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Carl Philip von Schweden : Prinz & Partner

Bernadotte & Kylberg: Auf den ersten Blick ein ungleiches Team. Doch Carl Philip, der schwedische Prinz (links) und Oscar Kylberg haben beide Design studiert – und beide haben kreative Vorfahren. Bild: Urban Jörén

Carl Philip kennen viele aus der Regenbogenpresse. Was sie nicht wissen: der schwedische Königssohn ist auch Designer – und entwirft mit einem Freund Bettwäsche, Daunenjacken und Vasen.

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          Es begann vor zwölf Jahren. Einen Tag vor Heiligabend sollte der 60. Geburtstag Ihrer Majestät, Silvia von Schweden, gefeiert werden. Schon am Vorabend wurde ihr zu Ehren in der Königlichen Oper in Stockholm Tschaikowskis „Nussknacker“ gegeben. Das musikalische Tanzereignis erschien als CD, an der auch der Sohn der Königin beteiligt war. Carl Philip, damals 24 Jahre alt, begann gerade seine Karriere als Soldat in der königlichen Marine. Dass er das Cover der CD für seine Mutter mitgestalten durfte, wäre wohl nur eine Randnotiz in der Boulevard-Presse geblieben, wenn er nicht zugleich Oscar Kylberg getroffen hätte, der seither sein Wegbegleiter ist. Heute sind die beiden ein Team und haben als Designer in ihrem Stockholmer Studio Bernadotte & Kylberg schon einige erfolgreiche Produkte entworfen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ihr neuestes Werk ist eine ganze Kollektion von Schalen und Vasen für den dänischen Hersteller Stelton. Bernadotte und Kylberg ließen sich bei ihrer Arbeit, wie so viele skandinavische Designer, von der Natur ihrer Heimat inspirieren. In „Stockholm Aquatic“ spiegeln sich die schwedischen Schären wider. Auf den eleganten Behältnissen, die aus Aluminium und Emaille bestehen, verschwimmen blaue Muster wie Tusche auf zu feuchtem Papier. „Wir beide wuchsen am Wasser auf“, sagt Carl Philip Bernadotte. „Wir lieben das Meer und Wassersportarten.“ Da zudem Stockholm, wo sie leben und arbeiten, und Kopenhagen, wo Stelton seinen Unternehmenssitz hat, am Meer liegen und Schweden und Dänemark zudem durch Wasser getrennt sind, sei Wasser für sie auch ein verbindendes Element. „Uns begeistert, dass das Meer nie gleich aussieht, es wandelt sich ständig.“ Genau das wollten die beiden ins Emaille ihrer Kollektion übertragen. So ist jedes Stück ein Unikat, denn jedes Stück wird von Hand gefertigt.

          „Wir fühlen uns wie eine Person mit vier Augen“

          Bernadotte, geboren 1979, und Kylberg, Jahrgang 1972, haben Grafikdesign an der Forsbergs Skola in Stockholm studiert. Das auf den ersten Blick so ungleiche Paar hat überhaupt viel gemeinsam. Beide tragen einen großen Namen, beiden liegt das Kreative im Blut. Carl Philips Großonkel war ein bekannter schwedischer Designer: Auch Sigvard Bernadotte (1907 bis 2002), der wie Carl Philip eine Zeitlang auf Platz drei in der schwedischen Thronfolge stand, arbeitete mit einem anderen Designer zusammen, Acton Bjørn. Von Bernadotte & Bjørn, wie sie sich nannten, stammt unter anderem ein Haushaltsprodukt, das sich bis heute fast in jedem auch deutschen Haushalt findet: die Rührschüssel „Margrethe“ aus Melamin. Sigvard Bernadotte benannte das gute Stück, das in Deutschland vor allem von Dr. Oetker vermarktet wurde und sich besonders für elektrische Handrührgeräte eignet, nach seiner Nichte, der heutigen Königin von Dänemark, die zugleich Carl Philips Patentante ist.

          Oscar Kylberg wiederum ist der Nachfahre einer weit verzweigten Künstlerfamilie, deren bekanntestes Mitglied Kylbergs Urgroßvater ist, der Maler Carl Oscar Kylberg (1878 bis 1952). Eines seiner berühmtesten Gemälde nennt sich „Die Heimkehr“. Es hängt im Kunstmuseum in Göteborg und zeigt ein Segelschiff, das auf einem orangeroten Meer vor gelbem Himmel auf den Betrachter zufährt.

          Auch in ihrer Arbeitsweise scheinen sich Bernadotte & Kylberg zu ähneln. „Wir fühlen uns wie eine Person mit vier Augen“, sagen die beiden. Sie nehmen sich viel Zeit für ihre Entwürfe, an „Stockholm Aquatic“ haben sie fast drei Jahre gearbeitet. Der kreative Prozess beginnt stets mit Zeichnungen, oft nähern sich ihre Ideen schon nach kurzer Zeit an. Dabei sitzen sie sich gegenüber, diskutieren und experimentieren. Zum Beispiel mit Tinte, Papier und Wasser. So entstand das Dekor ihrer Vasen und Schalen.

          Im Juni wird wieder über den Playboy berichtet

          Das Studio gründeten sie 2012. Ihre erste gemeinsame Arbeit war „Svenska Djur“ (Schwedische Tiere) für die Gustavsbergs Porslinsfabrik. Danach bekamen die beiden den Auftrag, Daunenjacken zu entwerfen. Ove Sundberg von der Firma A-One suchte vor zweieinhalb Jahren den Kontakt zu den Designern. Denn das Stockholmer Unternehmen, das seit 1977 zu einem der größten Sportbekleidungshersteller im hohen Norden wurde, verbindet eine besondere Geschichte mit dem Haus Bernadotte: Bei den Olympischen Spielen in Lake Placid trug die schwedische Mannschaft Jacken von A-One, und auch König und Königin erschienen 1980 erstmals in der knallgelben Daune. Bernadotte & Kylberg entwickelten nun aber Jacken und Mäntel, die nicht nur für die Skipiste, sondern auch für die Straße gedacht sind. „Urban elegance“ nennt Sundberg die Kollektion. Die Einzelteile heißen zum Beispiel „Monte Carlo“, „Calais“ und „Notting Hill“.

          Doch der einstige Kronprinz von Schweden, der nach der Änderung des Thronfolgegesetzes 1980 für seine ältere Schwester Victoria als künftige Königin seinen Platz räumen musste, hat auch schon ohne Oscar Kylberg sein Designtalent bewiesen. Für Gense hat er „CPB 2091“ entworfen, ein Besteck aus reinem Silber. Die Messer, Gabeln und Löffel sowie der dazugehörende Trinkbecher, die seine Initiale tragen, sind als moderner Klassiker bereits Teil des Nationalmuseums Design im Kulturhuset Stadsteatern von Stockholm. Damit folgte Carl Philip 2009 einer Tradition, die sein Großonkel fast 80 Jahre zuvor begonnen hatte: Sigvard Bernadotte arbeitete seit 1930 als Silberdesigner für die dänische Firma Georg Jensen.

          Doch all das wird schnell vergessen sein, wenn Carl Philip im Juni das einstige Model Sofia Hellqvist heiratet. Dann werden die Zeitungen wahrscheinlich wieder nur über den königlichen Playboy aus Schweden berichten, den einstmals begehrtesten Junggesellen Europas, den Prinzen, der schnelle Autos und schöne Frauen liebt.

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