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Eric Pfrunder gestorben : Er war Lagerfelds Vorarbeiter

Schauspielerin Virginie Ledoyen und Chanel-Mitarbeiter Eric Pfrunder auf der Lagerfeld-Gedenkveranstaltung „Karl For Ever“ am 20. Juni 2019. Bild: Karl For Ever

Jahrzehntelang prägte er das Image der Modemarke Chanel, er galt als einer der engsten Mitarbeiter Karl Lagerfelds. Nun ist Eric Pfrunder im Alter von 74 Jahren gestorben.

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          Wieder einmal war Karl Lagerfeld im Jahr 1987 unzufrieden mit einem seiner Mitarbeiter. Die Fotos für das Lookbook taugten alle nicht, meinte der Chanel-Chefdesigner, als er die Aufnahmen der neuen Kollektion sah. Da machte Eric Pfrunder, der als „Directeur de l‘ image“ bei Chanel für die Fotos zuständig war, einen guten Vorschlag: „Mach es doch selbst!“

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Seitdem fotografierte Lagerfeld die Lookbooks und Kampagnen des Modehauses selbst – und erarbeitete sich neben seiner Rolle als Chefdesigner auch noch eine Nebenbeschäftigung, die ihn immer mehr einnahm. Bis zum Tod des Modeschöpfers im Februar 2019, also mehr als 30 Jahre lang, versorgte ihn Pfrunder als Foto-Berater und graue Eminenz mit solchen guten Vorschlägen. Nun ist er im Alter von 74 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

          Schon von Weitem war Pfrunder als Mitglied von „Karl's family“ zu erkennen, wie sich Lagerfelds engste Mitarbeiter bei Chanel, Fendi und seiner eigenen Marke selbst nannten. Er war stets braungebrannt, trug Röhrenjeans, eine schwarze Jacke und dazu ein weißes Hemd mit hohem Kragen von Hilditch & Key – wie sein Chef, der die maßgeschneiderten Hemden für das Herrenmodegeschäft von der Rue de Rivoli in unendlich vielen Variationen selbst entwarf und Pfrunder jedes Jahr zum Geburtstag einen ganzen Packen davon schenkte.

          „Directeur de l‘ image“ – das klingt wie die Stellenbeschreibung für einen Frühstücksdirektor. Aber Pfrunder, der 1948 in Algerien geboren wurde und zunächst für die amerikanische Bademoden-Designerin Norma Kamali und den französischen Modemacher Emanuel Ungaro arbeitete, prägte jahrzehntelang das Image von Chanel. Er begann – wie Lagerfeld – im Jahr 1983 mit der Arbeit an der Rue Cambon. Und mit Lagerfeld sowie später dem Geschäftsführer Bruno Pavlovsky machte er dank Hochglanzpolitur aus einem recht verschlafenen Modehaus eine milliardenschwere Luxusmarke.

          Der Modeschöpfer war der „Heimarbeiter“

          Je stärker sich Lagerfeld in die Fotografie einarbeitete, desto mehr Arbeit hatte Pfrunder. Kein Fotoshooting, keine Ausstellung, keine Modenschau ohne ihn – sei es in Rom oder Havanna, in Tokio oder Dallas. Lagerfelds Buchhandlung und Fotostudio in der Rue de Lille 7 („7L“) wurde zu seinem zweiten Zuhause. Pfrunder war „der Vorarbeiter“, wie Lagerfeld den Franzosen im Spaß auf Deutsch nannte. Der Modeschöpfer selbst war der „Heimarbeiter“, denn er zeichnete meist zu Hause, und Gerhard Steidl, der in seinem Verlag in Göttingen viele Bildbände aus all den Projekten machte, nannte er den „Ausarbeiter“.

          Nach Lagerfelds Tod war auch für Pfrunder bei Chanel bald Schluss. Im Jahr 2021 ging er in den Ruhestand. Aber am Erbe arbeitete er weiter. Alle Rechte der Lagerfeld-Fotos liegen nicht etwa bei den mutmaßlich sieben Erben, auch nicht bei den Marken Karl Lagerfeld oder Chanel, sondern bei ihm. Daher war er mit Gerhard Steidl auch Kurator der Sonderausstellung „Karl Lagerfeld. Fotografie. Die Retrospektive“ im Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale), die im März 2020 eröffnet wurde und dann unter den Schließungen der Corona-Pandemie litt.

          Nun ist es an Pfrunders Kindern Candice, Tess und Jasper, das große fotografische Erbe Lagerfelds zu bewahren. Sie machen das gemeinsam mit dem Blockchain-Unternehmen Lukso. Denn Jasper Pfrunder hatte vor einiger Zeit Marjorie Hernández kennengelernt, die das Unternehmen 2018 mit Fabian Vogelsteller in Berlin gegründet hatte. In der Blockchain sind die Zehntausenden Bilder sicher aufbewahrt, als digitale Unikate.

          Die Nachricht vom Tod Eric Pfrunders kommentierte Chanel-Präsident Bruno Pavlovsky nun mit den Worten, er habe „sein sicheres und präzises Auge“ unermüdlich für Chanel eingesetzt und habe sein Wissen „großzügig mit dem Image-Team und der Modeabteilung“ geteilt. Sein Beitrag zu der Marke sei „immens“.

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