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Berliner Modeszene in der Krise : Zeigen Sie auch woanders?

Keine blutigen Anfängerinnen: Sarah Büren (links) und Sonja Hodzode von Blame hatten ein klares Konzept für ihr Label. Kaufen können sie sich davon aber nichts Bild: Pein, Andreas

Nicht alle Talente, die es verdient hätten, waren bei der Berliner Fashion Week in dieser Woche dabei. Die Szene steckt in einer Krise. Über den Wahnsinn, in der Stadt eine Marke aufzubauen.

          5 Min.

          Ihre Eigentumswohnung tragen Sonja Hodzode und Sarah Büren am Körper. Die beiden Frauen, die eine 33, die andere 32, sind nicht etwa shoppingsüchtig oder haben völlig verrückte Maßstäbe. Sonja Hodzode und Sarah Büren sind Designerinnen und haben so viel in ihren Traum vom eigenen Label investiert wie andere in ein schickes Apartment. Sie haben in New York und Trier Mode studiert, sie haben Praktika bei Marc Jacobs gemacht, ebenso bei Preen in London und bei Hugo Boss in Metzingen. Sonja Hodzode begann nach dem Studium beim Designer Michael Michalsky in Berlin zu arbeiten, Sarah Büren startete in einer Trendagentur.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie waren also bei weitem keine blutigen Anfängerinnen, als sie 2010 eine gute Idee für ein Label hatten, das mit knalligen Blumenprints und vielen Einzelstücken zum Kombinieren Frauen kleiden sollte, die auf der Suche nach etwas Besonderem sind: für die eigene Geburtstagsfeier, das Vorstellungsgespräch, die Hochzeit der besten Freundin oder einfach den Tag im Büro. Die dorthin mit dem Bus, dem Kombi oder dem Fahrrad gelangen und vielleicht vorher noch ihre Kinder an der Schule absetzen müssen. Hodzode und Büren dachten an ein alltagsnahes Label, das trotzdem besondere Stücke zu bieten hat. Sie nannten es Blame: kurz, international, ein bisschen ironisch. Drei Jahre später, 2013, hielten sie es für eine gute Idee, eine Pause einzulegen.

          Symbol der Perspektivlosigkeit

          Seitdem liegt Blame auf Eis - ihre Eigentumswohnung zum Anziehen. Den beiden blieben nach dem Abverkauf der Kollektion und nachdem sie die Produktionskosten bezahlt hatten, 200 Euro. Für eine ganze Saison. Für vier Monate Arbeit.

          Die Geschichte von Blame ist noch nicht mal ein Einzelfall. Sie ist symptomatisch für die aktuelle Lage der Berliner Modeszene. Am Werdegang von Blame lassen sich all die tollen Möglichkeiten beschreiben, die diese Stadt jungen Designern zu bieten hat. Aber eben auch die Perspektivlosigkeit, unter der die meisten Labels hier leiden. Nur die allerwenigsten schaffen es, sich davon zu lösen.

          An einem Mittwochmorgen um kurz vor neun Uhr sieht man Sonja Hodzode und Sarah Büren schon von weitem die Görlitzer Straße in Kreuzberg hinunterlaufen und auf das Frühstückscafé zusteuern, in dem man sich mit ihnen verabredet hat. Sie werden heute zum ersten Mal öffentlich über die Pausen vom Moderhythmus sprechen. Sie leuchten richtig in ihren neonfarbenen Miniröcken, in den mit Pailletten bestickten Oberteilen. Sie tragen ihr eigenes fröhliches Label. Ihr Label, das für sie noch teurer ist als für ihre Kunden. Sie haben heute nur diese eine Stunde Zeit, denn obwohl sie nun nicht mehr, wie sonst während der Berliner Modewoche Anfang Juli, tagelang an ihrem Messestand präsent sind, die Nächte durcharbeiten und dann im Modezelt ihre Kollektion zeigen, sind sie weiterhin sehr beschäftigt.

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