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Augenbrauen-Trends : Jetzt kommt die Fischflosse

Wichtiger Bestandteil das Ausdrucks: Augenbrauen gelten als Rahmen des Gesichts. Bild: Getty

Marilyn Monroe setzte auf den hohen Bogen, Kate Moss trug ihre ultraschmal, Cara Delevingne lässt sie dick und natürlich: Augenbrauen sind ein Statement. Der Hype nimmt kein Ende.

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          Den Hinweis ihrer Großmutter hat sie beherzigt. Man sah es, als Natalia Vodianova neben Philipp Lahm über den Fußballrasen im Moskauer Stadion lief. Dabei hatte das Model einen Louis-Vuitton-Koffer mit dem WM-Pokal. Der Tipp ihrer Großmutter damals, als die Enkelin dreizehn Jahre alt war, ist buchstäblich Gold wert gewesen. Natalia Vodianova ist noch immer eines der höchstbezahlten Models der Welt, geschätztes Vermögen: 145 Millionen Dollar. Diesen Erfolg schuldet Natalia Vodianova natürlich ihrem atemberaubenden Aussehen, das sie als Apfelverkäuferin auf einem russischen Markt dorthin gebracht hat, wo sie jetzt steht. Im Speziellen aber sind es ihre markanten Augenbrauen. Mit dreizehn war sie gerade dabei, sie zu zupfen, wie das dreizehn Jahre alte Mädchen in den neunziger Jahren eben so machten. Der Hinweis ihrer Oma: Zupfe sie nicht. Sie würde es für den Rest ihres Lebens bereuen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dieser gute Rat kann einem auch einfallen, wenn man sich dieser Tage auf der Plattform Instagram umsieht. Augenbrauen stehen dort hoch im Kurs. Konkret geht es gerade um die fishtail brow. Eine Braue, die aussieht wie die Schwanzflosse eines Fisches. Muss man mögen. So wie etwa die feather brow, die dort ebenfalls lange Zeit recht beliebt war, eine Braue, durchbrochen wie eine Feder. Man findet McDonald’s-Brauen, wobei die Augenbrauen dann den Blick des Betrachters mit zwei goldenen Bögen einfangen, Nike-Brauen, zweimal Swoosh über den Augen, Blitz-Brauen, High-Heel-Brauen, Tannenbaum-Brauen. Es braucht für diese Brauen-Kunst nicht nur eine Pinzette, sondern auch reichlich Camouflage-Make-up und ein Händchen für Photoshop. Die Brauen sind vor allem eine Sache des Stylings für die Bilder. Wer sie jetzt tatsächlich zu einer Fischflosse zupft, der wird es – Großmutter Vodianova würde das garantiert genauso sehen – für den Rest seines Lebens bereuen.

          Die Kosmetikindustrie frohlockt

          Und trotzdem, wenn es sich bei den Augenbrauen um den Rahmen des Gesichts handelt, dann sind sie somit auch ein wichtiges Mittel der Selbstdarstellung. Waren sie natürlich schon immer, auch bevor es Instagram gab. Jede Zeit hat ihre Braue. Jetzt, da sich der (meistens junge) Mensch zunehmend über den Auftritt in den sozialen Medien definiert, mögen es Nike-Logos, Federn, Fischflossen sein. In den zwanziger Jahren waren es Brauen, so dünn wie ein Strich. In den Dreißigern kam dann ein hoher Bogen dazu, den Frauen wie Billie Holiday noch mal mit schwarzem Liner betonten. Marlene Dietrich blieb auch in den Vierzigern dabei, wobei der Look von Joan Crawford besser für dieses Jahrzehnt steht: dickere Brauen. In den Fünfzigern kam der hohe Bogen zurück, Marilyn Monroe machte es vor, und in den Sechzigern wurde es buschig. In den Siebzigern dann wieder schmaler, in den Achtzigern geradezu aufdringlich haarig, in den Neunzigern ultraschmal. Kate Moss und Drew Barrymore lassen grüßen. In den nuller Jahren blieb es in Sachen Augenbrauen vorerst so, wenn auch etwas natürlicher. Die Pinzette aber blieb eine Art Accessoire, Tweezerman legte sie in allen möglichen Farben auf.

          Modern: Sich neue Augenbrauen-Trends auszudenken ist auf der Plattform Instagram aktuell sehr beliebt.

          Bei diesem Hin und Her zwischen schmal und breit im Laufe der vergangenen hundert Jahre, bei dieser großen Inszenierung eines kleinen Streifens Haare, ist es umso verwunderlicher, dass die bedeutendsten Zeiten der Brauen im Grunde längst vorbei sind. Forscher der Universität von York beschäftigten sich vor einigen Monaten mit der Frage, warum der Homo erectus und später der Neandertaler mit so üppigen Oberaugenwülsten ausgestattet waren, diese dann aber nicht weitervererbt wurden. Es liege, so die These, daran, dass aus dem Menschen zunehmend ein soziales Wesen geworden sei. Wichtiger, als dass die Braue vor Fliegen oder Dreck im Auge schütze, sei es, Mimik zu zeigen. Die dicken Knochen mussten sich dafür zurückbilden. Angst, Schrecken, Furcht, Traurigkeit, Freude, all das erklärt sich schließlich auch über die Augenbrauen, wobei es dabei bis zur Fischschwanzflosse doch ziemlich weit ist.

          Näher liegt schon die power brow der vergangenen Jahre. Und bevor Cara Delevingne mit ihren ultrabuschigen Brauen eine ganze Generation junger Frauen überzeugte, nicht mehr zu zupfen, war da eben Natalia Vodianova. Die power brow prägt nicht nur den Look unserer Zeit – glücklicherweise mehr als die Brauenkunst bei Instagram –, sie beschert auch den Kosmetikunternehmen glänzende Umsätze. Es eröffnen „Brow Bars“, in denen man sich seine Augenbrauen pflegen und stylen lassen kann, es werden neue Produkte lanciert – Mascara-Bürsten für die Brauen zum Beispiel. Ein Produkt namens Wunderbrow ist bei Amazon der viertbestverkaufte Artikel in der Kategorie Beauty. Damit soll man auffüllen, was man sich ein paar Jahre zuvor weggezupft hat. Wie gesagt: Wer zu viel zupft, wird es bereuen. Es sei denn, er fängt schon während des Zupfens an zu sparen und unterzieht sich später, wenn der Wunsch nach Fülle wieder überwiegt, einer Augenbrauentransplantation.

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