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Auf den Spuren von Kaia Gerber : Tochter, Model, Star

Nicht irgendein Tuxedokleid. Das Stück hat sie selbst entworfen – zusammen mit Karl Lagerfeld. Bild: Say Who

Weil sie Kaia Gerber ist und ihre Mutter Cindy Crawford heißt, hat sie innerhalb eines Jahres die Mode aufgemischt wie kein anderes Model. Treffen mit einem berühmten Teenager zu später Stunde.

          Wenn man Kaia Gerber kennenlernen will, hilft es schon mal, die folgende Szene auf sich wirken zu lassen. Ein Dienstagabend nach 22 Uhr. Die Party im Stadtpalais der Marke Karl Lagerfeld an der Rue Saint-Guillaume in Saint-Germain-des-Prés läuft gerade richtig an, die Kellner servieren Champagner, Foie gras, vegetarische Miniburger. Der Smalltalk kreist um den Modemonat, der heute, nach vier Wochen in New York, London und Mailand hier in Paris, ein Ende hat. War es eine gute Saison? Eine lahme? In jedem Fall war sie ziemlich präsent.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So wie es bei Partys üblich ist, gibt es auch an diesem Abend einen Raum, in dem mehr los ist als überall sonst. Es ist ein Nebenzimmer; an der Tür hat sich eine Traube Menschen versammelt. Je weiter man sich nach vorne schiebt, in das Zimmer hinein, umso ruhiger wird es. Dafür sorgen gleich mehrere Teams.

          Sehr viele Zeigefinger werden hier permanent über die Lippen gehalten, die Blicke sind fixiert auf die schwarze Couch direkt am Fenster, und im nächsten Moment wird man gebeten, auf einem Hocker gegenüber Platz zu nehmen.

          25 Schauen in 27 Tagen: Kaia Gerber läuft für Saint Laurent

          Da sitzt also Kaia Gerber, lange braune Haare, leichte Wellen, bezeichnend aber sind vor allem die feinen Gesichtszüge in Kombination mit den großen Augen, die zum einen davon erzählen, wie echt jung sie noch ist. Zum anderen zeigen sie sehr deutlich, woher sie kommt. Sie braucht eigentlich keine Interviews zu geben. Der Rummel um sie ist auch so groß genug. Einfach, weil sie ist, wer sie ist.

          Weil sie Kaia Gerber ist, hat sie innerhalb eines Jahres die Mode aufgemischt wie sonst kein anderes Model. In den vergangenen vier Wochen ist sie auf 25 Laufstegen erschienen. Sie unterhält jetzt über Jahre dauernde Verträge, mit Omega, mit Yves Saint Laurent, in diesem Herbst begegnet man ihr in jeder zweiten Kampagne der Luxusmarken. Weil sie Kaia Gerber ist, folgen ihr knapp vier Millionen Menschen auf Instagram. Klar, weil sie Kaia Gerber ist, hagelt es auch ständig Kritik. Kaia Gerber sei zu dünn. Zu jung. Sie habe zu wenig an.

          Dass sie Kaia Gerber ist, hat in erster Linie mit ihrer Mutter zu tun, die sie in diesem Fall nicht nur geboren und aufgezogen hat, sondern deren Erbe sie jetzt auch im Modelgeschäft antritt. Kaia Gerber ist die Tochter von Cindy Crawford, einen der großen Supermodels der einzigen Ära, in der es diese wirklich gab. Die Story der Tochter ist somit einfach zu gut, und deshalb kann daran auch gleich eine weitere anknüpfen. Zu dem, was sie an diesem Abend trägt, gibt’s insofern auch eine Geschichte. Ist etwas Kurzes, Schwarzes, ein Tuxedokleid. Kaia Gerber sagt: „Es ist von Karl und Kaia.“

          Kaia Gerber sitzt auf dieser schwarzen Couch nicht alleine, neben ihr hat Karl Lagerfeld Platz genommen. Mit ihm macht sie jetzt gemeinsame Sache, eine eigene Kollektion. Fehlte ihr noch auf dem Lebenslauf. „So etwas habe ich tatsächlich noch nie gemacht“, sagt sie. „Ich hätte von niemand Besserem lernen können.“ Und er sagt: „Ich bin kein Lehrer. Ich höre gar nicht zu.“

          Kaia Gerber tritt bei den Modewochen von New York bis Paris auf, hier für Chanel

          Gerade erst 16, schon auf dem Laufsteg für Calvin Klein

          Ein Jahr lang seien sie damit beschäftigt gewesen; auf die Idee wird man also recht zügig gekommen sein, nachdem sie von einem Tag auf den anderen zum Star-Model wurde. Der Begriff „Supermodel“ gehört in eine andere Zeit. Dieser Kaia-Gerber-Moment war in jedem Fall maximal gut vorbereitet: Am 3. September 2017 hatte das Mädchen seinen 16. Geburtstag gefeiert und somit im Hinblick auf das Modelgeschäft so etwas wie die Volljährigkeit erreicht. Eine Altersgrenze, die in dieser von Jugend getriebenen Branche erst im vergangenen Jahr von den Großkonzernen LVMH und Kering wie eine Vernunftentscheidung gehandelt wurde.

          Vier Tage später, am 7. September, betrat die Sechzehnjährige jedenfalls den Laufsteg von Calvin Klein in New York, und damit war die Karriere von Kaia Gerber offiziell lanciert. Am 9. September lief das Model bei Alexander Wang. Das war auch der Tag, an dem Lagerfeld ernsthaft von ihr Notiz nahm: „Sie kam raus, und ich wusste, das ist das neue Mädchen. Ich habe es mir auf Video angeschaut.“

          Als Erstes fiel Lagerfeld ihr walk auf. Während die Frauen der Supermodel-Ära damals tatsächlich einzigartige Auftritte hinlegen konnten, hat sich in jüngerer Vergangenheit vieles vereinheitlicht. Zur Inszenierung einer Marke gehört längst auch die Choreographie auf dem Laufsteg, und entsprechende Hinweise hängen für gewöhnlich am Ausgang bereit. „Walk straight“, „Have fun“, „Be your own woman“, am Ende übersetzt sich all das meistens in einen zügigen, schnörkellosen Lauf.

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