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Mode-Ikone Michelle Elie liebt, sammelt und lebt die Entwürfe der japanischen Designerin Rei Kawakubo des Labels Comme des Garçons leidenschaftlich. Bild: fashionarysteet.com

Extrem modisch : Michelle Elie trägt Comme des Garçons

  • -Aktualisiert am

Michelle Elie ist nicht nur eine leidenschaftliche Sammlerin von Designerstücken. Sie zeigt, wie sich Haute Couture auch auf der Straße tragen lässt. Das Frankfurter Museum für Angewandte Kunst hat ihr nun eine Ausstellung gewidmet.

          5 Min.

          Michelle Elie sammelt Mode. Bevorzugt Couture-Kreationen des 1969 von der Designerin Rei Kawakubo gegründeten Labels Comme des Garçons (zu deutsch etwa: wie Jungs). Während viele die luxuriösen, avantgardistischen Stücke irgendwo zwischen Wertanlage und Kunst verordnen, trägt Elie ihre Errungenschaften auf der Straße. Das hat sie längst zum Magneten für Streetstylefotografen und Modefans gemacht. Vielmehr aber noch lenkt es den Blick auf die gesellschaftliche Wahrnehmung von Körperlichkeit. Was macht ein Kleidungsstück mit uns, wenn wir es tragen? Wie drücken wir uns dadurch aus? Und wie treten wir durch Kleidung mit unserer Umgebung in Interaktion? Das Museum Angewandte Kunst hat Michelle Elie unter diesen Gesichtspunkten eine Ausstellung gewidmet. „Life doesn’t frighten me. Michelle Elie wears Comme des Garçons“ zeigt rund 50 Stücke aus ihrer Sammlung. Zwei Dokumentationen sowie zahlreiche Fotoaufnahmen und die von Elie eingesprochenen Geschichten gewähren persönliche Einblicke in den Alltag einer Frau, die Couture wie eine zweite Haut trägt und damit das gängige Verständnis von Mode radikal infrage stellt.

          Keine klassische Werkschau

          Den Impuls zur Ausstellung gab Paula Macedo Weiß. Die Vorsitzende der Stiftung des Museums Angewandte Kunst, kennt Michelle Elie und weiß um ihre Leidenschaft für Mode. Mit der Frankfurter Kuratorin Mahret Ifeoma Kupka hätte es keine bessere Besetzung für die Ausstellungskonzeption geben können. Sie befasst sich seit 2013 mit den Themen Mode, Körper und Performatives am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt. Zuletzt kuratierte sie die Ausstellung „Contemporary Muslim Fashion“. Nach einem Treffen zwischen  Kupka und Elie stand schnell fest, diese Ausstellung muss stattfinden – mit der Sammlerin als Dreh- und Angelpunkt. „Es war uns sehr wichtig, Michelle Elies Sammelleidenschaft, ihre Lust und Freunde herauszuarbeiten, aber auch den Aspekt der Aneignung. Wie macht Michelle Elie sich die Stücke zu eigen, wie tritt sie in Interaktion? Diese Fragen standen für uns im Fokus“, umreißt Mahret Ifeoma Kupka das Konzept. Entsprechend eng war die Zusammenarbeit zwischen Kuration, Sammlerin und dem Ausstellungsdesign, das Jasmin Kress maßgeblich verantwortete.

          Wie aber geht man vor, um aus einer großen Sammlung, wie der Elies, die passenden Exponate auszuwählen? Wie viel Dialog braucht es, wie viel Überredungskunst? Am Ende sei der Auswahlprozess leichter gewesen als erwartet, resümiert Kupka. „Einerseits wollten wir ikonische Stücke zeigen, die klar Kawakubos Handschrift tragen und direkt als typisch Comme des Garçons erkennbar sind. Andererseits war insbesondere die persönliche Geschichte dahinter entscheidend. Deshalb haben wir vereinzelt auch Elemente anderer Designer integriert, um Looks zu stylen, die Michelle tatsächlich so trägt.“ Längst eignen sich auch nicht alle Entwürfe für die Präsentation an der Puppe. Mal ist es der Schnitt, der durch den statischen, unbeweglichen Körper nicht zur Geltung kommt, mal ist es das Material, dass schlichtweg zu sensibel ist. Comme des Garçons will gewissermaßen in Bewegung sein, mit dem Körper interagieren.

          Michelle Elie macht das zum idealen Counterpart. Stillstand scheint die Wahlkölnerin so gut wie nicht zu kennen. In den zwei Dokumentationen, die Gianluca Matarrese, der Elie seit 2012 regelmäßig zur Fashion Week Paris begleitet, für das Museum Angewandte Kunst zusammenstellte, ist es manchmal fast mühsam, mit der Protagonistin Schritt zu halten. Michelle Elie sprüht vor Offenheit und Lebensfreude. Sie ist ein Feuerwerk. Und vor allem scheut sie sich nicht mit Fotografen, Passanten und Neugierigen zu interagieren. Selbst ausladende Comme des Garçons-Kreationen scheinen dabei kein Hindernis.

          Die Ausstellung im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst ist ein Zeugnis der Lebensfreude von Michelle Elie

          Eine extreme Körpererfahrung

          Wo andere Grenzen sehen, entdeckt die gebürtige Haitianerin Chancen. Als Jugendliche wandert sie mit ihrer Familie nach New York aus. Dort studiert sie später an der New York University und arbeitet mehrere Jahre als Model, obwohl sie nicht den damaligen Modelstandards entsprach. Ständig damit konfrontiert, dass sie zu klein und ihre Hüften zu breit seien, wird der eigene Körper zum Makel, zum Symbol des Scheiterns. Als Elie 1997 Comme des Garçons entdeckt und kurz darauf ihr erstes Kleid erwirbt, ist das wie eine Offenbarung für sie.

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