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Berliner Modewoche – Tag 3 : Ideen muss man haben!

Marina Hoermanseder musste mit ihrer Kollektion alltagstauglich werden. Bild: AP

So richtig viele gute Nachrichten aus der deutschen Hauptstadt gibt es nicht. Da freut sich die Mode-Gemeinde über die kleinen Erfolge neuer Labels. Und über originelle Locations.

          Irma Spies macht das Beste aus ihrem Schicksal. Als sie auf dem Laufsteg erst wackelt und dann stürzt, zieht sie die High Heels aus und geht den Rest ihres langen Weges barfuß auf Zehenspitzen. Immerhin verlaufen sich die Models nicht. Denn backstage hängen Zettel mit den Grundrissen des Kronprinzenpalais: überall rote Pfeile, die in alle Richtungen zeigen, vom ersten zum zweiten Obergeschoss, vom ersten bis zum letzten Raum – und zurück.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In diesen trivialen Beobachtungen stecken schon mal zwei Erkenntnisse: Erstens hat Marina Hoermanseder den Mädchen die falschen Schuhe verpasst, denn auch Antonia Vonnahme muss sich bei ihrem schmerzhaften Walk die Louboutins von den Füßen ziehen und barfuß weiter spazieren. (Wahrscheinlich wären Unützer-Schuhe nützlicher gewesen.) Und zweitens ist der Erfolg der aus Österreich stammenden Berliner Designerin so groß, dass sie die Zuschauermassen auf zwei Etagen des riesigen neoklassizistischen Klotzes unterbringen muss: Ein Stockwerk ist für den neuen Star der deutschen Mode schon zu klein.

          Dann lieber gleich barfuß: bei Marina Hoermanseder waren die Schuhe zu hoch

          Ihre Lederkorsetts oder die handgefertigten Lampenschirm-Röcke, mit denen sie sich so schnell einen Namen gemacht hat, können ihr auch nicht reichen. Sie muss eine runde Kollektion aufbauen, die bis ins Leben der Kundin reicht. Passend also, dass sie sich von der Fliegerin Amelia Earhart hat inspirieren lassen – die Fliegerjacken, mal aus Leder, mal aus Wolle, die hoch angesetzten Bundfaltenhosen und die korrekten Blazerjacken lassen es erahnen. Die Lederschnallen an den Ärmeln alltagstauglicher Mäntel oder das angedeutete Riemenmuster auf Strickpullovern zeigen, woher sie kommt und wohin es geht. Die bezwingende Originalität der Korsetts haben diese Stücke natürlich nicht, aber schön anzuschauen sind sie.

          Lederschnallen an den Ärmeln alltagstauglicher Mäntel bei Marina Hoermanseder

          Nach der Schau ist die Designerin backstage ein paar Minuten in Tränen aufgelöst – eine solche Kollektion zu erschaffen ist eine Kraftanstrengung. „Ich hatte mich gefragt: Kann ich tragbaren Look?“ Ihre Antwort nun: „Ja.“ Und sogar der knallenge Minirock aus Lederstriemen ist nicht nur zum Stehen da. „Wenn man ihn öfters trägt“, meint Hoermanseder, die darin eine ganze „Markus-Lanz“-Sendung durchsaß, „formt er sich gemäß dem eigenen Körper.“ Die Zukunft liegt aber in den kombinierten Teilen, wie sie zum Beispiel Sabrina Setlur in der ersten Reihe trägt: Ihr locker fallender Overall hat an den Hosenbeinen aufgesetzte Ledertaschen mit jeweils drei offenen Fächern – in einem steckt ihr Smartphone. „Ist super“, meint die Sängerin, „wie ein Werkzeugkasten.“

          Nicht allzu viele Erfolge

          An solchen Geschichten klebt Berlin – denn ansonsten gibt es nicht von allzu vielen Erfolgen zu berichten. Einige Kollektionen von hoffnungsvollem Nachwuchs wie William Fan wirken blass. Viele Marken gibt es gar nicht mehr, andere können sich keine Schau leisten und verlieren damit ihr letztes bisschen Kapital, nämlich die Sichtbarkeit. Die Seite „Les Mads“, Urbild aller Modeblogger, ist eingestellt und sogar ganz aus dem Netz genommen. Und der Schweizer Designer Julian Zigerli zeigt seine Herrenmode nun in Paris. Sein lakonischer Befund: „Berlin ist cool, aber die Stadt bringt leider einfach kein Business.“ Symbolisch auch: Wolfgang Joop, der gerade mit seiner Firma Wunderkind von Potsdam nach Berlin gezogen ist, nämlich ins alte Hotel Bogota in der Nähe des Kurfürstendamms, stellt seine neue Kollektion just in diesen Tagen in Mailand vor.  

          Auch Michael Michalsky macht sich rar beziehungsweise klein. In der Galerie von Anna Jill Lüpertz stehen kleine Figuren, Abbilder der Models, die er nach der letzten Schau in den 3D-Drucker schickte. Michalsky selbst hat die Stadt schon am Montag verlassen – zu den Dreharbeiten für „Germany’s Next Topmodel“, wo er nun in der Jury sitzt. Wenn Deutschland Amerika wäre, würde das bedeuten, dass wir bald einen neuen Milliardär hätten, schließlich hat Michael Kors seine Milliardenumsätze auch der amerikanischen Version der Heidi-Klum-Sendung zu verdanken. An allen Handtaschen nun „MM“ statt „MK“ – das wär´s.

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