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Berliner Modewoche – Tag 3 : Herbstkollektionen und Frühlingsgefühle

Kaviar Gauche zeigt filigrane Couture im Palazzo Italia Bild: dpa

Schon dreht sich alles weiter: Die Fashion Week erlebt unvermutet einen Tag mit vielen Höhepunkten.

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          Nur eines der vier Galvan-Mädchen ist heute verhindert. Die anderen drei, Katherine, Anna und Sola, sind aus gleich drei Ecken der Welt angereist, um am Mittwoch im Quartier 206 ihre Abendkleider zu präsentieren. Vor einem Jahr gründeten sie ihr Label zwischen Los Angeles, London und Düsseldorf, jetzt hängen ihre Kleider schon in den besten Läden, etwa bei Bergdorf Goodman in New York, Matches in London oder eben dem Quartier 206 in Berlin. Es sind Stücke ohne allzu viel Dekor. Dazu meint Katherine trocken: „Applikationen sind teuer.“

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die vier halten die Preise stets etwas niedriger, als man es von Designer-Abendkleidern erwarten würde. Das klappt gut; „bei Bergdorf teilen wir uns die Etage mit den ganz großen Designhäusern“. Nur sind die Galvan-Kleider eben ein gutes Stück günstiger und überraschen mit Farben und Drucken, die man nicht unbedingt in der stets ein bisschen prätentiösen Abendmode erwarten würde. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Kleid in Seegrün aus der neuen Kollektion? Oder mit einem Muster, das an Kuhflecken erinnert?

          Ein Tag der Talente

          Wer noch am Anfang der Woche daran zweifelte, dass die Berliner Modewoche keine jungen internationalen Talente zu bieten hat, den überrascht dieser Mittwoch. Neben Galvan sind auch die Designerinnen des Labels Capara von Antwerpen nach Berlin gekommen, um hier zum ersten Mal überhaupt eine Laufsteg-Schau zu inszenieren. Ihre Erfahrungen sammelten sie bei Dries van Noten, Jil Sander (unter Raf Simons) sowie Maison Martin Margiela, was kaum zu übersehen ist. Vera und Olivera Capara, Zwillinge, die man nicht nur wegen der ähnlichen Vornamen schwer auseinanderhalten kann, arbeiten mit bunten grafischen Mustern auf Stücken, die bewusst die Silhouette verfremden. Mal sind die Säume asymmetrisch, mal verwenden die Zwillinge besonders dicke Stoffe, wie zum Beispiel Neopren. Ihre Mäntel sind zum Verkriechen, und die Foulards haben sie den Models bis zur Nase hochgezogen – sie treten im Palazzo Italia gewissermaßen Capara-maskiert auf.

          Hien Le: eine Kollektion, die an Arbeitskleidung angelehnt ist Bilderstrecke

          Der Mittwoch ist also der erste Tag nach der Katerstimmung in Berlin. Starke Schauen bestimmen das Bild, es beginnt früh am Morgen mit Dorothee Schumacher, die schon um acht Uhr ihre gute Laune auf die Models und Mitarbeiterinnen backstage überträgt. Sogar hinter der Bühne, wo die Make-up-Frauen an den Mädchen arbeiten, verbreiten riesige Blumensträuße Frühlingsstimmung. Dorothee Schumacher, die sich nun auch durch ihren Vornamen im Markennamen ihrer Individualität versichert, zeigt nicht mehr im Zelt – und schon blüht die Atmosphäre noch besser auf, selbst wenn man für die Schau insgesamt fünf Tonnen Ausstattung in den ersten Stock der Villa Elisabeth an der Invalidenstraße schleppen muss.

          Auf der Bühne dann die wohl stärkste Kollektion der Woche: mit hoher Taille und einer schwingenden A-Linie, mit abstrahiert floralen Mustern und herbstlich gedämpften Tönen, mit einem geschickten Materialienmix vom Pony- bis zum Lammfell und vom Wollkleid bis zu ledernen  Bikerdetails. Der Expansion nach Amerika, die Dorothee Schumachers Sohn Max mit vorantreibt, steht mit solchen Looks nichts mehr entgegen.

          Am Mittwoch ist der neue Frühling der Berliner Mode überall zu spüren. Die „Textilwirtschaft“, eigentlich durch Nüchternheit bekannt, titelt online: „Begeisterung in Berlin“. Zitat: „So viel Euphorie herrschte lange nicht mehr. Einhellige Begeisterung bei allen Messeveranstaltern, bei Händlern und Ausstellern über die drei Messetage in Berlin.“ Im Berliner Modesalon im Kronprinzenpalais setzt sich die gute Stimmung fort. Da zeigt zum Beispiel Hien Le eine Kollektion, die an Arbeitskleidung angelehnt ist. Blusen, Jacken, Bundfaltenhosen, von Camel bis Beige, von Grau bis Zartrosa. Ein Overall ist ein Yves-Klein-Blau-Mann. Hien Le ist mit seinen Basics eine sichere Bank in der Berliner Mode. „Sieht aus wie Cos“, meint ein Gast. Aber das ist ungerecht. Denn die witzigen Bündchen, die gut kontrastierten Farben und die handbemalten Röcke und Oberteile zeigen eine eigene Handschrift.

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