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Weitermachen: Kollektion von Victoria Beckham Bild: AFP

London Fashion Week : Keep chic and carry on

Natürlich muss die Londoner Modewoche im Zeichen des Brexits stehen. Den Luxusmarken des Landes macht er schon jetzt zu schaffen - obwohl die wenigsten das zugeben.

          Die Mäntel auf dem Laufsteg von Richard Malone sind rot und blau, mal überwiegt rot, mal blau. Sie erinnern den irischen Designer an seine Kindheit. Zum Studium 2011 kam er nach London, das Vereinigte Königreich war aber schon von seiner Heimat im Osten Irlands aus nie weit entfernt. Deshalb war die Welt damals für den Jungen zu einem gewissen Teil rot und blau. Die Unionisten, die für den Verbleib Nordirlands im Königreich und meistens Protestanten sind, gehören noch heute zum roten Lager. Die Nationalisten, die ein vereintes Irland anstreben und mehrheitlich Katholiken sind, zum Blauen. „Diese Farben waren früher für uns wichtig, und sie sind es noch immer“, sagt Richard Malone nach seiner Schau. „Mit den Farben zeigte man, wogegen man war, das war mir stets bewusst.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Richard Malone könnte solche Farbspiele, die mehr mit Ausdruck von Protest als mit Mode zu tun haben, jetzt hinter sich lassen. Vor zwei Jahren berücksichtigte ihn das MoMa in New York als einen der wenigen Jungdesigner in der ersten Modeausstellung des Museums seit 73 Jahren. Richard Malone ist dabei, in London eine Luxusmarke aufzubauen. Aber der Brexit zwingt ihn, nun trotzdem sein Konzept zu überdenken: „Es ist immerzu in meinem Kopf.“ Das Rot und Blau der Vergangenheit holt ihn als Iren ein in diesen Monaten, da der künftige Umgang mit der Grenze zwischen seinem Land und seiner Wahlheimat ungeklärt bliebt, da Richard Malone strategisch an die Zukunft denken muss. Als EU-Bürger wäre da für ihn persönlich die Frage des Antrags auf Settlement-Status. 

          Was macht der Brexit mit den Modeunternehmen?

          Für die Art, wie er seine Marke künftig führen kann, ergeben sich noch ein paar mehr. Denn so wie für alle Unternehmen in diesem Land, ist der bevorstehende Austritt auch für die Designer und auch bei dieser London Fashion Week das bezeichnende Thema. Von vergangenem Freitag bis Dienstag dieser Wochen zeigten die Modemacher hier ihre Kollektionen für den kommenden Herbst. Was die Luxuskunden mit Hang zu experimentelleren Marken, wie es in London besonders viele gibt, dann theoretisch tragen sollen, wäre insofern geklärt. In welchem Zustand aber das Land zu diesem Zeitpunkt sein wird, ob sich die Stücke im Falle eines harten Brexits reibungslos produzieren und verkaufen lassen, und zu welchen Konditionen, ist völlig offen. 

          Kein Mensch weiß etwa, was es dann kostet, die Stoffe, die häufig aus Italien kommen, zu importieren. Oder ob die vielen EU-ausländischen Näher und zahlreichen Praktikanten bald noch hier arbeiten werden dürfen. Oder wie hoch die Zölle später auf den Export sind. Oder ob die ebenfalls betroffenen Kunden im eigenen Land als erstes ihre Luxusausgaben streichen könnten. Natürlich, auch internationale Marken eröffnen hier weiterhin Läden, es gibt in dieser Woche diverse Designer-Debüts. Wahrscheinlich wird der Brexit trotzdem einige die Existenz kosten. Die ersten modefernen Unternehmen hat es ja schon getroffen, die Fluggesellschaft BMI, den Londoner Promi-Fitnessclub Grace Belgravia, Mitgliedschaft 5.500 britische Pfund im Jahr. Am Montag schließt er mit dem Satz: „Ein Wort erklärt warum – Brexit.“

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