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Besuch bei Boss-Designer Jason Wu : Der Transatlantiker

Man muss von dieser Begeisterung gedanklich ein paar Prozent abziehen. In New York reden sie dauernd so. Und Jason Wu ist im Umgang mit den Medien äußerst geschickt, seitdem er vor genau fünf Jahren seinen Durchbruch hatte – als nämlich Michelle Obama am Abend des 20. Januar 2009 auf dem Inauguration Ball in einem tollen „one shoulder dress“ von Jason Wu mit ihrem Mann Barack Obama in dessen erste Präsidentschaft tanzte.

Extrem fleißig und kundenorientiert

Aber Jason Wu muss sich auch nicht verbiegen. Das merkt man schon daran, mit welchem Einsatz er hier in Metzingen mit einem Dutzend Designern für „Boss Woman“ arbeitet – noch auf dem gleichen Stockwerk mit den Designern der Linien „Orange“ und „Hugo“. „Er hat ein Auge, wie ich es noch bei keinem Designer gesehen habe“, sagt Christine Pesch, „Brand & Creative Director“ bei Boss Woman, also gewissermaßen seine Stellvertreterin auf Erden. „Er ist nah dran, unglaublich fleißig und keine Diva.“

Das ist schon der erste Punkt. Claus-Dietrich Lahrs könnte, wenn er denn wollte, aus seiner Dior-Zeit viele Anekdoten über John Galliano erzählen. Die Diven der Branche rauben den Managern den letzten Schlaf. Jason Wu dagegen gehört zu einer Generation pragmatischer asiatischstämmiger Modemacher in Manhattan. Sie alle – Thakoon Panichgul, Derek Lam, Phillip Lim, Alexander Wang – haben den Ruf, extrem fleißig und kundenorientiert zu sein. Daher schließt sich der globale Kreis von Taipeh bis Metzingen schon jetzt, denn diese Werte gelten natürlich auch hier oben in Schwaben. „Ich bin extrem gut organisiert, und das passt“, meint Wu. „Ich muss es auch sein, weil ich zwei Teams führen muss.“

Genauer gesagt sogar drei: Denn außer dem Studio seiner eigenen Marke in New York und dem Atelier in Metzingen stellt ihm Boss in Manhattan ein Atelier zur Verfügung, ebenfalls eingerichtet von der deutschen Marke e15, so dass er sich wie in Metzingen fühlt. Seine acht Designer dort kümmern sich um Projekte wie das Celebrity Dressing und um die Schauen, denn die werden nun in New York stattfinden: „Die ganze Welt muss es sehen. Wir müssen da sein, wo die Big Boys sind.“

Langeweile über Weihnachten

Wenn sich der Raum weitet, wird die Zeit knapp. Also ist Organisation gefragt. Einmal im Monat nimmt er am Sonntagabend in New York den Direktflug nach Stuttgart, trinkt ein Glas Wein, schläft, landet und ist am Montag als einer der Ersten im Büro. Abends geht er ins Hotel „Schwanen“ in Metzingen, immer dasselbe Zimmer, und hackt bis Mitternacht Mails in seinen Laptop an die Mitarbeiter von „Jason Wu“ in New York, die dann im Büro sitzen. Am Samstag geht es zurück nach Hause. Auch dort nutzt er den Zeitunterschied aus: In Manhattan steht er um 6.30 Uhr auf, schreibt Mails an Metzingen, fährt ins Boss-Studio und arbeitet dort bis Mittag, wenn in Schwaben der Feierabend naht. Dann wechselt er bis abends ins Jason-Wu-Atelier. „Ja“, sagt er ohne Bedauern, eher mit Stolz in der Stimme, „so haben meine letzten sechs Monate ausgesehen. Jeder fragt: Warst du schon im Outlet in Metzingen? Da war ich noch nie.“

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