https://www.faz.net/-hrx-a6gha

Christiane Arp verlässt Vogue : Von Heidi zu Leni

Ihr letzter Titel: In der neuen „Vogue“ feiert Leni Klum ihre Premiere auf einer Titelseite. Bild: dpa

Christiane Arp tritt als Chefredakteurin der „Vogue“ zurück. Der Wechsel verweist auf Unsicherheiten im Luxusmarkt.

          4 Min.

          Es war in ihren frühen Jahren als Chefredakteurin der wichtigsten deutschen Modezeitschrift. Christiane Arp stand bei der New York Fashion Week im Modezelt am Bryant Park für die Schau von Oscar de la Renta an. Am Eingang gab man ihr die Platzkarte: fünfte Reihe. Andere Chefinnen hätten jetzt rebelliert, den PR-Chef hinzugebeten, hektisch mit irgendjemandem telefoniert oder sich trotz falscher Platzkarte wortlos in der ersten Reihe festgesetzt. Christiane Arp schwieg, machte auf dem hohen Absatz kehrt und ging hinaus ins Licht.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Chefredakteurin der „Vogue“ zu sein, und sei es auch nur der deutschen Ausgabe, das ist kein Traumjob, wie sich Modejüngerinnen das vielleicht ausrechnen. Der große Auftritt im Magazin wird erkauft durch viele kleine Demütigungen: dass die oberste „Vogue“-Frau, Anna Wintour, auf einen herab- und an einem vorbeischaut oder dass die große Pariser Marke für ihr großes Anzeigenbudget auch eine große Modestrecke im redaktionellen Teil verlangt. Am Einlass einer Hugo-Boss-Schau am Hockenheimring im Jahr 2006 wurde sie doch wirklich zwei Mal nach ihrem Namen gefragt. Da dann aber keine Kehrtwende, sondern recht deutlich: „A! R! P!“

          „Aus persönlichen und privaten Gründen“

          Sie wurde unterschätzt – das war ihr großes Kapital. Als Nachfolgerin der flamboyanten Angelica Blechschmidt baute Christiane Arp ihre Autorität norddeutsch behutsam auf: mit wohlgesetzten leisen Worten, dem fast schon mönchischen Kleidungsstil (Lieblingsfarbe Schwarz), dem unermüdlichen Besuch von Modenschauen, Stehempfängen, Geschäftseröffnungen, Abendessen. Und das Heft wollte ja auch noch gemacht werden. Kaum eine Chefredakteurin hat so viele Modestrecken selbst produziert, mit Fotografen wie Peter Lindbergh, Karl Lagerfeld, Mario Testino. Und noch wenn es dunkel wurde in der ersten Reihe in Paris und aus den Lautsprechern die Ansage „the show is about to start“ donnerte, leuchtete ihr Bildschirm – nicht weil sie Selfies gemacht hätte, sondern weil in München noch eine Seite abgenommen werden wollte.

          Bis Donnerstag ging das so. Da schickte um 16.24 Uhr Jessica Peppel-Schulz, CEO des Verlags Condé Nast Germany, eine Mitteilung an ihre Mitarbeiter: „Aus persönlichen und privaten Gründen“ habe sich Arp entschieden zu gehen. Seit 2003 war sie dort oben, länger als jede andere amtierende Chefin der vielen „Vogue“-Länderausgaben, außer natürlich der Teufelin, die Prada trägt.

          Beim F.A.Z.-Modeempfang 2012: Christiane Arp vertrat die „Vogue“ 17 Jahre lang.
          Beim F.A.Z.-Modeempfang 2012: Christiane Arp vertrat die „Vogue“ 17 Jahre lang. : Bild: Julia Zimmermann

          Muss man davon Notiz nehmen? Unbedingt! In München ist die Hölle los – wann gibt es das schon? In der Deutschland-Zentrale des amerikanischen Verlags („Vogue“, „GQ“, „Glamour“, „AD“) werden die Lounge Chairs gerückt. Peppel-Schulz steht wegen eines Condé-Nast-Umbaus selbst vor ihrem Abgang. Erst vor vier Wochen kündigte „Glamour“-Chefin Andrea Ketterer ihren Abschied nach zwölf Jahren an. Und bei „GQ“ ist seit Anfang des Jahres auch Entertainer Joko Winterscheidt im Führungsteam. Dadurch wird Anzeigenmann André Pollmann so wichtig, dass er sich nun als „Chief Creative Director“ im Editorial abbilden lässt. Der Verlag wird also schnell umgebaut „zu einer Art Marketingagentur mit angeschlossenen Medienmarken“, wie die Fachzeitschrift „Horizont“ nüchtern befand.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Markus Söder am Donnerstag in München

          Corona-Beratungen : Hat da jemand „schlumpfig“ gesagt?

          Bis in den späten Abend hinein ringen die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten um die neue Linie in Sachen Corona. Zu fortgeschrittener Stunde kommt es in der Schalte zum Schlagabtausch.
          Moria: Kinder im Flüchtlingslager auf Lesbos im März 2020

          Einfühlungsvermögen : Wann geht uns etwas nahe?

          In den Nachrichten sehen wir täglich Bilder von Leid, Schmerz und Zerstörung. Warum reagieren wir auf einige Bilder empathisch, auf andere wiederum nicht? Und können wir das steuern?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.