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Ausstellung von Axel Scheffler : Grüße aus London

Grüße von der Königin: Hier hat Scheffler die Briefmarke in sein Kunstwerk mit eingebaut. Bild: Axel Scheffler

Der Illustrator Axel Scheffler versieht seine Briefe oft mit wunderbaren Zeichnungen. Glücklich, wer sich zu den Adressaten zählen kann. Nun werden die Umschläge in Frankfurt und Leipzig ausgestellt.

          5 Min.

          Wer Post von Axel Scheffler bekommt, steht bisweilen vor einer Herausforderung. Und das noch bevor er sich dem Inhalt zuwenden kann. Denn einen vom Absender derart verzierten Umschlag wird man anders öffnen als gewöhnliche Briefe. Man wird jedenfalls nicht die Finger wie sonst irgendwo zwischen Lasche und Umschlag vergraben und beherzt aufreißen – die Gefahr, das Bild auf der Vorderseite zu beschädigen, ist mit dieser Methode groß. Wer einigermaßen geschickt ist, greift vielleicht zum Brieföffner, aber mit etwas Pech kann auf diese Weise eine gefaltete Beigabe zum Brief, zum Beispiel ein Zeitungsausschnitt, in der Mitte durchgeschnitten werden.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Was bleibt da noch? Die Lasche vorsichtig an der Klebestelle lösen? Aber auch sie kann leicht einreißen und so die Absender-Adresse beschädigen. Inzwischen habe ich nach einigem Probieren einen doch recht zerstörungsarmen Weg gefunden, der zumindest bei Umschlägen wirkt, die nicht ganz bis an den linken oder rechten Rand ausgemalt sind: Durch vorsichtiges Schütteln wird der Inhalt ganz auf die eine Schmalseite bewegt; auf der anderen Seite schneide ich mit der Schere einen äußerst dünnen Streifen ab. Der Umschlag ist offen, der Brief kann gelesen werden. Aber was sind das für Umschläge?

          Die beiden Ausstellungen, die diesem besonderen Bereich von Axel Schefflers künstlerischem Werk in Leipzig und Frankfurt gewidmet sind, zeigen eine große Variationsfreude: Manche Umschläge sind vollständig bemalt, manche mit freigestellten Figuren, in wenigen gedeckten Farben oder leuchtend bunt. Die Szenerien wechseln die Hemisphären und die Epochen, und einzelnen Adressaten sind bestimmte Motivgruppen zugedacht: Eine Korrespondentin empfängt Skelett um Skelett, oft die Motive der jeweiligen Briefmarken in dieser Weise variierend, eine andere Schnabeltiere in wiederholungsfreier Fülle, die als Boten der „Platipost“ (nach dem englischen Wort „Platypus“ für das Schnabeltier) fungieren und auch schon mal hemmungslos das „Platipostgeheimnis“ missachten, indem sie fröhlich eine Zustellertasche durchwühlen. Ein eigener Stempel „Platipost“ ziert diese Briefe, und weil sich das aus sehr frühen Jahren der Korrespondenz bis in die Gegenwart hinzieht, trägt auf einem der letzten Umschläge ein großes, mattes Schnabeltier eine naturgemäß recht gedehnte, medizinische Maske im Gesicht.

          Die Regeln einer gepflegten Korrespondenz

          Das Schnabeltier ist nicht das einzige Umschlagmotiv, das auf Corona reagiert, auch andere – vom agilen Osterhasen über ein tanzendes Menschenpaar bis zum matt hingesunkenen Eichhörnchen – verhüllen in Corona-Furcht ihr Gesicht. Im Dezember 2020 trägt auch der Weihnachtsmann eine Maske. Was sie unverdeckt lässt, deutet auf ein recht zorniges Wesen hin, dessen ganzer Körper angespannt wirkt und dessen Augen selbst für die Handschrift dieses Künstlers ungewöhnlich hervorstechen, als könnte der auf dem Briefumschlag Gemalte nicht verstehen, was sich da gerade um ihn herum an Unvermögen und Hilflosigkeit im Umgang mit der Pandemie offenbart, und vor allem: als könne er es nicht gutheißen. Denn so wie die Umschläge auf die Adressaten abgestimmt sind, auf das Bild, das sich der Künstler von seinem Korrespondenten und dessen Vorlieben und Interessen macht, so reagieren sie auch auf die Welt, in der sich der Briefwechsel abspielt. Und kommentieren etwa die Zeit der Brexit-Entscheidung und die folgenden Monate mit Bildern der Trauer und auch der Wut.

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