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Taschenauktion : Cash in die Täsch

  • -Aktualisiert am

Kelly-Tasche von Hermès, Größe 28, seladonfarbiges Alligatorleder (1994): 57.900 Euro mit Aufgeld. Bild: Christie's

Bei einer Taschenauktion bei Christie’s in Paris ist vor allem Hermès beliebt. Aber die Preise gehen nicht mehr in unendliche Höhen. Über ein Marketingprinzip, bei dem geschickt mit Raritäten jongliert wird.

          Woran erkennt man die echte Pariserin? Natürlich an der Hermès-Handtasche, der schicken Kelly Bag oder der lümmeligen Birkin Bag am locker angewinkelten Arm. Christie's-Experte Cyril Pigot-Keller meint sogar, „la vraie parisienne“ habe eine Sammlung von etwa 40 Taschen im Dressingroom. Klar, schon Catherine Deneuve steckte ihr erstes Schauspielerinnengehalt in eine Kelly. So hätte man/frau auch anfangen sollen: nämlich früh.

          Im Mythos liegt der Reiz und der Hype um Hermès. Auf internationalen Taschen-Auktionen kommen neben wenigen ausgefallenen Exemplaren von Chanel, Dior, Louis Vuitton oder etwa Bulgari überwiegend Birkins und Kellys unter den Hammer. Denn jede dieser Taschen ist durch Farbe, Leder, Verarbeitung, Größe, Patina ein ganz eigenes Kunstwerk. Auf dem Auktionsmarkt verkaufen sich die Taschen teurer gebraucht als neu im legendären Geschäft an der Rue du Faubourg Saint-Honoré, wo das Angebot undurchsichtig reguliert wird. Nur Fetischisten oder kundige Sammler wissen, wie lange man gerade auf welches Modell warten muss. Die langen Wartelisten gibt es zwar seit 2013 nicht mehr. Aber das geschickte Jonglieren mit der Rarität gehört weiter zum Marketingprinzip. Auch deshalb gehen viele zu einer Auktion und zahlen je nach Modell und Größe mindestens 6000 Euro. Handtaschen mit außergewöhnlich gefärbten exotischen Ledersorten liegen weit darüber. Die Kurse der verschiedenen Modelle sind eine hochsensible Angelegenheit.

          Auktionspreise pendeln sich wieder ein

          Bei der Auktion „Sacs & Accessoires“, die im März während der Pariser Modewoche bei Christie's stattfand, kamen gut 150 Lose zum Aufruf. Die Erwartungen an die Auktion waren besonders groß, denn die Preise sind in die Höhe geschnellt. So wurde bei Christie's in Hongkong im Juli 2015 die teuerste Handtasche der Welt zugeschlagen: Eine Birkin Bag in pinkfarbenem Krokodilleder mit diamantbesetzten Metallteilen aus achtzehnkarätigem Gold erreichte mit Aufgeld 202.000 Euro, auch wegen der Schmuckausstattung. Aussagekräftiger für die Preisentwicklung ist eine Birkin Bag Himalaya in mattweißem Niloticus-Krokodilleder - im März 2015 erzielte eine solche Tasche, Größe 35 und in exzellentem Zustand, bei Christie's stolze 157.500 Euro, Aufgeld inbegriffen; die Taxe hatte zwischen 70.000 und 90.000 Euro gelegen.

          Jumbo-Tasche mit Doppelklappe von Chanel in rotem Krokodilleder (Hammerpreis 9000 Euro), in Alligator-Leder (14.000 Euro).

          Dieses Mal kam ein vergleichbares Modell (Größe 30) trotz eines wie neu bewerteten Zustandes bei einer Taxe zwischen 50.000 und 70.000 Euro für nur 65.000 Euro unter den Hammer, mit Aufgeld 79.500 Euro. Es war das Spitzenlos der Auktion, bei der 20 Prozent der Lose zurückgeschickt wurden. Das Ergebnis muss als konjunkturelles Zeichen gewertet werden. Eine zweite Himalaya Birkin Bag in Größe 35, ebenfalls wie neu, fand bei einer Taxe zwischen 70.000 und 90.000 Euro keine Abnahme. Das heißt wohl: Nach der Überbewertung pendeln sich die Preise auf dem Auktionsmarkt wieder ein.

          Das Skandälchen um Jane Birkin

          Aber hier geht es natürlich nicht nur um die aktuelle Preisentwicklung - die Taschen sind Anlageobjekte und Liebhaberstücke. Als Statussymbole und Statements verführen sie die Frauen zu umfassenden Sammlungen. Victoria Beckham soll mehr als 100 Birkins und einige Kellys besitzen, ihre Sammlung wird auf 1,5 Millionen Pfund geschätzt. Kanye West schenkte seiner Frau Kim Kardashian eine von George Condo mit krassen Aktfiguren handbemalte Birkin Bag. Außerdem soll Kardashians kleine Tochter North West eine Kelly Bag bemalt haben - die, sollte sie dereinst auf den Markt kommen, großen Sammlerwert haben wird.

          Kelly-Picknick-Tasche von Hermès aus Barenia-Leder und Korbgeflecht (2012): 43.500 Euro mit Aufgeld.

          Das Skandälchen um Jane Birkin, die im vergangenen Jahr vorübergehend der nach ihr benannten Birkin Bag den Namen zu entziehen drohte, weil sie grausame Praktiken bei der Behandlung von Krokodilen in Zuchtfarmen zu erkennen glaubte, war vielleicht ein Imageschaden - dem Mythos konnte es nichts anhaben.

          Die Farbe bestimmt den Preis

          Die Käufer und Sammler von Hermès-Taschen reichen von der Studentin bis zur Prinzessin. Auch Männer tragen Kelly und Birkin Bags. Wer sich nicht gerne im Publikum einer Auktion zeigen möchte oder gerade am anderen Ende der Welt ist, bietet am Telefon oder via Internet mit. Stars sitzen natürlich nicht im Pariser Auktionssaal. Allerdings zeigt sich dort ein Publikum aus versierten Kennern mit vielen asiatischen Teilnehmern. An bekannten Persönlichkeiten sind Bernadette Chirac und ihre Tochter Claude dabei. Die Gattin des ehemaligen Präsidenten ist für ihre Vorliebe für schicke Handtaschen bekannt. Sie ersteigert eine dunkeltürkisfarbene Birkin Bag 30 in Clémence-Leder für 9500 Euro (Taxe 7000/9000 Euro).

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