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Berliner Modewoche – Tag 4 : Wenigstens die Alpakas haben freien Lauf

  • -Aktualisiert am

Erkenntnis am vierten Tag der Fashion Week: Hier gibt es wirklich Modemenschen, die auf Langlebigkeit setzen. Wunderschön! Alle anderen bleiben leider kurzatmig.

          Wenn die Berliner Modewoche so zu Ende geht! Mit einer Karte für die Schau von Isabell de Hillerin ist man zwar immer auf der sicheren Seite, selbst wenn sie im Festzelt am Brandenburger Tor zeigt, aber an diesem Donnerstagmorgen, dem letzten Tag der Fashion Week, könnte man sich in Berlin tatsächlich an kaum einen besseren Ort wünschen. Auf dem Laufsteg präsentiert de Hillerin Mode in ihrer schönsten Form.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Designerin, die in München mit rumänischen Wurzeln geboren wurde, arbeitet längst mit Handwerksbetrieben aus dem Land ihrer Vorfahren und aus Moldawien zusammen, und auch diese Mal ziehen sich ihre folkloristischen Häkeleien als Borte durch die Kollektion, wie Schmuck. Aber neben den alten Handarbeitstechniken geht es der Modemacherin jetzt um mehr: um Langlebigkeit. Dazu hat sie ihre Stücke bis ins Detail verfeinert. Der Kragen eines Trenchcoats ist sanft abgerundet, die Gürtel sitzen halb unter, halb über dem Stoff, sodass sie beiden schmeicheln, der Taille und dem Kleidungsstück. „Dass man Qualität schätzt, dass man weiß, wo ein Kleidungsstück herkommt und wer es gefertigt hat, statt sich etwas zu kaufen und es dann in die Ecke zu schmeißen“, resümiert Isabell de Hillerin nach der Schau. In Rumänien gibt es dafür sogar ein Sprichwort: Să-l porți sănătoasa. „Man wünscht dem anderen viel Spaß dabei, etwas zu tragen.“

          Auf dem Laufsteg präsentiert die Designerin Isabell de Hillerin Mode in ihrer schönsten Form. Bilderstrecke

          Wer weiß, ob man dieses Sprichwort auch im Nachbarland Ungarn kennt, aber zumindest scheinen die drei Designer des Labels Use Unused mit dem gleichen Motiv an die Arbeit gegangenen zu sein: Spaß. In Berlin präsentiert die Marke aus Budapest zum ersten Mal, aber leider macht es, im Gegensatz zur Schau von Isabell de Hillerin, höchstens halb so viel Spaß hier zuzuschauen. Dabei fängt alles gut an, mit einer Serie Mäntel, der schönste ist rosa und mit blassen Kreuz- und Hashtag-Motiven bestickt. Nur franst die Kollektion anschließend in alle Richtung hin aus, zum Sommer mit leichten Seidenteilen in hellen Farben, zu einer schlechten Kopie der Stella-McCartney-Resort-Kollektion von vor einem Jahr mit etlichen bunten aufgestickten Motiven auf den Kleidern, zum Winter, wie er im Buche steht mit einem groben Stichbild in Schwarz-Weiß. „Mütterlich“, raunt jemand im Publikum – in Berlin ein vernichtender Kommentar.

          Da kommt Margit Peura aus Finnland und Designerin von Whitetail schon besser weg. Sie hat ihren Job als Ärztin an den Nagel gehängt und sich dem Modestudium zugewandt, nun präsentiert sie die erste Kollektion in Berlin. Aber warum ausgerechnet hier und nicht etwa in Kopenhagen, wo sich ein etablierter Markt für skandinavische Mode gebildet hat? „Ich mag den spirit der Stadt. Berlin ist international und größer. Und Deutsche sind den Finnen sehr ähnlich, wenn es um ethische Verantwortung geht.“ Margit Peura will ökologisch einwandfreie Kleidung produzieren. Das ist einer der Gründe, warum sie jetzt in der Mode ist. „Ich will etwas verändern in der Branche“, sagt sie. Ihr Motto: Einfachheit. Noch sind nicht alle Stoffe aus einwandfreier Herstellung verfügbar, klagt sie. Aber die Wolle der Alpakas, die sie für die meisten Teile verwendet, stammt zumindest schon mal von Tieren, die in den peruanischen Bergen das ganze Jahr frei herumlaufen dürfen. Um sich davon zu überzeugen, ist Margit Peura eigens nach Südamerika geflogen.

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