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Berlin Fashion Week : Hoch hinaus

Hoch über Berlin: William Fan lud für seine Schau in den Fernsehturm. Bild: dpa

Die Modewoche in Berlin ist in diesem Jahr ins zentralgelegene Kraftwerk gezogen. Die interessanteste Schau am Auftakttag lockte aber in den Fernsehturm.

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          Draußen vorm Kraftwerk zittern sie. Drei Demonstrantinnen der Tierschutzorganisation Peta haben sich am Dienstag vor dem Eingang in Stellung gebracht. „Wool kills“ (Wolle tötet), steht auf ihren Schildern. Im Kraftwerk findet, davon kaum berührt, die Fashion Week Berlin statt, zum ersten Mal in dieser Location. Zwar ist es in Berlin ungewöhnlich mild für Mitte Januar, doch den Frauen, die draußen auf einem kuscheligen Schafsfell liegen, ist trotzdem kalt, tragen sie doch nichts zur Schau als fleischfarbene Unterwäsche und den unbedingten Willen, der Modewelt zu trotzen. Mit bebenden Fingern halten sie ihre Schilder, zeigen sich zugleich unbeeindruckt von den vielen Fotografen und Kameraleuten, die Aufnahmen machen. Eine dunkle Blutspur bahnt sich ihren Weg das Schafsfell entlang, aufgemalt von den Demonstrantinnen. Aus Lautsprechern ertönt das Geschrei gequälter Tiere.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Drinnen im Kraftwerk betritt das erste Model für Danny Reinke den Laufsteg, gewandet in Pelz. „Kunstpelz”, flüstert jemand. Alles unecht. Etwas anderes können sich Designer heute, nicht nur angesichts der Peta-Aktivistinnen, gar nicht mehr erlauben. Erst recht nicht auf einer Fashion Week wie der in Berlin, die in ausländischen Medien kaum und in deutscher Berichterstattung vorrangig verächtliches Echo findet. Doch der Umzug ins Kraftwerk ist ein erstes positives Signal, sind doch die Räumlichkeiten um einiges größer und zentraler gelegen als das E-Werk, wo die Veranstaltung im vergangenen Jahr stattfand. 

          Zittern für den Tierschutz: Peta-Aktivistinnen während der Fashion Week in Berlin

          Trotzdem: Die interessantesten Schauen fanden bisher nicht im Kraftwerk statt. Der Designer William Fan hat seine Gäste lange im Unklaren gelassen, wohin es geht, nur um einen Tag vor der Schau zu verkünden: es geht hinauf, weit hinauf! Auf den Fernsehturm nämlich, wo hoch oben über der Stadt das Panorama Berlins bewundert werden konnte. Fan schickte die Zuschauer auf eine Reise rund um Berlin, denn der Zuschauerbereich drehte sich während der Schau um die eigene Achse, damit man möglichst viel von der Hauptstadt sehen konnte, deren Vielfalt der Designer zugleich auf den Laufsteg brachte. Auch die Models liefen ihre Runden durch die Kuppel, divers, wie Berlin eben ist, mal urban gekleidet, lässig, alltagstauglich, dann wieder außerweltlich glitzernd. 

          Divers wie Berlin war die Schau von William Fan im Berliner Fernsehturm.

          Lou de Bètoly setzte ebenfalls auf Diversität unter den Models und schickte nicht nur Frauen jedweder Hautfarbe los, sondern auch Models jenseits der 50. Auch De Bètoly zeigte nicht im Kraftwerk, was sie alles höchstselbst mit eigenen Händen vernäht, sondern in einem runtergerockten Berliner Hochhaus am Ufer des Landwehrkanals, in dem früher wohl mal eine Postbank war. Heute ist nur noch ein Aufzug übrig, der sage und schreibe 1,5 Minuten bis in den 21. Stock juckelt, um dort beängstigend langsam seine Türen zu öffnen und de Bètolys Gäste ausspuckt in unbearbeitete Zimmer aus Beton. Räumlichkeiten also, die authentisch so aussehen, wie das doch etwas aufgeräumtere Kraftwerk gern aussehen würde. De Bètoly zeigte traurige Bräute mit aufgerissenen Kleidern, sie zeigte Kopfbedeckungen, die eine Mischung aus sehr stylischen Hijabs und auf den Kopf gesetzten Einkaufskörben sein könnten und sie zeigte wieder, was sie alles mit sehr viel Perlen- und Strass zusammennähen und sehr, sehr kunstvoll aussehen lassen kann.

          Seide in Beton bei Odeeh

          Otto Drögsler und Jörg Ehrlich von Odeeh zeigten dann am Abend ihre Schau im Kraftwerk (finally!), mieden aber den sterilen, schmucklosen und sehr nach seelenlosen Modenschauen im Fernsehen aussehenden Runway, der die Hauptbühne darstellt. Die Designer zogen sich zurück in einen Hinterbereich, in dem rauhe Wände klafften und unbearbeitete Säulen herumstanden wie in einer Parkgarage. Ihre Models schickten sie in sanft wallenden Kleidern aus zarten Stoffen in die rauhe Welt des untapezierten Kraftwerks. In Formationen liefen sie in Quadraten durchs Halbdunkel. „Seide in Beton”, sagten die Designer von Odeeh nach der Schau. Das Kraftwerk als neue Location ist ein Schritt in die richtige Richtung, Designer können mit den Optionen des Gebäudes spielen, und es bietet in Berlin doch noch die Möglichkeit, die inszenatorische Kraft von Mode zu entfalten.

          Seide trifft Beton: Odeeh präsentierte seine Entwürfe zwischen den Betonsäulen des Kraftwerks.


           

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