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Seidentücher, keine Schleier : Für wen Christian Wulff in der Türkei arbeitet

Persönlich verbunden: Die Wulffs, hier mit Franziska Knuppe, bei der Yargici-Eröffnung Bild: Getty

Ausgerechnet in Zeiten, da die deutsch-türkischen Beziehungen alles andere als entspannt sind, versucht ein Modeunternehmen aus Istanbul den Deutschland-Start. Sein Anwalt heißt Christian Wulff. Was hat es mit dieser Marke auf sich?

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          Anfang vergangener Woche bekam Erik Schaap plötzlich unvorhergesehen viele E-Mails. Auch das Telefon klingelte öfter als sonst. Der Geschäftsführer einer bis dato so gut wie unbekannten Modemarke wunderte sich darüber, wer auf einmal alles seine Kontaktdaten hatte. Erik Schaap ist Deutschland-Chef von Yargici. Hatte man sich in den vergangenen Wochen nicht zufällig ins Einkaufszentrum „Centro Oberhausen“ verirrt, in den „Boulevard Berlin“ oder war in der Hamburger Fußgängerzone über den Namen gestolpert, musste man diese Marke nicht kennen. Erst vor anderthalb Jahren waren die Köpfe hinter dem Unternehmen überhaupt zu der Entscheidung gekommen, Deutschland als neuen Markt anzugehen. Die Türkei, Heimat von Yargici, war weitgehend gesättigt. Zwei Brüder hatten die Marke dort vor 39 Jahren gegründet, mit Herrenmode ging es los. 1988 kam Damenmode dazu, die schnell viel besser lief. Also schwenkten die Unternehmer um. Sie unterhalten damit heute gut sechzig Läden. „Dreißig in Istanbul, dreißig über das Land verteilt, somit ist die Türkei voll“, sagt auch Deutschland-Chef Erik Schaap.

          Unkompliziert und ausdrucksstark: Aber hat Yargici mit dieser Art von Mode in Deutschland auch eine Chance? Bilderstrecke
          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Deutschland schien attraktiv, zumal es persönliche Kontakte gab. Dass die Marke es hier innerhalb von wenigen Tagen zu Bekanntheit geschafft hat, liegt an einem jener Kontakte. An Christian Wulff, der, wie die „Bild am Sonntag“ berichtete, Prokura bei Yargici übertragen bekommen hat. Es entbrannte eine kurze Debatte über das Thema Ehrensold und Verdienste aus Nebentätigkeiten, ob einem Ex-Bundespräsidenten, der mit 236.000 Euro im Jahr ausgestattet ist, noch weitere Einkünfte zustehen. Nur ist Wulff eben kein Angestellter von Yargici und somit nicht weisungsabhängig. „Christian Wulff ist unser Anwalt“, sagt Schaap. „Er und seine Frau kannten uns schon aus der Türkei.“ Auf einer Reise vor einiger Zeit habe man sich kennengelernt. „Er hat uns die letzten anderthalb Jahre juristisch begleitet.“ Auch die Eröffnung des Yargici-Ladens in Hamburg Ende Mai ließen Wulff und seine Frau sich nicht entgehen. Zu den prominenten Gästen an jenem Abend gehörten das Model Franziska Knuppe, die Fernsehmoderatorin Johanna Klum, die Sängerin Cassandra Steen und Christian und Bettina Wulff. Auf Fotos sieht man den ehemaligen Bundespräsidenten und seine Frau vor der für die Marke typischen Mischung aus nicht allzu komplizierter Mode und halbexotisch anmutenden Einrichtungsgegenständen, vor den Schals aus Baumwolle und Leinen.

          Besonders dank dieser Schals sei Yargici in der Türkei erfolgreich, meint Schaap. Die Schals würden dabei nicht zur Verschleierung dienen, Yargici stehe für das genaue Gegenteil. „Verschleierung spielt keine Rolle – und hat es auch noch nie.“ Die Mode von Yargici ist eine Art türkisches Pendant zu Marc O’Polo aus Deutschland, zu Marken wie Sandro oder Maje aus Frankreich; Mode, die so sehr dem persönlichen Ausdruck dient, wie sie einfach zu tragen ist. Man sieht es an den markanten Längsstreifenmustern oder an den Hemden mit Smoking-Falten oder an den blassrosa Blusen, die hinten statt vorne geknöpft sind, mit tiefem Rückenausschnitt. Die Botschaft: Basics mit ungewöhnlichen Details, große Wirkung. Die Preise liegen ähnlich, Yargici ist weder sehr teuer noch billig. Die blassrosa Bluse, die man bewusst falsch herum trägt, kostet etwa 73 Euro im Online-Shop.

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