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Berliner Modewoche : „Eine zweite Chance für Berlin“

Ein Model bereitet sich am Montag in einer Kreation der deutschen Designerin Elisa Kley, Teilnehmerin des Nachwuchsawards „Designer for Tomorrow“, auf die Berliner Modewoche vor. Bild: dpa

Die Fanmeile verhindert in diesem Jahr den großen Auftritt am Brandenburger Tor. Da freut sich die Modewoche umso mehr über unvermuteten Zuspruch aus dem Ausland.

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          „Mode kennt keine Grenzen“, sagt Kimberly Marteau Emerson. Das ist in diesem Fall keine Plattitüde, sondern ein Bekenntnis. Sie wolle, sagt die Frau des amerikanischen Botschafters vor der Berliner Modewoche, die an diesem Dienstag beginnt, „kreative Ideen zur Förderung von Nachhaltigkeit unterstützen und die kulturelle Partnerschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten hervorheben“.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Die Mercedes-Benz Fashion Week, die Messen Premium und Panorama sowie Hunderte Berliner Designer freuen sich über solche Worte. Denn der Botschafter John B. Emerson und seine Frau nutzen die Veranstaltung „Sustainability and Style“ in dieser Woche nicht nur dafür, frohe Botschaften kundzutun – sondern auch, um gemeinsam mit „Vogue“ und „Fashion Council Germany“ (FCG) amerikanische Firmen wie Tommy Hilfiger oder Calvin Klein Jeans mit den deutschen Designern Benu Berlin, Haltbar, Vladimir Karaleev und Nobi Talai zusammenzubringen.

          Designer René Storck macht jetzt auch Mode für Männer.

          „Die Designer recyceln Kleidungsstücke aus Denim, geben ihnen ihren ganz eigenen Look und werben so gleichzeitig für Upcycling und nachhaltige Mode“, sagt Kimberly Marteau Emerson. Sie ist sich sicher, „dass die Firmen von den kreativen und durchdachten Konzepten der jungen Designer diesseits des Atlantiks beeindruckt sein werden“.

          Weniger öffentlichkeitswirksame Präsentation

          Das wäre zu hoffen, denn in Deutschland zeigen sich noch viele Einzelhändler, Journalisten und Kunden äußerst reserviert, wenn es um Berliner Jungdesigner geht. Man vertraut auf Luxusmarken aus Paris oder Mailand – und versucht oft gar nicht erst, sich auf Marken wie Hien Le, Bobby Kolade oder Perret Schaad einen Reim zu machen.

          In dieser Saison verhindert auch noch die Fußball-Europameisterschaft den großen Auftritt im Modezelt am Brandenburger Tor: Wegen der Fußball-Fanmeile präsentieren sich die Designer nun weniger öffentlichkeitswirksam im Erika-Heß-Eisstadion im noch immer unterbewerteten Stadtteil Wedding. Dank des frühen Termins, so meint Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU), könne man dieses Jahr Einkäufer aus wichtigen Auslandsmärkten nach Berlin holen, unter anderem von der amerikanischen Kaufhauskette Neiman Marcus und dem internationalen Online-Händler Net-a-Porter.

          Damit mehr Menschen auf die vernachlässigte Szene schauen, tritt das FCG nun mit vielen Aktionen an die Öffentlichkeit. So konnte Christiane Arp, Chefredakteurin der „Vogue“ und FCG-Präsidentin in Personalunion, am Montag auch das „Fellowship Programme by the Fashion Council Germany and H&M“ verkünden. Deutsch scheint leider bei Modeleuten eine sterbende Sprache zu sein wie anderswo Latein – aber als Tribut an den schwedischen Konzern war der englische Titel der Nachwuchsförderleistung vielleicht einfach nur eine nette Geste.

          Am besten ist es, wenn sich die Designer selbst helfen

          Jedenfalls meint Thorsten Mindermann, Geschäftsführer von H&M Deutschland, „dass wir wirklich was bewegen können“. In dem Fellowship-Programm sollen Modemacher internationale Expertise sowie unternehmerisches Praxiswissen bekommen – von der Verkaufssteuerung („Visual Merchandising“) bis zum Business-Plan. H&M-Mentoren aus der Deutschland-Zentrale in Hamburg und aus der Konzernzentrale in Stockholm werden sich zwei Jahre lang um ihre Schützlinge kümmern. Von Mitte Juli bis Ende August kann man sich bewerben, im Januar 2017 geht es los.

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          „Man kann in der Berliner Mode nicht alles aufarbeiten, was bisher schief gelaufen ist“, sagt Christiane Arp. „Aber der FCG initiiert einen Neustart, übrigens bisher mit rein ehrenamtlichem Engagement.“ Sie sieht gar „eine zweite Chance für die Berliner Mode“ und glaubt auch nicht daran, dass der Einzelhandel so zurückhaltend sei. So präsentiere auch das KaDeWe wieder Talente aus dem „Berliner Mode Salon“ der „Vogue“ mit einem Pop-Up-Store im vierten Geschoss.

          Am besten aber ist es natürlich, wenn sich die Designer selbst helfen. Beispiele sind Otto Drögsler and Jörg Ehrlich, die mit ihrer Marke Odeeh von Paris nach Berlin zurückkehren – ihre Schau im Rohbau des Berliner Stadtschlosses wird mit Spannung erwartet. Und der Frankfurter Modemacher René Storck reagiert auf die Modeflaute mit einem größeren Angebot: Er macht nicht nur Damenmode, sondern nun auch Herrenentwürfe. An diesem Dienstag sind sie in seiner Schau im Kronprinzenpalais zu sehen.

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