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Lichtkonzept : Lampen bitte anschnallen!

Der Designer Stefan Diez lässt das Frankfurter Schirn-Café „Badias Kitchen“ in neuem Licht erstrahlen. Bild: Diez

Das Restaurant „Badias Kitchen“ in der Schirn Kunsthalle stellt den Designer Stefan Diez vor eine besondere Herausforderung. Der Münchner stattet das gläserne Rondell mit einem neuen Lichtkonzept aus.

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          Wie leuchtet man einen runden Raum aus, der statt Wänden nur Fenster zu haben scheint und dessen Decken bis zu 15 Meter hoch sind? Keine leichte Aufgabe, wie der Designer Stefan Diez und sein Team feststellen mussten. Bisher hingen Lichterketten von oben herab und bildeten einen großen Kreis über den Köpfen der Gäste in dem Frankfurter Restaurant, das es nun neu zu bespielen galt. Die vielen Birnen spendeten zwar zuvor schon Licht, aber das streute einfach in den Raum hinein, ließ Ecken und ganze Bereiche am Boden eher im Dunkeln. Das sollte sich im Oktober anlässlich der ausnahmsweise in diesem Herbst als Sonderausgabe stattfindenden internationalen Lichtmesse „Light + Building“ im Café der Schirn ändern.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das Restaurant „Badias Kitchen“, Teil der Schirn Kunsthalle in der Frankfurter Altstadt, wird schon seit 2015 von Badia Ouahi geführt. Sie hat eine erstaunliche Karriere vorzuweisen: In Höchst als Tochter von Gastarbeitern geboren, wuchs sie in den Achtzigerjahren bei ihren Großeltern in Marokko auf. Mit 15 Jahren kam sie zurück, absolvierte nach ihrem Realschulabschluss eine Ausbildung zur Bürokauffrau, studierte danach an der Fachhochschule Pädagogik. Nebenher kochte sie, eröffnete ein erstes Restaurant und übernahm als Mutter von drei Kindern vor sieben Jahren das Schirn-Café, das sie damals auch neu einrichten ließ. Mit der Beleuchtung aber war sie nie ganz zufrieden, so dass sie sich nun auf das Wagnis einließ, das gläserne Rondell mit Leuchten und Leuchtsystemen ausstatten zu lassen, die Stefan Diez entworfen hat.

          Diez verwendet hier sein Beleuchtungssystem Plusminus (Vibia), ein leitfähiges Textilband, an dem sich Lampen einfach anbringen lassen.
          Diez verwendet hier sein Beleuchtungssystem Plusminus (Vibia), ein leitfähiges Textilband, an dem sich Lampen einfach anbringen lassen. : Bild: Ingmar Kurth

          In der DDR enteignet

          Dafür haben der Münchner Designer und sein für das Projekt maßgeblich verantwortlicher Mitarbeiter Arthur Desmet auf gleich zwei Entwürfe des Diez Office zurückgreifen können: die Leuchte Ayno, für das Hamburger Unternehmen Midgard gestaltet, und das Beleuchtungssystem Plusminus, das in Zusammenarbeit mit der spanischen Leuchtenmarke Vibia entstanden ist. Plusminus basiert auf einem Textilband, in das die Elektrizität in Form von Kupferdrähten eingewoben ist. Daran lassen sich verschiedene Leuchten einfach wie mit einer Gürtelschnalle anbringen. Dem System sind kaum Grenzen gesetzt, die Bänder lassen sich beliebig durch Räume spannen und können auch von hohen Decken herabhängen. Der Strom fließt, ohne dass er durch das Band dringt, wenn man es anfasst.

          Im „Badias“ setzen Diez und Desmet kegelförmige Lampenschirme ein, die in fünf Ebenen Licht spenden. An Plusminus angehängt ist zudem – ebenfalls über die Click-and-Connect-Funktion – die Ayno, auch in ihrer neuen Version als Wandleuchte. Der filigrane Entwurf, der aus einem biegsamen dünnen Fiberglasstab besteht, an dessen Ende ein Schirm befestigt ist, lässt sich durch zwei stufenlos verschiebbare Ringe neigen, das Licht auf diesem Wege lenken. Der Schirm aus ABS-PC, einer Mischung aus den recycelten Polymeren Acrylnitril-Butadien-Styrol und Polycarbonat, ist ebenfalls in fast alle Richtungen beweglich.

          Auf den Tischen des Restaurants steht eine kleine Ayno, für eine eher intime Beleuchtung. Sie ist schon länger im Programm der von David Einsiedler und seiner Frau Joke Rasch 2015 wiederbelebten Leuchtenmanufaktur Midgard, die schon 1919 von dem Ingenieur Curt Fischer im thüringischen Auma gegründet worden war. Fischer hatte damals die erste lenkbare elektrische Leuchte entwickelt und zum Patent angemeldet. Darauf fußte auch der Erfolg seines Unternehmens, das allerdings, inzwischen von seinem Sohn Wolfgang geleitet, 1972 in der DDR enteignet wurde.

          Mit Plusminus bietet das 1987 in Barcelona gegründete Unternehmen Vibia ein Lichtkonzept mit vielen Möglichkeiten. Das leitfähige Textilband, das es in verschiedenen Farben gibt, lässt sich beliebig zuschneiden. Stefan Diez hat ein ganzes Repertoire an Leuchten und Schirmen entworfen. Mit Kugeln, Kegeln, Spots oder Schienen soll sich jeder Raum bespielen lassen, egal, wie privat oder öffentlich, wie klein oder groß er ist. Diez spricht von der „Idee des Baukastens“, die er auch im neu ausgeleuchteten „Badias“ sichtbar machen wollte. Neben der Raumbeleuchtung war ihm auch die Fernwirkung seines Leuchtsystems wichtig: Den Glaskörper des Cafés, der in der bis 2017 wiederaufgebauten und inzwischen zum Touristenmagneten gewordenen Altstadt steht, wollten er und sein Team schon von weitem sichtbar werden lassen.

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