https://www.faz.net/-hrx-9tjnv

Vom Schönheitsinstitut zum Kosmetikriesen: Christian Courtin-Clarins führt ein Imperium. Bild: Lucas Bäuml

Christian Courtin-Clarins : Er managt Schönheit

Seit Jahrzehnten verkauft Christian Courtin-Clarins die Schönheitsprodukte seines Familienunternehmens in die ganze Welt – und beobachtet, wie sie sich verändert.

          8 Min.

          Da war zum Beispiel am Wochenende dieser unfreiwillige Salto. Christian Courtin-Clarins ist nicht einfach auf einer Mountainbike-Tour gestürzt. Er erzählt, wie er erst nach vorne fiel, über die Lenkstange hinweg, und sich dann im Fallen noch drehte. Christian Courtin-Clarins, 68 Jahre alt, ein stattlicher Mann, gebräunter Teint, schlohweißes Haar, ist Schönheitsmanager. Er kennt sich aus mit blumigen Beschreibungen, selbst wenn es um blutige Angelegenheiten geht. Und um blaue Flecken. Er muss recht hart gelandet sein. „Die Beine, die Brust, der Mund.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das kleine Abenteuer am Wochenende ist der Grund, weshalb er an diesem Montagnachmittag einen Visagisten vor dem Gespräch in sein Pariser Büro bittet, der mit Pinsel und Quaste die Partie um seine Lippen bearbeitet, während sich die Besucher schon mal setzen können. Ein Schönheitsmanager, der sich schminken lässt, vor drei Zeugen. Christian Courtin-Clarins leitet zusammen mit seinem Bruder in zweiter Generation den Beautykonzern Clarins, den sein Vater 1954 gegründet hat – da hat so eine Schminkszene durchaus Symbolkraft. Denn wie ist es bestellt um die Schönheit bei Männern? Sehen sie Schminken heute so locker wie Courtin-Clarins, zwei Jahrzehnte nach Anbruch des metrosexuellen Zeitalters?

          Für ihn ist das nur eines von vielen Kapiteln in der Schönheitsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. Ein wichtiges, sicher, aber Courtin-Clarins kann das ganz gut einordnen. Seit 45 Jahren reagiert er auf Körperbilder und Schönheitsempfinden in der ganzen Welt - mit den Produkten seiner Familie. Er hat einen eigenen Blick erworben auf die Welt und die Menschen, die sie bewohnen.

          Unternehmen in weiten Teilen der Welt aktiv

          Auch aus seiner Perspektive geht es vorrangig um Luxusprobleme, selbstverständlich, nicht um Kriege und Konflikte und Naturkatastrophen. Nur um Dellen an den Oberschenkeln, Falten auf der Stirn, einen markanten Gesichtsausdruck oder Hände, die so gepflegt aussehen sollen, als würden sie den ganzen Tag über ein iPhone streicheln. Doch die Welt lässt sich trotzdem ein Stück weit auf Basis dieser Wünsche erklären. Denn sie erzählen etwas über das Intimste, womit sich ein Mensch beschäftigen kann, den eigenen Körper. Am Anfang mögen da nur Zahlen und Fakten stehen, am Ende aber lässt sich schon sagen, in welche Richtung es für eine Gesellschaft geht.

          Courtin-Clarins ist ein genauer Beobachter der Welt. Und er ist ein Unternehmer, der entsprechend handelt. Seit 1974 ist er in der Firma tätig. Damals war Clarins in drei Märkten aktiv. Heute sind es 141. Für Courtin-Clarins gibt es kaum mehr weiße Flecken auf der Landkarte. Sein Büro in der sechsten Etage spiegelt dieses Leben wider, auch wenn der Konzern erst vor einigen Jahren alle Teile des Unternehmens unter einem Dach vereint hat, in einem verspiegelten Turm an der Porte des Ternes in Paris. Im Regal neben seinem Schreibtisch stehen Riesen-Flakons des mehr als 30 Jahre alten Duftklassikers Eau Dynamisante. An der Wand lehnt das Bild eines vom Aussterben bedrohten Alpenvogels, den man nach seinem Unternehmen benannt hat.

          Weitere Themen

          Seifenoper statt Moderation

          Leonard Diepenbrock : Seifenoper statt Moderation

          Leonard Diepenbrock, einst bekannt als RTL-Fernsehmoderator bei „Punkt 6“ und „Exclusiv“, hat sein Leben vor der Kamera aufgegeben – für vegane Schönheitsprodukte. Umerziehen will er aber niemanden.

          Topmeldungen

          Ilhan Omar spricht bei einem Auftritt im Vorwahlkampf in Minneapolis vergangenen August mit der Presse.

          Wahlkampf in Amerika : Trump attackiert muslimische Abgeordnete

          Sie hasse Amerika, sagt der Präsident über die Amerikanerin Ilhan Omar, und greift auch noch die demokratische Gouverneurin von Michigan an. Joe Bidens Unterstützer setzen unterdessen auch auf Staaten, die eigentlich als sichere Bank der Republikaner gelten. Und Melania Trump hat ihren ersten Solo-Auftritt.

          Streit über Abtreibungsrecht : Tumult in Polens Parlament

          Seit fast einer Woche gibt es in Polen Demonstrationen gegen eine Entscheidung des Verfassungsgerichts. Der Fraktionschef der regierenden PiS-Partei spricht von Ähnlichkeiten zwischen Protest- und Nazisymbolen. Das sorgt für Aufruhr im Saal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.