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Berliner Modewoche : In Deutschland sieht es mit der Mode mau aus – oder?

  • -Aktualisiert am

Kollektion der deutschen Nachwuchsdesignerin Regina Weber: Finalistin des Modepreises beim „Féstival de Hyères“ im April Bild: EPA

Die Berliner Modewoche startet. Die meisten heimischen Designer versuchen ihr Glück aber lieber im Ausland. Woran liegt das?

          An diesem Dienstag beginnt in Berlin die Modewoche, auf der bis Samstag die Kollektionen für Frühjahr und Sommer 2019 präsentiert werden. Für viele Deutsche in der Modeindustrie hat aber nicht die Fashion Week Berlin, sondern der Weg ins Ausland die beste Aussicht auf Erfolg. Aufstrebende Nachwuchsdesigner wie Regina Weber, die in diesem Jahr zu den Finalistinnen des renommierten Modepreis beim „Féstival de Hyères“ gehörte, oder Nam Nguyen, der mit seinem Projekt Standardclothing vom T-Magazin der „New York Times“ zu einem der aussichtsreichsten Jung-Designer gekürt wurde, zieht es erst mal nach Paris. Sie fangen bei den großen Couture-Häusern an.

          Aber auch ein Blick in den Kalender der Berliner Modewoche zeigt: Selbst in Deutschland ansässige Modemarken, die internationale Wellen schlagen, bleiben oft nicht daheim. Auf dem Programm, das sich im Vergleich zu den vergangenen Saisons merklich ausgedünnt hat, sind kaum ein Dutzend nennenswerter Punkte: Defilees von Lutz Huelle, Odeeh und William Fan, die Gruppenpräsentation des Berliner Salons, der Vogue Salon. Immerhin hat es Hugo nach dem Abgang des Kreativdirektors Jason Wu wieder nach Deutschland verschlagen. Der Fashion Council Germany, die noch junge Lobby für die deutsche Mode, richtet einen Empfang im Kanzleramt mit Staatsministerin Dorothee Bär aus.

          Als die Berlin Fashion Week 2007 ins Leben gerufen wurde, sollte sie ein Fenster in das kreative Potential der hiesigen Modeindustrie werden. Aber was in dieser Woche passiert, ist mitnichten repräsentativ für die deutsche Mode. Schon zu Beginn haben die – damals wirklich noch großen – deutschen Modehäuser wie Escada, Hugo Boss, Strenesse oder Rena Lange nicht gemeinsam an einem Strang gezogen, um das Potential des Standorts auszuschöpfen.

          Immer wieder gab es Hoffnungsträger, die sich hier zeigten und wieder verschwanden: Achtland, Augustin Teboul, zuletzt Perret Schaad. Trotz anfänglicher Erfolge fehlte den jungen Designern eine wirtschaftliche Infrastruktur, die sie mit Mode-Managern, Investoren, Produzenten und Händlern verknüpft. In anderen Ländern hätten sie sich vielleicht ganz anders entwickelt.

          Längst international orientiert

          Und während in der Hauptstadt seit nunmehr einer Dekade nach der richtigen Richtung gesucht wird, haben sich die erfolgreichsten Akteure abseits des heimischen Laufstegs längst international orientiert: Ottolinger, die auch für Kanye Wests Linie Yeezy entwerfen, zeigten in London, New York und Paris. GmbH und Dumitrascu debütierten in Paris und sind nach wenigen Saisons in den offiziellen Kalender der französischen Modewoche aufgenommen worden. Ihre Ateliers haben sie nach wie vor in Berlin.

          Diese Labels verbindet nicht nur die Flucht in die Ferne, sondern auch ein Hang zur ästhetischen Disruption, die sich in eklektischen Mischungen aus Luxus und Straßenkultur in jeweils ganz eigener Formsprache mit Elementen aus Musik und Kunst mischt. Genau das, was international mit Berlin verbunden wird und bei internationalen Kritikern und mutigen Händlern gleichermaßen anschlägt, auf Berliner Laufstegen aber vergebens gesucht wird.

          Ist Kameras gewohnt und empfängt im Kanzleramt: Staatsministerin Dorothee Bär

          Ebendiese Mischung aus Luxus und Straßenkultur hat Highsnobiety und 032c (beide in Berlin ansässig, beide englischsprachig) zu wichtigen Stimmen in der Mode gemacht. Highsnobiety wurde von David Fischer 2005 als Online-Plattform gestartet, die über Sneaker, Sportswear und Graffiti berichtete, und, wie er sagt, „zur richtigen Zeit eine Marktnische mit der Kombination aus High und Low erwischt hat“.

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