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Schweizer Uhrenmesse : Gegen den harten Takt der Zeit

Kampf gegen die Korruption: Seit teure Uhren als Bestechungsgeschenke nicht mehr opportun sind, sind die Umsätze in China um 30 Prozent zurückgegangen. Bild: AFP

Die Apple Watch wirft die Schweizer Uhrenhersteller nicht aus der Bahn. Viel größere Sorgen bereitet ihnen das veränderte Kaufverhalten der Chinesen. Plötzlich ist weniger mehr. Davon profitiert so mancher deutsche Hersteller.

          5 Min.

          Ein Pulk chinesischer Fotografen veranstaltet ein Blitzlichtgewitter, als gäbe es kein Morgen. Im Fokus haben sie ein Prominentenpaar aus ihrer Heimat. Elegant in Weiß gekleidet, flaniert es langsam an den Schaufenstern entlang. Die beiden bestaunen die sündhaft teuren Objekte der Begierde, die hinter den Scheiben im grellen Licht funkeln wie Diamanten in der Sonne. Nur sind es keine Edelsteine, sondern Uhren. Schweizer Uhren.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Wir sind auf der Baselword, der größten Uhrenmesse der Welt, die dieser Tage in Basel ihre Tore geöffnet hat. Auf den ersten Blick ist alles so wie immer. Wie im Jahr zuvor haben 1500 Anbieter Stellung bezogen. Sie buhlen (noch bis zum 24. März) um die Aufmerksamkeit von 150.000 Besuchern und 4000 akkreditierten Journalisten, darunter sehr viele aus China und Hongkong. Dabei ist die Inszenierung der großen Edelmarken unübertroffen: Ob Rolex, Breitling, Breguet, Patek Philippe, Omega, Cartier, Hublot oder Chopard – die Stände gleichen kleinen architektonischen Kunstwerken, verkleidet mit Edelhölzern, Wassergardinen, Milchglas, Kupfer oder Schiefer.

          Exporte sanken um 8 Prozent

          Innen wandelt der Besucher auf tiefen Teppichen und lässt sich, in ein bequemes Fauteuil versunken, die neuen Chronographen zeigen. Für die größten dieser kleinen Paläste dürften sich allein die jeweiligen Standmieten einschließlich der Betriebskosten während der Messe leicht auf einen Millionenbetrag summieren. Aber wer vier-, fünf- und sechsstellige Beträge für einen einzigen Zeitmesser verlangt, darf sich natürlich nicht lumpen lassen. Ein Luxusanbieter kann nicht Sparbrötchen backen, jedenfalls nicht öffentlich.

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          Hinter den Kulissen sieht es zuweilen schon anders aus. So manche Sause am Rande der großen Uhren-Show fällt bescheidener aus als früher, berichten alte Messehasen. Das passt ins Bild einer erfolgsverwöhnten Branche, in der es jahrelang nur bergauf ging und die sich nun verdutzt die Augen reibt, weil die Vorzeichen plötzlich auf Minus stehen. Das gilt insbesondere für die Schweizer Hersteller, die gemessen am Wert der verkauften Uhren die Nummer eins in der Welt sind. Von 2009 bis 2015 sind die Schweizer Uhrenexporte zwar um 63 Prozent auf 21,5 Milliarden Franken gestiegen. Doch im vergangenen Jahr gingen sie um 3,3 Prozent zurück. Und auch 2016 hat schlecht begonnen: Im Januar sanken die Exporte um 8 Prozent. Wer ist daran schuld? Die kurze Antwort lautet: die Chinesen.

          Hongkong kein Schweizer Bollwerk mehr

          Die wachsende Schar der Neureichen aus dem Reich der Mitte war lange der Hauptmotor für den Absatzerfolg der Uhrenmanufakturen. Die vielen markenversessenen Chinesen machten jede Preiserhöhung mit – zum Wohl der Margen der Hersteller. Doch dann drehte der Wind gleich aus mehreren Gründen. Erst kam die Antikorruptionskampagne von Chinas Staatspräsident Xi Jinping. Diese dürfte, so schätzt man in der Branche, die Verkäufe an Chinesen um rund 30 Prozent gedrückt haben, weil teure Uhren als Bestechungsgeschenke nicht mehr opportun sind. Dann bremste das Wirtschaftswachstum in China überraschend stark ab. Und schließlich sorgte die Schweizerische Nationalbank mit der Aufgabe des Mindestkurses für eine kräftige Aufwertung des Frankens. Dieser Cocktail stößt den Schweizer Uhrenproduzenten ziemlich sauer auf.

          In Hongkong, dem mit Abstand wichtigsten Einzelmarkt für die Eidgenossen, gingen die Schweizer Uhrenverkäufe im vergangenen Jahr um 23 Prozent zurück. Dies wurde zum Teil dadurch aufgefangen, dass die Festlandchinesen ihr Reiseverhalten änderten. Statt in der früheren Kronkolonie kauften sie in Japan, Korea, Italien, Frankreich oder eben der Schweiz ein. Mit Besorgnis nehmen die Uhrenhersteller allerdings zur Kenntnis, dass inzwischen spürbar weniger Chinesen nach Europa fliegen. Deren Reiselust wurde vor allem durch die Terroranschläge in Paris getrübt. Die französische Hauptstadt bildet oft den Ausgangspunkt für Rundreisen, welche die Chinesen meist auch in die nahe gelegene Schweiz führen. Fällt Paris als Ziel flach, gehen auch Luzern, Genf und Zürich leer aus. Auch die neue Vorschrift, nach der Chinesen einen biometrischen Reisepass vorlegen müssen, bremst den Touristenstrom.

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