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Coach-Designer Stuart Vevers : Er holt die Mode aus der Tasche

Von der High Line in die Welt: Die Coach-Kollektion von Stuart Verves fürs Frühjahr und Sommer 2020 kommt vom Leder – und geht weiter. Bild: Helmut Fricke

Stuart Vevers hat Coach, die Taschenmarke aus New York, erneuert. Nun wird sie auch modisch ernst genommen und braucht sich im Wettbewerb mit Tommy Hilfiger, Ralph Lauren oder Tory Burch nicht mehr zu verstecken.

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          Findig war er schon immer. Als der Designer Alexander McQueen Anfang der neunziger Jahre seine erste Show veranstaltete, stand auch Stuart Vevers vor der Tür. Der Modestudent von der University of Westminster in London wollte unbedingt hinein. „Ich fragte eine Fernsehreporterin, ob sie zufällig eine Eintrittskarte zu viel habe.“ Sie sagte: „Habe ich wirklich!“

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Stuart Vevers rattert solche Anekdoten am laufenden Band herunter. Denn so jung der Modemacher noch wirkt, der über den Dächern von Manhattan zum Gespräch empfängt, so viele Erfahrungen hat er schon gemacht. Der schlaksige Junge aus der Stadt Carlisle in der entlegenen britischen Grafschaft Cumbria ist zwar noch schlaksig, aber schon lange kein Junge mehr: Im November ist er 46 geworden.

          Heute muss er sich nirgends mehr anstellen. Eher ist es so, dass sich die Modestudenten vom Fashion Institute of Technology und von der Parsons School of Design um Tickets für seine Schauen auf der New York Fashion Week bemühen. Denn Vevers ist als Chefdesigner der Marke Coach inzwischen eine der Größen der Modewoche. Im September war seine Open-Air-Schau auf der High Line, der spektakulär zum Park umgebauten Güterzugtrasse an der Westseite von Manhattan. Die Plätze waren so begehrt, dass sich unten am Treppenaufgang an der Ecke von 30. Straße und zehnter Avenue eine Traube von Menschen bildete, die auch gern in den Garten Eden hochgelassen worden wäre.

          Blick auf die weite Welt – hinüber nach New Jersey

          Immerhin konnten die Mitarbeiter von Coach etwas sehen von den Entwürfen, die über die alten Bahnschienen defilierten: Sie mussten nur aus den Fenstern ihrer Ateliers und Büros nach unten schauen. Denn die amerikanische Marke sitzt hoch über der alten Trasse in einem Hochhaus der Hudson Yards, des riesigen neuen Einkaufsviertels mit so schönen wie leeren Großboutiquen, das ein bisschen Belebung durch Modenschauen durchaus vertragen kann.

          Auch Stuart Vevers hat einen wunderbaren Blick: auf der einen Seite der Garment District, der alte Textilbezirk, der zu modischen Leistungen verpflichtet, auf der anderen Seite der Hudson, der einen weiten Blick in die Welt erlaubt – beziehungsweise dann doch nur hinüber bis nach New Jersey.

          Seine Eltern waren enttäuscht: Mittlerweile hat Stuart Vevers, der seit fast sieben Jahren für Coach arbeitet, auch sie von sich überzeugt.

          Für neue Perspektiven ist er vor fast sieben Jahren von Coach verpflichtet worden. Er soll die Marke, die in Amerika so bekannt ist wie in der Welt unbekannt, fit für den globalen Markt machen. Sowohl in Sachen Design wie in Sachen Geschäft ist er schon vorangekommen: Coach wird nicht mehr nur als Taschenhersteller gesehen, sondern inzwischen auch als Modemarke, die den Wettbewerb mit Tommy Hilfiger, Ralph Lauren oder Tory Burch nicht scheuen muss; und der Umsatz der Firma ist stetig gewachsen, auf 4,27 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Auch in diesem Jahr will man weiter zulegen – dank immer mehr eigener Geschäfte in aller Welt und einem boomenden Online-Business.

          Stuart Vevers hat für diesen Job einen langen Anlauf genommen. Als Junge in der nordenglischen Provinz wusste er zunächst noch gar nicht, dass es so etwas wie Mode gibt. Weil er groß war für sein Alter und schon mit 14 in Clubs gelassen wurde, lernte er früh, die Mode zu lieben. Seine Großmutter, eine Schneiderin, „eine coole Oma“, nähte ihm Outfits zum Ausgehen. Da ahnte er, dass er Kleidung nicht einfach nur tragen, sondern selbst machen wollte. Als er die Kollektionen großer Designer bewusst wahrnahm, war es um ihn geschehen. Bei seinen Eltern kam sein Wunsch, Modedesign zu studieren, allerdings nicht so gut an. Sein Vater befand: „Was für eine Zeitverschwendung!“ Die Eltern hatten einst mit 15 Jahren die Schule verlassen und wollten, dass ihre beiden Söhne Karriere machen. Heute macht Stuart Vevers, der vermutlich etwa eine Million Dollar pro Jahr verdient, Witze darüber – sein Vater zum Glück auch.

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