https://www.faz.net/-hrx-ag1i0

Berlin Art Week und Positions : Wo hört Mode auf, wo fängt Kunst an?

  • -Aktualisiert am

Modisches Publikum vor Arbeiten von Henrik Vibskov in Berlin Bild: Denis Kuhnert

In Berlin dreht sich an diesem Wochenende bei der Berlin Art Week und dem Gallery Weekend alles um Kunst. Welche Rolle spielte dabei die Mode?

          6 Min.

          Der Kult um das richtige Logo ist in der Mode längst ein zeitloser Trend. Allein welche Logos die richtigen sind wird regelmäßig aktualisiert, je nachdem, welche Modemarken gerade als angesagt gelten. In Berlin schreibt man sich im Augenblick nicht den Namen eines Luxusdesigners, sondern eines Museums als Markenschriftzug auf die Brust: Im September launchte die Streetwear-Plattform Highsnobiety T-Shirts und Hoodies in Kooperation mit der kürzlich wiedereröffneten Neuen Nationalgalerie.

          Die Kollektion ist im Rahmen des interdisziplinären „Berlin, Berlin“ Festivals entstanden und auf vielerlei Ebenen interessant. Einerseits zeigen die Neue Nationalgalerie-Logos am Körper von Berlins Cool Kids, dass Kunst zu deren Selbstverständnis längst dazugehört - oder man sich zumindest gern mit deren Aura umgibt. Kunst ist in! Andererseits poppt auch Mode immer häufiger im Kunstkontext auf. Generell stehen die Kleidungsstücke für das wachsende Miteinander von Mode und Kunst, wie sie in der Hauptstadt auch rund um die Berlin Art Week und das Gallery Weekend in dieser Woche stattgefunden haben.

          Dass sich die beiden Disziplinen gegenseitig befruchten, war bereits auf einer Vielzahl von immersiven Veranstaltungen während der Berlin Fashion Week eine Woche vorher zu sehen. Wo hört Mode auf, wo fängt Kunst an? Die Grenzen sind ob des beidseitigen kreativen, künstlerischen, performativen Ausdrucks mitunter fließend. In der Hauptstadt mag man es eh nicht, sich strengen Stilen unterzuordnen. Mit Galleristen wie Johann König, der Kunst sogar schon im Kaufhaus verkauft und mit König Souvenir in Kooperation mit Künstlern regelmäßig neue Mode- und Designstücke auf den Markt bringt, ist das Phänomen sowieso kein neues mehr.

          „Nervöse Elefanten“: Gäste der Ausstellung von Henrik Vibskov im Space der Agentur BAM in Berlin
          „Nervöse Elefanten“: Gäste der Ausstellung von Henrik Vibskov im Space der Agentur BAM in Berlin : Bild: Denis Kuhnert

          Für Mira von der Osten steht fest: „Mode sollte wie Kunst betrachtet werden“. Sie ist Designerin des Labels Cruba und Mitinitiatorin der Fashion Positions, einer Art Modeausstellung innerhalb der Kunstmesse Positions, welche kurz vor der Berlin Art Week in den Hallen des Flughafen Tempelhof zum wiederholten Mal stattfand. Hiesige Designer, darunter Brachmann, Esther Perbandt, Starstyling oder das neue Talent Laura Gerte, die dort im vergangenen Jahr den Nachwuchspreis gewann, loteten mit ihrem künstlerischen Schaffen die Grenzen zwischen den Disziplinen weiter aus. Und zeigen einmal mehr, dass Mode mehr sein kann als das, was am Körper durch den Stadtraum getragen wird.

          Gleichzeitig hofft man  - vielleicht in beiden Disziplinen - auch auf neue Zielgruppen, ergo neue Kundschaft. „Exit through the gift shop“? Während die Positions ohnehin eine Messe ist, in erster Linie zum Abverkauf von Kunst gedacht, haben die Designer ihre künstlerischen Positionen vom reinen Verkauf getrennt: Der Ausstellung angeschlossen fand sich dann aber doch ein Pop-up-Shop, in welchem einige der mitmachenden Designer ihre Kollektionen verkauften.

          Von Architektur inspiriert

          Zurück zur Ausstellung: In einer Installation des Architektur-inspirierten Labels Brachmann, das mit dem Berliner Mies van der Rohe Haus zusammenarbeitet, zeigt sich schön, wie man den Charakter eines Hauses auf ein Kleidungsstück übertragen kann. Entstanden ist eine Modekollektion, die in Schnitten, Formen und Farben Bezug nimmt auf die klare Architektur van der Rohes. Gemeinsam mit dem Fotografen Axl Jansen sind dazu an die Ästhetik der Neuen Sachlichkeit angelehnte Filme entstanden, welche auf der Fashion Positions parallel auf Bildschirmen liefen.

          Weitere Themen

          Comme des Garçons?

          Vitra Design Museum : Comme des Garçons?

          Die Ausstellung „Frauen im Design, 1900 bis heute“ im Vitra Design Museum kennt nur Heldinnen und möchte mit altbackenen Rollenbildern aufräumen, weicht dabei jedoch wichtigen Fragestellungen aus.

          Topmeldungen

          Woran festhalten, was erneuern? Hendrik Wüst blickt nach vorne.

          Kritik an Parteispitze : Die Abrechnung der Jungen Union

          Fehlende thematische Positionierung, Störfeuer aus Bayern und eine Kampagne, die zum Teil „nur noch zum Haare raufen“ gewesen sei: Der Parteinachwuchs ist beim Deutschlandtag gereizt.
          Die unbekannte Oberschicht, hier mal wieder reduziert auf maßlos überteuerte Handtaschen.

          Soziologie : Unbekanntes Wesen Oberschicht

          Anders als die Gruppe der Niedrigverdiener und die Mittelklasse ist die reiche Oberschicht soziologisch kaum erforscht. Umso trefflicher lässt sich darüber streiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.