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Besuch bei Boss-Designer Jason Wu : Der Transatlantiker

Nicht, dass es in Arbeitswut ausartet. Über Weihnachten hatte er zehn Tage frei. „Zehn Tage! Es war so langweilig! Ich habe jedem Mails geschrieben, und kaum einer hat geantwortet – schrecklich.“ Immerhin war Christine Pesch an Heiligabend über das Netz in transatlantischer Verbundenheit virtuell bei ihm.

Was will der Designer uns sagen mit seiner ersten Kollektion, die er am kommenden Mittwoch um 14 Uhr an der 55. Straße von Manhattan präsentiert? Jason Wu lässt die Bilder seines ersten Lookbooks ausdrucken. Gestern Abend um halb elf Uhr sind sie erst fertig geworden. Bisher wurden die Kollektionen im Studio fotografiert. Dieses Mal war der Weg nicht so weit. Jason Wu gefielen die Betonwände und die Bäume zwischen der Boss-Rezeption und dem Fitnessraum so gut, dass nun ein paar junge Bäumchen einen schönen Hintergrund bieten.

Abstrakt florale Muster wirken für Boss beherrscht

„Begonnen habe ich beim Zentrum dieser Marke, den Männern. Erfolg, Männlichkeit, Disziplin, Präzision habe ich in relevante Damenmode übersetzt.“ Auf gut amerikanisch: „No frills. Quite sharp. Definite sensibility. Ich mache hier keine überkandidelten Abendkleider, sondern präzise geschnittene Hosenanzüge, einen perfekten Kaschmirmantel und ein ganz simples Baumwollhemd, entwickelt aus den Männersachen.“

Die technischen Vorteile des Männermode-Betriebs nimmt er gerne mit. Seine erste Handtasche – sie heißt, global verständlich, „Berlin“ – hat er mit der Fabrik in Scandicci bei Florenz entwickelt. Der Damen-Loafer der Kollektion stammt aus der Herrenschuh-Fabrik in Italien. Das dominierende Muster (siehe Entwurfszeichnung) spielt auf das Bauhaus an. Elsworth Kelly und Josef Albers stehen Pate. Blumen als Webmuster brechen die Geometrie, so dass es nicht nur stark wirkt, sondern auch feminin. Der Unterschied zu seiner eigenen Marke: Seine Blumen sind wild, die abstrakt floralen Muster für Boss wirken beherrscht. Am Ende wird wieder ein Kleid über den Laufsteg gehen, das vom Anzug inspiriert ist. Auch da schließt sich ein Kreis.

Spielt auf das Bauhaus an: Entwurfszeichnung von Jason Wu

Die seltsame Geschichte von der Globalisierung hat auch mit dem ungeheuren Wachstum des Luxusmarktes zu tun. Wie kommt man da noch an die besten Stylisten, Models, Fotografen? Jason Wu bringt als New Yorker sehr gute Beziehungen mit, Metzingen liefert das Geld dazu. Edie Campbell ist das Kampagnen-Model und wird auch die Schau eröffnen: „Die richtige Muse“, meint Jason Wu. „Sie ist das Mädchen, das jedes andere Mädchen sein möchte, spannend, modern und gebildet.“ Das Styling übernimmt Joe McKenna, den Kampagnenfilm (von diesem Samstag an auf der Boss-Seite zu sehen) drehten Inez & Vinoodh im Haus von Philip Johnson in Connecticut. Da stimmt jeder Name.

Seiner auch. Endlich hat Boss den Mut (das ist der zweite Punkt), Gesichter in den Vordergrund zu rücken. Bislang sollte kein Designer die Marke überstrahlen. Da bringt man sich natürlich um wichtige Marketing-Effekte. Und das schönste: Jason Wu, der die ganze Welt erreichen soll, vor allem natürlich Asien und Amerika, wird die Marke nicht einmal überdehnen. „Ich war noch nie Avantgarde“, meint er. „Ich will Kleider entwerfen, die Frauen tragen wollen und können.“ Wann hätte man einen solchen Satz von einem europäischen Modemacher gehört?

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