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Brautmode : Ein Kleid mit Tüll, aber bitte nicht tantig

Mit „Celia Dresses“, dem Namen ihres Geschäfts, ist Carey-Seulen eine von wenigen Frauen, die die verschlafene Brautkleid-Branche gerade aufmischen. In dem Frankfurter Altbau mit den rosafarbenen Wänden liegen Design-Einweg-Kameras neben schönen Gästebüchern, da liegen pink-weiß-gestreifte Strohhalme, „Save-the-Date“-Karten, Haarkränze und schmale Seidenkleider. „Kleider vom Typ Sahnebaiser oder Prinzessin sind einfach nicht mehr so dran. Die meisten Kundinnen suchen längst etwas anderes, das mag auch etwas mit Tüll sein, aber es muss zugleich zart aussehen, nicht so taftig“, sagt Carey-Seulen. Wer solche Schlagwörter in einem traditionellen Brautladen fallenlässt, bekommt hingegen oft das Gegenteil gezeigt. „Viele sagen dann: ,Aber das ist unser Bestseller‘“, erzählt sie. „Aber es ist ja trotzdem vielleicht nicht das, was ich suche. Dann fühlt man sich so belehrt.“

Es geht auch moderner: Anprobe im Laden „Celia Dresses“; der überwiegende Teil der Branche scheint derweil noch im Dornröschenschlaf zu stecken.

Sie selbst fragt deswegen immer zuerst, wo die Hochzeit gefeiert wird, und erst dann, wie und was sich die Kundin als Kleid dafür vorstellt. „Viele heiraten heute draußen oder in einer Scheune oder auf dem Bauernhof.“ Und immer mehr Frauen suchen für solche Gelegenheiten Kleider, in denen sie zwar als Bräute zu identifizieren sind, aber trotzdem nicht verkleidet aussehen.

Alternative Kleiderentwürfe, fließende Silhouetten

So ist das Berliner Designerlabel Kaviar Gauche einer verblüffenden Anzahl an jungen Frauen ein Begriff, auch wenn die sonst überhaupt nichts mit Mode am Hut haben. Der Grund: Sie haben in einem Brautkleid von Kaviar Gauche geheiratet. Rund 50 Prozent des Gesamtumsatzes mache die Brautlinie des Berliner Labels heute, nach sieben Jahren, aus. Und auch hier stand am Anfang der Bedarf. „Die ersten Hochzeitskleider waren in vanilligem Ton oder in Champagner“, sagt Johanna Kühl, eine der zwei Kaviar-Gauche-Gründerinnen. Die Entwürfe trugen zunächst nicht Bräute, sondern Stars auf dem roten Teppich. Anschließend kamen dann Kundinnen, die in solchen Kleidern heiraten wollten.

Auch Kühl spricht von alternativen Kleiderentwürfen und von fließenden Silhouetten. Wer sich einmal in den hübsch zurechtgemachten Braut-Ecken der Kaviar-Gauche-Läden in Berlin und München umschaut, bekommt den Eindruck, dass man – anders als in vielen traditionellen Brauthäusern – für ein Hochzeitskleid nicht unbedingt größer als 1,70 Meter sein und schmale Schultern haben muss, sondern dass hier jedes Kleid andere Stellen des Körpers betont, weil die Modelle so unterschiedlich aussehen wie in einer Prêt-à-porter-Kollektion und eben nur zufällig alle elfenbeinfarben sind.

Interessanterweise passen diese neuen coolen Hochzeitskleider, die eher mit den Traditionen spielen, als sie streng zu befolgen, damit nicht nur modisch in unsere Zeit;, sie entsprechen auch dem ursprünglichen Gedanken eines Brautkleides. „Das weiße Brautkleid entstand um 1800“, sagt die Mode- und Kulturhistorikerin Claudia Gottfried vom Industriemuseum Ratingen. „Damals musste es nicht weiß sein, es war einfach weiß, weil das zu der Zeit die Modefarbe war. Weiß war damals Trend, also hat man so ein Kleid auch zur Hochzeit getragen.“ Erst rund dreißig Jahre später, als sich das Bürgertum als gesellschaftliche Führungsschicht etablierte und bürgerliche Tugenden wie Reinlichkeit, Sauberkeit und Pünktlichkeit wichtiger wurden, begann man zu überlegen, welche Farbe als reinlichste zu einem Hochzeitskleid passt. „Und das ist eben Weiß“, sagt Gottfried.

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