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Berliner Fashion Week : Mehr oder weniger Mode

  • -Aktualisiert am

Prominenter Besuch auf der Berlin Fashion Week: Janin Ullmann (l-r), Schauspielerin, Bill Kaulitz, Musiker, Karolina Kurkova, Model und Lena Gercke Bild: dpa

Auf der Berliner Fashion Week geht es vor allem um: die Fashion Week. Und ihre Zukunft. Doch es gibt auch Schönes zu bestaunen.

          Alles so leer hier: Flaute im Schauenkalender, dünn besiedelte Défilés, tote Hose(n) auf den Messen: Auf den ersten Blick erschien die Modewoche in Berlin, die in der ersten Juliwoche stattfand, wie ein kläglicher Versuch, kurz nach Beginn der großen Schulferien das Sommerloch mit einem Sommerloch zu stopfen. Geht natürlich nicht!

          So blieb auch in dieser Saison das große Thema der Fashion Week nicht die gezeigte Mode — sondern die unsichere Zukunft des Modestandorts Berlin. Immer wieder wurde in den vergangenen Saisons gepredigt, dass sich etwas ändern müsse, ohne dass den Worten wirklich sichtbare Taten folgten. Warum nur wurde der Zeitpunkt der Fashion Week – parallel zur Haute Couture in Paris und einem Fendi-Spektakel in Rom – schon wieder so ungünstig gelegt?

          Mode für alle ist eine der Ideen, die es kitten soll. Platz ist ja genug da. Schon unter der Woche wurde auf dem Vorplatz des E-Werks, dem Hauptveranstaltungsort der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin, eine Installation mit 55 Entwürfen verschiedener Berliner Designer auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich präsentiert. Am Freitag schließlich eröffnete der Online-Händler About You eine eigene dreitägige Fashion Week mit Schauen von Adidas, Lena Gerke oder Bill Kaulitz, die jeder mit Tickets ab 15 Euro besuchen kann.

          Dafür wurden eigens Models wie Coco Rocha und Karolina Kurkova eingeladen, die man, obwohl sie hier sicherlich auch nur eingekauft wurden, gerne auf der eigentlichen Fashion Week sehen würde. Wie erfolgreich die Publikumsöffnung sein wird, bleibt offen, hat doch Zalando mit der Bread & Butter ein ähnliches Format versucht — und nicht fortgeführt.

          Siemens präsentierte während der Modewoche die bisher größte alleinstehende Investition des Unternehmens in die Siemensstadt.

          So oder so: Zu Ende ist es nach den vielen Abgesängen der letzten Wochen und Monate mit der Berliner Fashion Week dennoch nicht. Es ist nur so, dass nach der Ruhe vor dem Sturm schon seit geraumer Zeit einfach kein Sturm kommt. Dafür zumindest die ein oder andere frische Brise. Die Leerstellen im Schauenplan stopften in dieser Saison nämlich vorerst Industrie und Politik. In Deutschland, wo es Mode kulturell nach wie vor genauso schwer hat wie wirtschaftspolitisch, ist das nicht das schlechteste Signal.

          Der heimische Konzern Siemens präsentierte im Rahmen der Modewoche die bisher größte alleinstehende Investition des Unternehmens in die Siemensstadt, die in den nächsten Jahren zur ersten Industrial Smart City werden soll — natürlich nicht ohne eine kleine modische Showeinlage. Auch Entwicklungsminister Gerd Müller nutzte die Gelegenheit, um auf der Neonyt Messe für nachhaltige Mode das erste staatliche Nachhaltigkeitszertifikat für Bekleidung, das ab Herbst vergeben werden und Konsumenten die Kaufentscheidung erleichtern soll, vorzustellen.

          Gerd Müller bei der Neonyt 2019

          Überhaupt ist Nachhaltigkeit längst über die Stadtgrenzen hinaus zum Synonym für Mode aus Berlin geworden und ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Dafür haben sich die Veranstalter zusammengetan und Sustainability zum übergreifenden Thema auf allen Messen gemacht. Auch mit der erstaunlich ansehnlichen Neonyt Fashion Show wurde gezeigt, dass nachhaltige Mode längst mit konventionellen Marken mithalten kann.

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