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Aufsichtsrätin Emma Watson : Die Stars haben die Kontrolle

„Pionierin ethischer Mode“: Emma Watson 2016 bei der „Met Gala“ im recycelten Calvin-Klein-Kleid Bild: AFP

„Harry Potter“-Darstellerin Emma Watson ist vom Luxuskonzern Kering in den Aufsichtsrat berufen worden. Was qualifiziert die Schauspielerin dafür?

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          Schon immer hatte die Modeszene einen Hang zu Stars. Schließlich sind Prominente von Audrey Hepburn bis Lady Gaga die besten Werbeträger. In den letzten Jahren ist die Beziehung zwischen Marken und Celebritys sogar noch enger geworden. So bringt Rihanna in Zusammenarbeit mit LVMH, dem größten Luxusgüterkonzern der Welt, seit vergangenem Jahr ihre eigene Marke heraus: Fenty.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Da konnte auch der zweitgrößte Luxuskonzern nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das französische Unternehmen Kering, zu dem Marken wie Gucci, Bottega Veneta, Alexander McQueen und Yves Saint Laurent gehören, teilte am Dienstagabend mit, Emma Watson werde künftig dem Aufsichtsrat („Board of Directors“) angehören. Die Aktionäre stimmten dem Vorschlag auf der Hauptversammlung zu. Schon in ihrer Rolle als Hermine in den „Harry-Potter“-Verfilmungen spielte die britische Schauspielerin eine Streberin – aber diese Karriere hätte man ihr nun doch nicht zugetraut.

          Dabei ist Spott nicht angebracht. Watson, die ihr Hermine-Image durch viele handfeste Rollen zum Beispiel in Thrillern („The Circle“) abstreifte, ist längst nicht mehr nur Schauspielerin. Seit 2014 ist sie UN-Sonderbotschafterin für Frauen- und Mädchenrechte. Sie entwickelte die Kampagne HeForShe, die auch Männer für Frauenrechte gewinnen will. Ihrem feministischen Impuls entspringt auch der im Jahr 2016 gegründete Online-Lesezirkel Our Shared Shelf. Sie sei „eine der beliebtesten Schauspielerinnen und eine der berühmtesten Aktivistinnen der Welt“, teilt Kering mit. Watson selbst beglaubigt das immer wieder mit Anti-Trump-Protesten und zuletzt auch mit einem transfreundlichen Post, in dem sie indirekt „Harry-Potter“-Autorin J.K. Rowling Transphobie vorwirft.

          Watson ist eine wichtige Stimme in der Öffentlichkeit

          Für den Konzern von François-Henri Pinault, der im vergangenen Jahr 15,9 Milliarden Euro umsetzte, war außerdem entscheidend, dass Watson eine „Pionierin ethischer Mode“ sei. Sie unterstützt die Initiative „Good On You”, über die man sich überzeugen kann, wie nachhaltig Modelabels sind. Sie ruft zu verantwortlichem Konsum auf und verkörpert diesen Anspruch spätestens seit der „Met Gala“ 2016, bei der sie in einem Calvin-Klein-Kleid auftrat, das aus dem Plastik recycelter Flaschen hergestellt worden war. Mit all diesen Aktivitäten hat sie sich so viel Fachwissen angeeignet, dass sie nun im „Board of Directors“ auch das „Sustainability Committee” leiten soll.

          2019 traf die Schauspielerin den französischen Präsidenten Emmanuel Macron bei einem Gipfel zum Thema Frauenrechte.
          2019 traf die Schauspielerin den französischen Präsidenten Emmanuel Macron bei einem Gipfel zum Thema Frauenrechte. : Bild: Reuters

          Nicht zuletzt wird ihre öffentliche Erscheinung den Ausschlag für die Berufung in das Aufsichtsgremium gegeben haben. Pinault kann seit Jahren an seiner eigenen Frau beobachten, was Prominenz bewirkt: Sein recht gutes Image in der Öffentlichkeit leitet sich auch von Salma Hayek her. Emma Watson ist mit fast 30 Millionen Followern auf Twitter und mehr als 57 Millionen Fans auf Instagram eine wichtige Stimme in der Öffentlichkeit. Mögliche ethische Debatten, denen sich Modemarken in Social-Media-Zeiten immer öfter ausgesetzt sehen, könnte sie rechtzeitig erkennen – und womöglich in die richtigen Bahnen lenken.

          Sogar für Prominente bewirkt die Dreißigjährige mit ihrem neuen Engagement etwas. Wie Rihanna zeigt sie, dass man Stars heute nicht mehr einfach nur als Werbegesicht buchen kann, sondern dass man ihnen mehr Einfluss bieten muss. Auch dabei haben die sozialen Medien geholfen. Als Kuratoren ihrer Selbstdarstellung sind Prominente über ihre alten Rollen hinausgewachsen: Sie lassen sich nicht mehr von Modemarken anheuern – sondern beaufsichtigen sie.

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