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Uhrenmesse Baselworld : Rolex baut nun Uhrwerke von Breitling ein

Herausgeputzt: Die Schaukästen von Breitling werden in einem Londoner Laden des Uhrenherstellers poliert. Bild: Bloomberg

Der Schweizer Hersteller von Pilotenuhren kooperiert mit Rolex. Das heizt die Übernahmegerüchte zusätzlich an.

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          Auf der Uhrenmesse „Baselworld“, die noch bis diesen Donnerstag läuft, buhlen die Hersteller mit gewaltigem Aufwand um Aufmerksamkeit. Bis zu 5 Millionen Franken lassen sich Rolex, Patek Philippe, Omega & Co. ihren alljährlichen Auftritt auf dem größten Branchentreffen der Welt kosten. Aus der Phalanx der glitzernden kleinen Paläste, in denen Journalisten und Einkäufern aus aller Welt die neuesten Chronometer präsentiert werden, ragt Breitling hervor. In der Mitte seines mehrstöckigen, schiffsartigen Pavillons hat der Schweizer Hersteller von Pilotenuhren ein riesiges Salzwasser-Bassin installiert, in dem 450 weiße Quallen umherschweben. Die Kostüme der Hostessen am Eingang sind genauso leuchtend blau wie das Wasser über ihren Köpfen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Breitling ist nicht irgendeine Uhrenmarke. 1884 von Léon Breitling im Berner Jura gegründet, zählt das Unternehmen zu den traditionsreichsten Manufakturen der Schweiz. Dabei spezialisierte sich Breitling früh auf die Entwicklung von Borduhren für Flugzeuge. Schon in den dreißiger und vierziger Jahren belieferte das Unternehmen die britische Royal Air Force und die amerikanische Luftwaffe. Mit Fliegerchronographen wie dem 1952 entwickelten „Navitimer“ konnten die Piloten unter anderem den Treibstoffverbrauch, den Steig- und Sinkflug und die Durchschnittsgeschwindigkeit berechnen. 1958 brachte Breitling die erste Taucheruhr („Superocean“) auf den Markt. Heute haben die Schweizer Uhren im Angebot, mit denen man theoretisch 3000 Meter tief tauchen könnte. „Praktisch spiegelt das die Robustheit unserer Uhren“, erläutert Jean-Paul Girardin im Gespräch mit dieser Zeitung in Basel. Girardin ist der Vize-Chef von Breitling.

          Das Unternehmen, das in Grenchen und La Chaux-de-Fonds 400 Mitarbeiter beschäftigt, steht unter der Leitung von Théodore Schneider. Er ist der sehr öffentlichkeitsscheue Sohn des vor zwei Jahren verstorbenen Unternehmers und Hobby-Piloten Ernest Schneider, der die Firma 1979 von der Familie Breitling übernommen hatte. Damals drohte der Aufschwung der Quarzuhren dem Unternehmen den Garaus zu machen. Doch Schneider glaubte an die Zukunft der mechanischen Uhren. Inzwischen jedoch wird in der Branche gemunkelt, dass die Familie das Unternehmen verkaufen will. Angeblich wurde eine Investmentbank beauftragt, nach möglichen Interessenten Ausschau zu halten. Darauf angesprochen, weicht Girardin aus: „Ich arbeite seit 25 Jahren für Breitling. In dieser Zeit gab es immer wieder Übernahmegerüchte. Aber wir kommentieren das nie.“ Breitling gehört zu den wenigen namhaften Schweizer Uhrenherstellern, die als Familienbetriebe bis heute ihre Unabhängigkeit bewahrt haben. Die Swatch-Gruppe führt unter ihrem Dach Marken wie Tissot, Hamilton, Longines, Rado, Omega, Breguet und Blancpain. Zum Genfer Luxusgüterkonzern Richemont gehören unter anderem Montblanc, IWC, Cartier, Jaeger-LeCoultre und Piaget. Die französische LVMH-Gruppe besitzt Tag Heuer, Hublot, Bulgari und Zenith. Nach Einschätzung von René Weber, Branchenanalyst der Bank Vontobel, könnten diese drei Konzerne auch an einer Übernahme von Breitling interessiert sein. „Breitling ist eine starke Marke, die mit dem Fokus auf sportliche Pilotenuhren eine gute Nische gefunden hat.“ Weber veranschlagt den Umsatz von Breitling, das 140 000 bis 150 000 Uhren im Jahr produziert, auf rund 370 Millionen Franken. Obwohl über die Ertragslage nichts bekannt ist, schätzen Analysten den Kaufpreis für das Unternehmen auf 600 bis 900 Millionen Franken.

          In einem größeren Verbund zu landen hätte durchaus Vorteile

          Je mehr Uhrwerke und Komponenten ein Hersteller in verschiedenen Uhren einsetzen kann, umso kostengünstiger ist die Produktion. Technische Neuerungen für Luxusuhren im Wert von Oberklasselimousinen können schrittweise in preisgünstigere Modelle von Schwestermarken eingepflanzt werden. Weil den kleinen Produzenten diese Vorteile fehlen, sind sie von einer Branchenflaute wie 2016, als die Schweizer Uhrenexporte um 10 Prozent fielen, tendenziell stärker betroffen als die großen Anbieter.

          Breitling reagiert auf dieses Dilemma und probt nun den Schulterschluss mit Rolex. Dieser größte unabhängige Uhrenhersteller der Schweiz, dessen Umsatz auf rund 5 Milliarden Franken geschätzt wird, nutzt für seine Zweitmarke Tudor künftig Chronografen-Uhrwerke von Breitling. Umgekehrt setzt Breitling bei manchen Modellen ein Dreizeiger-Uhrwerk von Tudor ein. Obwohl diese Kooperation nicht mit einer Kapitalverflechtung einhergeht, dürfte sie die Übernahmegerüchte nochmals zusätzlich anheizen.

          Nach Aussage Girardins hat Breitling im vergangenen Jahr besser abgeschnitten als die Schweizer Uhrenindustrie insgesamt: „Wir haben ein, wenn auch sehr kleines, Wachstum erzielt.“ Ironischerweise profitierte das Unternehmen von einer Schwäche: der geringen Präsenz in China und Hongkong. Daher litt Breitling kaum unter der Kaufzurückhaltung der Chinesen, die so viele Konkurrenten schwer getroffen hat. „Unsere wichtigsten Absatzmärkte sind Amerika, Deutschland und Großbritannien“, sagt Girardin, der auch für das laufende Jahr ein kleines Wachstum erwartet. Erfolg verspricht er sich vor allem von der neuen „Navitimer Rattrapante“. Mehr als 10.000 Franken sind für diesen Chronographen zu berappen, der über einen zusätzlichen Zeiger (Schleppzeiger) zum Stoppen von Zwischenzeiten verfügt.

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