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Ariana Grande und Lady Gaga : Durch den Schmerz tanzen

Weinen, Tanzen und Singen gemeinsam: Ariane Grande und Lady Gaga Bild: instagram.com/arianagrande / Screenshot F.A.Z.

Mit ihrer Kollaboration „Rain on Me“ halten sich Lady Gaga und Ariane Grande seit Tagen auf Platz eins der Charts. Die beiden Künstlerinnen haben mehr kreiert als nur eine Tanznummer.

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          „Rain on Me“ könnte auch ein Clubhit aus den neunziger Jahren sein. Zum neuen Song von Lady Gaga und Ariana Grande möchte man in einem Club tanzen und sich „Rain on me“-grölend nach einem Regenschauer sehnen, weil es verdammt heiß ist. Abgesehen von der Tatsache, dass Tanzen auf absehbare Zeit nur im heimischen Wohnzimmer möglich ist, hält sich der Song seit seinem Erscheinen am Freitag auf Platz eins der internationalen Charts von Spotify und iTunes.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Kollaborationen sind oft ein Garant für Erfolg, weil man auf die Fanbase von zwei Künstlern zurückgreifen kann. Aber „Rain on Me“ ist kein belangloser Gute-Laune-Hit. Denn ja, man soll zu „Rain on Me“ tanzen können – aber auch weinen. Tanz' durch Schmerz und Tränen lautet die Botschaft. Und so liegt Lady Gaga im Video zum Song zunächst am Boden, in einem ihrer Oberschenkel steckt ein Messer. Doch sie rappelt sich vom Boden auf und tanzt trotzdem, natürlich im Regen, zieht das Messer schließlich heraus und beginnt eine TikTok-taugliche Tanznummer gemeinsam mit Ariana Grande. In kurzen Kostümen und mit wallenden Zöpfen erinnern die Künstlerinnen in manchen Einstellungen an die Kriegerinnen aus „Sailor Moon“. Dazu heißt es: „Ich wäre gerne trocken, doch zumindest bin ich am Leben.“

          Schmerz haben beide Künstlerinnen zu verarbeiten. Gaga hatte vor einiger Zeit eine Vergewaltigung in ihrer Jugend öffentlich gemacht, sie leide seitdem an Depressionen und chronischen Schmerzen. Grande hatte im Mai 2017 in Manchester ein Konzert gegeben, das Ziel eines Attentats wurde, bei dem 23 Menschen starben. Zwei Jahre später starb ihr ehemaliger Freund Mac Miller, mutmaßlich an einer versehentlichen Drogendosis, wenige Monate nach der Trennung.

          „Einmal habe ich so viel geweint, dass ich dachte, ich könnte nie wieder aufhören“, schrieb Gaga auf Instagram zur Veröffentlichung des Songs. Doch statt dagegen anzukämpfen, habe sie es zugelassen. In einer Szene sind die Tränen glitzernde Steinchen in Gagas Gesicht.

          „Rain on Me“ ist die erste Ausklopplung von Gagas neuem Album „Chromatica“, das am Freitag erscheint. Ursprünglich sollte es bereits Anfang April veröffentlicht werden, doch Gaga verschob den Termin: Es fühlte sich nicht passend an, teilte sie mit. „Rain on Me“ hingegen erschien am dritten Jahrestag des Manchester-Attentats.

          Zwei Frauen, die sich fördern

          Die Entstehung des Songs sei der Hartnäckigkeit von Ariana Grande zu verdanken, sagte  Lady Gaga am Wochenende in einem Interview. Sie selbst habe befürchtet, Grande mit ihren eigenen Problemen nur unnötig zu belasten. Doch die habe, wie sie selbst schrieb, in Gaga eine Schwester gesehen: „Ich habe eine Frau gefunden, die den gleichen Schmerz kennt wie ich, die so viel geweint hat wie ich, so viel Wein getrunken hat wie ich und ein Herz hat, das größer als ihr Körper ist.“

          Gemeinsam haben Gaga und Grande mit „Rain on Me“ aber noch eine Botschaft kreiert: Female Empowerment statt Neid und Missgunst – so haben sich unlängst einige Sängerinnen in der Öffentlichkeit zum weiblichen Zusammenhalt positioniert. Demonstrative Umarmungen gab es beispielsweise auch bei der Versöhnung von Katy Perry und Taylor Swift und beim gemeinsamen Super-Bowl-Auftritt von Shakira und Jennifer Lopez. Frauen fördern Frauen, und so überschütteten sich Grande und Gaga öffentlich mit Lob: „Superwoman“ schrieb Grande über Gaga. Die schrieb an Grande: „Ich liebe dich für deine Stärke“, dann wieder Grande über Gaga: „Mein Engel“.

          Neu ist das natürlich keineswegs. Selbstverständlich aber auch nicht immer. In Zeiten wie diesen jedenfalls tut öffentlich zelebrierter Zusammenhalt gut. Genauso wie das Wissen: Tanzen tut gut, Weinen aber auch.

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