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Berliner Modekooperationen : Gemeinsame Sachen machen

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Über die aktuelle Zusammenarbeit sagt er: „Stephanie (Hahn) macht Mode für selbstbewusste Männer und Frauen, die sich nicht in Schubladen stecken lassen. Ihr Ansatz ist nicht unisex, sondern geschlechter-liberalisierend. Die Herausforderung bestand darin, Schmuck zu gestalten, der gleichermaßen von beiden Geschlechtern getragen werden kann. Von Anfang an war deshalb klar, dass wir nichts Figuratives oder Florales umsetzen wollen, was man mit klassischerweise weiblich konnotierten Broschen verbindet.“ Entstanden ist ein Spiel von Formen, Farben und Materialien. Kräftige Grün- und Blautöne finden sich in der 22/4-Kollektion wieder. Perforiertes Goldblech nimmt die Optik vom ebenfalls gelöcherten luftigen Funktionsmaterial Mesh auf.

Beide Welten fügen sich gegenseitig etwas hinzu. Der schnelleren, jüngeren Mode wird etwas so Haltbares wie Haute Joaillerie gegenüber gestellt. Der teure Schmuck wiederum bekommt durch das Tragen an Kleidung einen Bezugsrahmen fernab verschlossener Vitrinen. Das disziplinübergreifende Zusammenarbeiten fördert nebenbei die Qualität. Hilft, dass handwerkliches Fachwissen nicht verloren geht. Nicht jeder Modedesigner kann gute Schmuckstücke, Schuhe oder Brillen entwerfen, hätte diese aber dennoch gerne innerhalb seiner.

Das würde auch Modedesignerin Anne Gorke unterschreiben. Bereits zum zweiten Mal präsentiert sie gemeinsam mit anderen Freidenkern eine Capsule Kollektion unter dem Motto „Bauhaus Made“, angelehnt an die Leitprinzipien der Design-Lehre. Ziel ist es, in jeder Saison mit Kreativen aus unterschiedlichen Disziplinen zu arbeiten und sich gegenseitig zu befruchten, um am Ende vielmehr unabhängig funktionierende Editionen zu erhalten. „Mich interessieren spannende Einzelteile heute mehr als der saisonale Kollektionsrhythmus“, sagt sie.

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Gorke, die selbst an der Bauhaus-Universität studierte und heute zwischen Weimar und der Mecklenburgischen Seenplatte pendelt, präsentierte mehrere Saisons lang ganz klassische Laufstegmode im Rahmen der Berliner Modewoche. Das Abrücken vom saisonalen Diktat und die Hinwendung zu Künstlerkooperationen beschreibt sie auch als Prozess des „Mithaltens“: „Das Moderad dreht sich immer weiter, immer schneller. Praktisch wöchentlich kommen neue Kollektionen auf den Markt, das können kleine Labels überhaupt nicht liefern.“

Fördern und Kundenkreise zusammenschmeißen

Sie wundert sich deshalb nicht, dass Kooperationen momentan gehäuft auftauchen. Bei aller Konkurrenz untereinander spreche das auch dafür, dass sich Kreative zusammenschließen, miteinander reden und sich auf eine Gewisse Art und Weise so auch gegenseitig unterstützen. „Wir stehen alle vor den gleichen Unwegsamkeiten“, sagt Gorke. „Das löst schon den Impuls aus, sich zu fördern. Gerade für kleine Marken ist es nicht leicht, sich am Markt zu behaupten. Neben dem Spaß am kreativen Austausch haben Kooperationen natürlich den günstigen Nebeneffekt, dass sich Kundenkreise zusammenschmeißen lassen“, sagt sie lachend.

Modedesigner Hien Le beschreibt das als „Win-Win-Situation“. Claudia Schoemig, die Porzellankünstlerin, welche die Knöpfe zu seiner jüngst gezeigten Kollektion liefert, erschließt sich durch die Präsenz auf der Berliner Modewoche ein vollkommen neues Publikum — „und vielleicht ist ja der eine oder andere neue begeisterte Kunde dabei.“ Er selbst spare die Kosten für die Knöpfe. „Und zusätzlich überlegen wir, die Knöpfe auf Anfrage auch losgelöst von der Kollektion zu verkaufen“, so Le.

Auch diese Strategie ist von den Großen der Branche längst bekannt: Zwei Logos auf einem Produkt verdoppeln unter Umständen die Zielgruppe — und idealerweise auch den Umsatz. Was bei Global Playern jedoch oft wie ein weiterer billiger Geldscheffel-Trick anmutet, Konsumenten dazu zu bringen noch mehr zu kaufen, ist bei den kleinen Labels ein willkommenes Selbsthilfetool. „Durch die Kooperationen zeigen wir auch nach außen, dass wir eine gemeinsame Modeszene sind“, ergänzt Anne Gorke: „Auch so lässt sich das Bild Deutscher Mode festigen.“

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