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Alle Jahre wieder : Das Schottenkaro ist auch was für Engländer

„Karo? Für den Herbst? Revolutionär!“ – so ließe sich das bekannte Zitat von Meryl Streep aus „Der Teufel trägt Prada“ auch abwandeln. Bild: Jana Mai

Für so manch einen könnten die heißen Sommertage ruhig noch länger andauern. Aber wenn der Herbst kommt, wird es modisch wieder interessanter – besonders mit dem „Evergreen“ Schottenkaro.

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          Die Blätter mögen in diesem Jahr wegen der langen Trockenheit schon im Hochsommer gefallen sein – die Mode ist da rigoroser mit den Jahreszeiten. Im Herbst sieht sie Schottenkaros vor. Es ist nämlich ein Mythos, dass sich die Mode ständig verändert. Männer gehen heute zwar offensiver mit Farben um als noch vor fünf Jahren, bei Frauen blitzte zuletzt unter dem Crop-Top der Bauchnabel hervor, aber gewisse Instanzen, nicht zu verwechseln mit Trends, bleiben trotzdem. Im Frühjahr sind es in der Damenmode immer Blumenmotive. Da darf man noch einmal an den besten Spruch zum Thema Blumen in der Mode erinnern, den Meryl Streep als Teufel von einer Chefredakteurin im Jahr 2006 von sich gab: „Blumen? Für den Frühling? Revolutionär!"

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jetzt ist Herbst und somit Zeit fürs Schottenmuster, das alle Jahre wieder so zuverlässig auf Strick und Flanell auftaucht wie Blumen auf Baumwolle und Polyester im April. Der Pullover von Marc O'Polo (drittes Kleidungsstück von rechts) könnte so gesehen ein so pseudo-revolutionärer Einstieg in die kalte Jahreszeit sein wie Blumenmuster im Frühjahr.

          Karos zwischen den Fronten

          Wenn, tja, wenn in Sachen Schottenkaro nicht gerade viel mehr los wäre! Denn jetzt ist es wirklich anders. Wir leben schließlich in Zeiten, da das Zitieren kultureller Errungenschaften ein heißes Eisen ist und selbst die Stoffauswahl politisch korrekt verlaufen will. Dass auch die Schotten ihre Landestracht künftig stärker verteidigen könnten, ist gar nicht mal so abwegig – schließlich wollten sie nie den Brexit, haben künftig aber unter ihm zu leiden wie der Rest des Königreichs. Insofern könnte die Jacke von Paul Smith (ganz rechts in der Reihe zu sehen), für die ein Engländer verantwortlich ist, noch historisch wichtig werden.

          Schon einmal geriet die Schottentracht zwischen die Fronten. Nach der Schlacht von Culloden, als die Engländer die aufständischen Jakobiten, namentlich Bonnie Prince Charlie (im Karo-Mantel) und seine Armee aus den schottischen Highlands, besiegt hatten, ließen sie das Muster ein paar Jahrzehnte lang verbieten.

          Aber so ist das mit Verboten: Gerade dann wird es spannend. New Romantics und Punks zehrten noch mehr als 200 Jahre später vom Underground-Image, und Großbritannien begriff es irgendwann als großes Exportgut, als würden Schotten das Land regieren. In der Mode blieb es nicht beim klassischen Rot, wie es auf den Stiefeln von Michael Kors (zweite von rechts) und der Tasche von Versace (dritte von links) zu sehen ist. Der Mantel von Max Mara Weekend (Mitte, oben) zitiert ein Muster, das an den MacDonald-Clan erinnert, Gucci (zweite von links) und Camel Active (links) halten es da abstrakter. Diese beiden Marken zeigen: Vermutlich blüht das Karomuster auch deshalb alle Jahre wieder im Herbst auf, weil es sich in seinem vorgegebenen Raster ganz gut weiterdrehen lässt. Geradezu revolutionär.

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