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Vor Modewoche in Berlin : Ein Besuch bei der neuen deutschen Designhoffnung Belize

  • -Aktualisiert am

Muster, Farben und Folklore: Das Atelier der Designerinnen Fiona Bansal (links) und Valeska Duetsch (rechts) gleicht einer Brutstätte stoffgewordener Phantasien. Es könnte auch im Sinne von David Bowie sein, dessen Plattenfirma in dem Berliner Haus einst Mieter gewesen sein soll. Bild: Andreas Pein

Die neue deutsche Designhoffnung heißt Belize. Zwei ehemalige Mitarbeiterinnen von Stella McCartney haben zwischen London und Berlin ein Label gegründet. Ein Besuch vor dem Debüt an diesem Dienstag.

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          David Bowie! Präziser: Sein Geist soll in diesem herrlich heruntergekommenen, verwunschenen Treppenhaus nach all den Jahren noch immer die stuckverzierten Stockwerke hoch und runter spuken. Zumindest munkeln das die Mieter dieses liebevoll unsanierten Prachtbaus an der Berliner Potsdamer Straße, zu denen auch Valeska Duetsch zählt. Die Designerin ist die Berliner Hälfte hinter dem jungen Modelabel Belize, das sie gemeinsam mit der in London lebenden Fiona Bansal gegründet hat. Die eine ist in Berlin geboren, die andere in Brighton.

          Es heißt, Bowies Plattenfirma sei einst Mieter der Wohnung gewesen, in der sich heute das Modeatelier von Duetsch befindet, und dass der große Star persönlich hier an dem einen oder anderen Song gefeilt hätte. Ob das nun stimmt, kann keiner mit absoluter Sicherheit sagen – „aber eine bessere spukende Schirmherrschaft kann sich ja kein Kreativschaffender wünschen“, sagt auch Fiona Bansal und lacht. Sie ist gerade auf Arbeitsbesuch in der Hauptstadt.

          Ganz im Geiste Bowies

          So oder so: Das Atelier von Belize dürfte für jeden Ordnungsfanatiker eine anarchistische Brutstätte stoffgewordener Phantasien ganz im Spirit Bowies verkörpern. Zwischen Bergen von Materialproben, ulkigen Flohmarktsouvenirs oder halbfertigen Kleidern, die hier schwungvoll an Türgriffen hängen, flattern Garnrollen, verblichene Magazine und ausgedruckte Stimmungsbilder herum. Darunter Aufnahmen von Stränden, historische Mieder, geflochtene Zöpfe sowie zeitgenössische Modefotografien. Visuelle Vokabeln, die von der Grundidee Belizes erzählen: von Mode mit einem Hang zum Nostalgischen, Exotischen, Handwerklichen und Gegenwärtigen zugleich.

          Auf die Idee, ein gemeinsames Label zu gründen, kamen Duetsch und Bansal 2016 nach einem Wiedersehen in London – beide waren zufällig ineinandergerannt und plauderten zunächst über gemeinsame alte Zeiten: Die Berlinerin Duetsch lebte nach ihrem Studium am Lette Verein zunächst in Paris, wo sie bei Chloé erste Erfahrungen sammelte, bevor sie in London bei Stella McCartney anheuerte. Dort traf sie auf Bansal, eine Weile arbeiteten sie als Kolleginnen an der Bekleidungslinie. Duetsch wechselte dann in die Bademode und Lingerie von Stella McCartney, auch, weil sie so zwischen Berlin und London pendeln konnte. Mittlerweile hatte sie in der Heimat nämlich eine kleine Familie. Bansal wiederum zog es weiter, unter anderem zum Online-Shop Net-a-Porter. Und: weg vom Gestalten. Sie vertiefte sich ins Produktmanagement, lernte Produktionsprozesse und die Business-Seite der Industrie kennen.

          Duetsch sagt: „Beim Wiedersehen in London erzählte ich Fiona, dass ich gern mein eigenes Ding machen würde. Sie hatte den gleichen Plan. Schon als Kolleginnen hatten wir oft den gleichen Geschmack. Wir beide lieben Muster, Farben und Folklore. Und alleine wäre es eh langweilig.“ Also taten sie sich zusammen.

          „Wir kommen nicht blauäugig von der Uni“

          Nun ist der Modemarkt etwa so gut gesättigt wie die Londoner U-Bahn zum Berufsverkehr: bis zum Überquellen gefüllt mit alten Hasen und jungen Marken von überall auf der Welt, die mit mehr oder weniger waghalsigen Konzepten händeringend nach Halt suchen. Man muss schon ziemlich übergeschnappt sein, auf so engem Raum auf einen Platz zu hoffen – und dennoch schien ein eigenes Label für beide als „der nächste logische Schritt“, sagt Duetsch.

          „Wir kommen nicht blauäugig von der Uni, sondern haben in den vergangenen Jahren viel Erfahrung in der Branche gesammelt, uns ein wichtiges Netzwerk aufgebaut und nehmen auch die finanzielle Seite sehr ernst“, sagt Bansal. „Bis zu einem gewissen Grad wussten wir also, worauf wir uns mit Belize einlassen.“ Etwas kommerziell aufzuziehen klinge immer so furchtbar, meint Duetsch. „Aber Belize soll eben auch tragbar sein.“

          Die ersten Stücke entstanden zunächst als eine Art modisches Vexierspiel; Blusen als Kreuzungen aus Herrenhemd, Urlaubssouvenirs im Ethno-Stil und nostalgischen Fundstücken aus Großmutters alter Truhe – Brüche, von denen die Mode lebt. Über eine Freundin bekamen sie spontan die Möglichkeit, ihre Handvoll Kleider während der Pariser Modewoche in einem Showroom „einfach mal mit an die Stange zu hängen. Die erste Resonanz war gut und wichtig“, sagt Bansal, und dass sie daraufhin mit der Arbeit an einer kompletten Kollektion begannen.

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