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Badehosen-Stilkritik : Am besten wie James Bond

  • -Aktualisiert am

Bild: Dieter Rüchel

Die Frage ist heute nicht mehr, was der Mann zum Baden trägt, sondern eher: Was ist verbotener? Die knappe Dreieckshose oder die lange Shorts? Eine Stilkunde für den Strand.

          Jedes Jahr dasselbe Dilemma, wenn die Temperaturen steigen. Dieselben Fragen, wenn der erste Ausflug an den Urlaubsstrand ansteht. Hauteng oder weit geschnitten? Einfarbig oder bunt gemustert? Mit oder ohne Gummizug? Wie soll sie nun sein, die Badehose: So wie die Männer an den Stränden von Ipanema und Copacabana sie tragen - als breite Stoffgürtel über der Lende? Oder wie die Jungs aus Tel Aviv am Gordon Beach sie mögen - dunkelblaue Turnhosen-Shorts, in denen sie so ehrgeizig Beachtennis spielen, als ginge es um ihr Leben? Oder doch lieber knielang und floral wie die Surfer in Malibu?

          Drei Stile, drei Männertypen, drei Gewohnheitstiere. „Wer in der Unterwäsche einen Slip trägt, greift auch bei der Badehose zu so einer Form“, so lautet die Faustregel von Harald Schultz, 43 Jahre alt, Einkäufer in Deutschlands größtem Kaufhaus, dem KaDeWe in Berlin. „Und wer die Boxershorts unter der Jeans befürwortet, greift zu Badeshorts.“ Schultz verantwortet seit neun Jahren die Unterwäsche und Bademode im KaDeWe, eine Trennung lohnt sich für die meisten Kaufhäuser noch nicht. Der Berliner Experte sagt: „Früher gab es die Saison zwischen April und September, danach wurde keine Badehose mehr verkauft. Inzwischen ist das eine ganzjährige Angelegenheit. Und die Männer sind bereit, mehr Geld für ihre Badehosen auszugeben.“

          Die Speedos sind geliebt wie geächtet

          Der richtige Schnitt ist nicht nur eine Frage der Saison, sondern auch der gesellschaftlichen Befindlichkeiten. Da es sich um eine delikate Zone des Körpers handelt, in deren Betrachtung Eros und Fitness eine Rolle spielen, spiegelt die dadurch ausgelöste Hysterie oder Provokation oft sexuelle Debatten wider. Gut zu sehen auf jenem Bild aus dem Jahr 1980, das im Frühjahr für die Berliner Ausstellung „World Without Men“ im Museum für Fotografie warb. Auf dem Plakat sonnt sich eine Frau, umgeben von jungen Männern in knallroten und freizügigen Badehosen. Diese Hosen haben die typische Dreiecksform der Zeit, sie verhüllen den Körper dezent, aber verstecken längst nicht alles - und gehörten damals zur Normalität in Saint-Tropez, Rimini und Westerland.

          Es waren die Zeiten des Hedonismus, als so eine Hose kein Gezeter mehr erregte, wie noch zwanzig Jahre zuvor, im Jahr 1961, als der junge Peter Travis als erster Mann eine Speedo-Badehose in Slipform anzog. Travis war Designer bei der gleichnamigen Sportartikelfirma aus Sydney und probierte seine neue Kreation am Bondi Beach aus. Der leidenschaftliche Schwimmer hatte den Bund tiefer gelegt, nicht an der Taille wie toleriert, sondern auf die Hüfte. Damit fühlte er sich beim Schwimmen befreiter und schneller. Die übrigen Badegäste riefen den Strandaufseher, dieser nahm Travis mitsamt seinem Stück Stoff in Gewahrsam und sah angeblich nur von einer Klage ab, weil keine Schamhaare zu sehen waren.

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