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Innenarchitekt Masamichi Katayama : „Uniqlo ist sehr deutsch“

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Uniqlo-Geschäft in Ginza von Wonderwall Bild: Uniqlo

Die Berliner Filiale der Marke Uniqlo ist der jüngste Entwurf des Japaners Masamichi Katayama, der von Colette bis Nike schon viele Flaggschiffe der Konsumkultur entworfen hat. Ein Gespräch von Bauhaus bis Prada.

          3 Min.

          Herr Katayama, mit Ihrer Agentur Wonderwall haben Sie Flagship-Stores von Nike, A.P.C und Thom Browne gestaltet und die französische Coolness-Institution Colette neu sortiert. Außerdem bauen Sie die weltweiten Flaggschiffe des japanischen Textilriesen Uniqlo. Braucht die Menschheit diese Konsumtempel?

          Von 100 Läden werden 90 ins Internet gehen und zehn werden bleiben. Diese verbleibenden zehn werden im Erleben noch viel intensiver werden als alles, was wir bisher kennen. Da geht es nicht ums reine Kaufen. Die Kunden gehen dorthin, um ihren Aufenthalt zu genießen. Der Laden muss im Gedächtnis bleiben, daran muss sich ein Designer messen lassen. Der Rest der Stores wird ins Internet abwandern. Ich betreibe keine Schwarzmalerei, das ist keine negative Entwicklung. Vieles wird sich weiterentwickeln. Klar, wenn man das als Problem betrachtet, ist es ein Problem. Aber es gibt keinen Grund, verdrießlich zu sein. Ich freue mich auf die Zukunft.

          Wollen Sie Ihre Arbeit als Kunst verstanden wissen?

          Ich bin kein Künstler, ich bin Designer. Ich will Orte schaffen, an denen Menschen kommunizieren. Ich bin Zimmermannssohn und mit dem Handwerk aufgewachsen. Ich mag es, wenn Menschen kommen, etwas finden, etwas wollen und etwas kaufen. Das ist eine klassische Herangehensweise, wenn man Läden entwirft. Bei den Uniqlo-Stores ist es ja so, dass der Unternehmens-Präsident Tadashi Yanai vor 30 Jahren selbst einfacher Ladenbesitzer war. Er hat eine sehr scharfe Sicht. Er kann mir intuitiv sagen, ob ein Laden funktioniert oder nicht. Davon habe ich sehr profitiert. Natürlich interessiere ich mich für Kunst, aber im Grunde genommen sind meine Entwürfe ganz bodenständig.

          Masamichi Katayama

          Die Anmutung der New Yorker Niederlassung von Uniqlo vergleichen manche Menschen mit der eines internationalen Flughafens.

          Im Jahr 2006, als wir den ersten Laden in New York gebaut haben, stand der gegenüber von einem Prada-Store, den Rem Koolhaas gebaut hat. Ein phänomenales Haus. Aber wir wollten anders sein, von vornherein. Weder eine klassische Luxusboutique noch eine Fast-Fashion-Filiale. Alles sehr minimalistisch. Später haben wir dann in New York noch ein größeres Geschäft gebaut, das heute das weltweit größte ist. Natürliches Licht ist mir sehr wichtig, deshalb gibt es viel Glas. Die Rolltreppen sind ein zentrales Element, ich habe sie prominent in der Mitte des Ladens platziert. Es ist einfach, ein großräumiges Haus durch entsprechende Architektur großräumig zu gestalten. Das genügt den Ansprüchen des Einzelhandels aber nicht. Das Geheimnis ist, großen Raum kleinteilig zu nutzen. Jede Ecke muss interessant gestaltet werden. Es geht darum, ein Gefühl zu erzeugen: Dort ist etwas, hier ist etwas. Sonst geht der Kunde hoch und runter und wieder raus. Die Präsenz und Imposanz ist das eine. Aber ein Retailer lebt davon, dass Menschen die Produkte in die Hand nehmen und mit ihnen interagieren. Der Flagship-Store in Tokio etwa ist sehr eng, da haben wir aber zwölf Etagen, die sollen die Kunden ja auch alle durchlaufen.

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