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Lampen von Curt Fischer : Lichtet euch

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In der Zeit der Aufrüstung von der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre an widmeten sich auch große Hersteller wie AEG und Siemens verstärkt dem lenkbaren Licht. Eine eigene Entwicklungslinie bilden dabei die Federzugleuchten, ausgehend vom Entwurf des englischen Automobilingenieurs George Carwardine, der 1934 die flexibel einsetzbare Arbeitsleuchte Anglepoise auf den Markt brachte, zusammen mit dem Federn-Produzenten Terry & Sons.

Kölner Ausstellung

Als Curt Fischer 1956 in Auma starb, schrieb die westdeutsche Zeitschrift „Lichttechnik“ in einem Nachruf: Formal und konstruktiv gehörten seine Entwürfe zu „den besten Leistungen ihrer Art und ihrer Zeit“. Mehr als 160 Schutzrechte hat Fischer im Laufe seines Lebens erworben. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Wolfgang nicht ganz freiwillig die Leitung des Industriewerks Auma. 1963 beteiligte sich der Staat am Unternehmen, das 1972 vom DDR-Regime vollständig enteignet wurde. Wolfgang Fischer blieb dennoch Betriebsleiter. Das Erfolgs- und Exportmodell jener Jahre war eine Federzugleuchte, die im Westen hauptsächlich von Ikea vertrieben wurde und die fast jedes Kind an seinem Schreibtisch hatte.

Wolfgang Fischer verlängerte in all den Jahren die wichtigsten Patente und Markenrechte auf eigene Rechnung. Nach der Wende 1990 bekam er das Unternehmen auch zurück, doch es gelang ihm nicht, an frühere Erfolge anzuknüpfen. 2015 startete Midgard Licht in Hamburg neu, die Unternehmer David Einsiedler und Joke Rasch pflegen das Erbe und entwickeln neue Produkte. Unter anderem leben Maschinen- und Federzugleuchten nach Entwürfen Curt Fischers wieder auf.

Nun bringt eine Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) das Universum des gelenkten Lichts zusammen, unterstützt von Midgard Licht und in einer Ausstellungsarchitektur mit Stahlrohrelementen von Thonet – von frühen historischen Beispielen bis zu jüngsten Modellen von Nimbus und Erco, die als Leihgabe vertreten sind. Während die Nimbus Roxxane ihr LED-Licht aus einer Platte mit kegelförmigen Öffnungen verteilt und an tradierte Bauformen anknüpft, lenkt die stabförmige, drehbare Lucy von Erco das Licht der Dioden durch Linsen über den Arbeitstisch. Trotz immer wieder neuer Lichttechniken ist die Gelenkleuchte höchst lebendig – in historischen wie aktuellen Ausprägungen. So ist die Neuauflage des Midgard-Modells Nr. 113 schon in Vorbereitung.

Thomas Edelmann ist Journalist und schreibt über Design und Architektur. Für die Ausstellung „Hundert Jahre lenkbares Licht – Ursprung und Aktualität beweglicher Beleuchtung“ im MAKK in Köln (14. Januar bis 24. Februar 2019) hat er den Katalog verfasst.

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