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Orientteppiche : Schwarzweiß-Weberei

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Macht sich auch in Kalifornien gut: Beni-Ourain-Teppich in einem Fünfziger-Jahre-Bungalow in Palm Springs Bild: Nancy Baron

Vom Atlas-Gebirge in den Alltag: Beni-Ourain-Teppiche aus Marokko sind der neue Trend. Jedes Stück ist anders und passt doch zu jedem Stil.

          5 Min.

          Jessica Weiß weiß, was angesagt ist. Sie ist Deutschlands bekannteste Modebloggerin. In ihrem Online-Magazin „Journelles.de“ schreibt sie aber nicht nur über Mode. Auch Interior-Trends und persönliche Käufe sind Thema von Journelles, so wie vergangenes Jahr ein cremeweißer, hochfloriger Teppich mit einem feinen, schwarzen Rautenmuster - ein Beni Ourain aus Marokko. Nachdem auf Journelles schon einige Monate zuvor die traditionellen, nordafrikanischen Teppiche als begehrtes Wohnaccessoires und „Teil einer jeden guten skandinavischen Homestory“ ausgelobt worden waren, berichtete Weiß über ihre eigenen Kauferfahrungen während eines Marrakesch-Kurztrips.

          So simpel ihre Kriterien klangen („ca. 2,50 mal 1,60 Meter, schwarze Rauten, denn Braune gibt es auch, kein schwarzer Rahmen“), so langwierig war ihre Suche. Nach zahlreichen Stopps war sie jedoch fündig geworden und hat nach „langen Verhandlungen“ ihr Lieblingsmodell statt für 850 Euro Eröffnungsangebot für 185 Euro erstanden. Die Leserkommentare ließen nicht lange auf sich warten. Zwar bemängelten einige den als zu günstig empfundenen Endpreis. Einig waren sich jedoch alle: Der Beni Ourain sei „wunderschön“.

          Mit ihrem Beni-Ourain-Kauf ist Jessica Weiß nicht alleine. Der Teppich aus heller Schafswolle und wie von Hand gezeichneten, schwarzen Linien, die als Rauten oder Zickzackmuster mal mehr, mal weniger gleichmäßig verlaufen, ist im Moment omnipräsent. Auf der Website The Selby sieht man ihn im Zimmer des kalifornischen Modedesigners Greg Chait. Im Magazin „Architectural Digest“ liegt er im Pariser Apartment des ehemaligen Yves-Saint Laurent-Designers Stefano Pilati.

          Und in einem Porträt über die finnische Innenarchitektin Joanna Laajisto auf dem schwedischen Interior-Portal Residence dominiert ein großer Beni Ourain die weißen Holzdielen. Dem Teppich wird nicht zu Unrecht Trendpotential bei urbanen Kreativen unterstellt. Wobei die Klassifizierung als Trendteil paradox ist. Ein echter Beni Ourain ist alles andere als ein Massenprodukt. Er ist ein Unikat. Ein Unikat aus dem Atlasgebirge, welches dort seit Jahrhunderten gelebte Tradition ist und schon seit Dekaden in Designerkreisen geliebt wird. Doch dazu später mehr.

          „Die Fertigung der Teppiche ist Frauensache“

          Hergestellt werden die Beni Ourains im nördlichen Atlasgebirge, ein paar hundert Kilometer jenseits der flirrenden Hitze der Souks von Marrakesch, wo die Teppiche später verkauft werden. In den kleinen Bergdörfern der Beni-Ourain-Volksstämme auf über 1000 Höhenmetern gibt es weder fließendes Wasser noch Elektrizität. Wer einmal dort war, weiß, dass diese Gegend wenig mit dem Traum von Tausendundeiner Nacht zu tun hat. Vielmehr sind die Nächte hier alles andere als angenehm, vor allem im Winter.

          Wenn es in den höheren Lagen schneit, wärmen sich die Menschen mit einem Feuer und den besonders dicken Teppichen, die sie mal als Unterlage, mal als Decke verwenden. Die Wolle selbst stammt von den Schafen der Hirten. Sie ist damit ein elementarer Rohstoff. „In den Häusern der Berber im Atlasgebirge findet man die typischen Beni Ourains überall“, weiß Andrea Kolb, die Gründerin von Abury, einer Stiftung, die sich zur Aufgabe gemacht hat, traditionelles marokkanisches Kunsthandwerk zu fördern.

          2008 hat Kolb in Marrakesch mit ihrem Mann ein kleines Hotel eröffnet. Seitdem reist sie regelmäßig in das Land und zu den Dorfgemeinschaften, die für sie Taschen und Teppiche produzieren. „Die Beni Ourains werden bei den Berbern oft als Unterlage zum Schlafen verwendet. Im hohen Flor bleibt nämlich eine Luftschicht hängen, welche Wärme lange speichert“, sagt Kolb und ergänzt: „Ich habe selbst schon im Bergdorf auf einem Beni Ourain wunderbar geschlafen.“

          Die Fertigung der Teppiche ist Frauensache. Sie sitzen gemeinsam vor dem riesigen Webrahmen. „Eine bereitet die Wolle vor, die anderen weben und knüpfen. Dabei unterhalten sie sich über die Natur und das Leben“, sagt Kolb. Nicht selten sind diese Lebenserfahrungen Basis für die Motive. Doch egal, ob Raute, Linie oder Tiersymbol: am Ende gleicht kein Beni Ourain dem anderen.

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