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Berliner Fashion Week : „Nicht einfach nur nette Kleider kreieren“

  • -Aktualisiert am

Anja Gockel (links) „ging es schon immer um Harmonie und Gleichgewicht“. Bild: EPA

Auf der Berliner Fashion Week wird es politisch: Bei der Schau der Mainzer Modedesignerin Anja Gockel tritt die Aktivistin Yael Deckelbaum mit ihrer Band auf. Das passt gut zusammen.

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          Die israelisch-kanadische Sängerin und Songwriterin Yael Deckelbaum hat eine außergewöhnliche Ausstrahlung. Am Dienstagnachmittag vergingen nur wenige Minuten, bis sie die Zuschauer in der Lobby des Berliner Hotels Adlon mit ihrer Musik in den Bann gezogen hatte. „Feel it“, rief sie immer wieder dem Publikum zu. Begleitet wurde sie von ihrer Band „The Mothers“, die aus fünf Frauen besteht. Auf hebräisch, arabisch und englisch begleiteten sie Yael Deckelbaum stimmlich und an Gitarre, Schlagzeug und Bass. Barfuß und in einem weiten, lilafarbenen Gewand gekleidet rief sie in ihrer Musik dazu auf, Grenzen zu überwinden. Sie will Frauen und Männer unterschiedlicher Herkunft und Religionen zusammenzubringen und eine Zukunft des Friedens aufbauen.

          Aylin Güler

          Redakteurin für Social Media.

          Die Songs aus Deckelbaums neuem Album „Women of the World Unite“, das sie an diesem Abend anlässlich der Fashionshow von Anja Gockel vorstellte, klingen kraftvoll und rasant – dann wieder sanft und melodiös. Für Yael Deckelbaum war es der erste Auftritt auf einer Modeveranstaltung: „Es ist aufregend zwei Welten miteinander zu verbinden, die ganz offensichtlich nicht viel miteinander zu tun haben“, sagte die Sängerin und fügte hinzu: „Ich liebe es“.

          Als Aktivistin ist Yael Deckelbaum das Sprachrohr der Initiative „Women Wage Peace“, das von jüdischen, muslimischen und christlichen Frauen ins Leben gerufen wurde. Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 bemüht sich die Gruppe, auf ein Ende des Konfliktes mit Palästina hin zu wirken. 2016 organisierten die Frauen einen Friedensmarsch nach Jerusalem. Yael Deckelbaum war dabei – mit 4000 weiteren israelischen und palästinensischen Frauen. Ihr Song „Prayer of the Mothers“ entstand als Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen ihr und den Leiterinnen von „Women Wage Peace“ und wurde nicht nur zu einem viralen Hit, sondern auch zur Hymne der Friedensbewegung. Bis dato hat die Sängerin vier Soloalben („Ground Zero“/2009, „Joy & Sadness“/2012, „Enosh“/2015, „Women of the World Unite“/2019) veröffentlicht – und bei vielen erfolgreichen Alben in Israel mitgewirkt.

          Die Mainzer Modedesignerin Anja Gockel hatte sich aus gutem Grund dafür entschieden, dass Yael Deckelbaum die Show für ihre Frühling/Sommer 2020 Kollektion auf der Berliner Fashion Week eröffnete. „Mein Tun als Modedesignerin in den letzten 23 Jahren ist mit Yaels Botschaft vereinbar. Denn mir ging es schon immer um Harmonie und Gleichgewicht“, sagte die Designerin. Unter dem Motto „Vote for Alice“, eine Anspielung auf „Alice im Wunderland“, sollte das Unmögliche möglich gemacht werden. Das Thema des Abends „Frieden und Freiheit“ drückte sich in einer sehr lässigen und farbenfrohen Kollektion aus. Auch die Band trug an diesem Abend von Gockel designte Mode. „Ich bin eine Designerin, die den Spirit in die Welt hinausgeben möchte. Und nicht einfach nur nette Kleider kreieren möchte“, sagte sie und fügte hinzu: „Wir Frauen müssen uns einmischen und einbringen – für Frieden und Freiheit."

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