Sechziger.

Für den Panton-Entwurf war in Coco Chanels ehemaligem Apartment kein Platz. Auf Dauer werden die Möbel aus Kopenhagen auch nicht bleiben. Der Ort aber soll nicht wieder in Vergessenheit geraten. Die amerikanische „Vogue“-Chefin Anna Wintour lud schon zu einem Essen zu Ehren Chanels in die Räume ein. Dass die Designerin dort 1932 ihre mit Paul Iribe entworfene Schmuckkollektion „Bijoux de Diamants“ präsentierte, ist kaum bekannt - auch weil sie wenig später im Hôtel Ritz an der Place Vendôme eine rückseitig zur Rue Cambon gelegene ZweiZimmer-Suite bezog, in der sie 1971 starb.

Art déco trifft auf Minimalismus: Der Sessel Fly und die Stehleuchte Copenhagen Pendant, beide entworfen von Space Copenhagen, wurden dieses Jahr von &tradition vorgestellt.

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