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Anthony Vaccarello : Der nächste Kompromisslose bei Yves Saint Laurent

Bild: AFP

Anthony Vaccarello ist neuer Kreativ-Direktor des französischen Traditionshauses. Wie kaum ein anderer versteht er es, Mode in Richtung sexy zuzuspitzen.

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          Anthony Vaccarello entwirft für Frauen, die nichts zu verstecken haben, für jene mit problemzonenfreien Körpern. Vaccarellos Miniröcke sind nicht selten mit den Dimensionen von breiten Gürteln zu vergleichen, hauteng sind sie ohnehin. Seine Kleider versieht er mit möglichst großzügigen Schlitzen. Bis Ende vergangener Woche hätte es für Anthony Vaccarello kein besseres Haus als Versace geben können, um seine Molto-Sexy-Herangehensweise an Mode nicht nur am eigenen, im Jahr 2009 gegründeten Label, ausleben zu können.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hatte, denn dann gab Yves Saint Laurent am Freitag bekannt, dass Hedi Slimane das Pariser Traditionshaus verlassen würde. Die Marke, die Slimane nicht nur mit der Namensänderung in Saint Laurent, vier Jahre lang maßgeblich prägte, sondern ebenso ästhetisch, mit eben jenen hautengen Mikrokleidern, die sogar noch die Entwürfe von Versace – und Vaccarello – übertrumpfen konnten. In der Zeitrechnung von Modehäusern, die oft wochen-, wenn nicht monatelang nach Designernachfolgen suchen, ging es daraufhin ganz schnell: Am späten Montagnachmittag gab Versace bekannt, dass der Belgier Vaccarello künftig nicht mehr für Versus arbeiten würde. Am frühen Montagabend kam eine weitere Mail, wieder in der Causa Vaccarello, nun aber vom französischen Luxuskonzern Kering, Eigentümer von Yves Saint Laurent. Jetzt tritt Anthony Vaccarello als dessen Kreativ-Direktor in die Fußstapfen von Slimane.

          Abgesehen davon, dass der Konzern seit vergangener Woche wieder von der Marke Yves Saint Laurent spricht, und nicht, wie zu Zeiten von Slimane, von Saint Laurent, wird Vaccarello wohl trotzdem vor allem das Erbe seines Vorgängers antreten, und erst an zweiter Stelle das des Gründers Yves Saint Laurent, „einer Legende, was Kreativität, Stil und Mut anbelangt“, wie es der Designer am Montag formuliert. Mit seinen hautengen, problemzonen-intoleranten Entwürfen mag Slimane eine ganze Branche zwar vier Jahre lang t̶̶e̶̶r̶̶r̶̶o̶̶r̶̶i̶̶s̶̶i̶̶e̶̶r̶̶t̶  geprägt haben, unter ihm konnte die Marke Saint Laurent aber rasanter wachsen als jede andere im Portfolio von Kering. Der Umsatz wuchs von 353 Millionen Euro 2011 auf 974 Millionen 2015. Mit Vaccarello, der es wie kaum ein anderer versteht, Mode in Richtung sexy zuzuspitzen, dürften die Zahlen also auch in Zukunft stimmen.

          Für den 36 Jahre alten Belgier ist der Schritt von Versaces Zweitmarke Versus zu Yves Saint Laurent auch ein Sprung in die erste Liga der Modehäuser. Gerade an der Spitze hat die Mode ein Nachwuchsproblem, das sich seit vergangener Saison besonders bemerkbar macht, seit Raf Simons Dior verlassen hat, Alber Elbaz bei Lanvin gegangen ist und sich die Gerüchte um Hedi Slimanes Weggang bei Saint Laurent verdichteten. Zusammen mit Bouchra Jarrar, neue Designerin bei Lanvin, steht Anthony Vaccarello nun für eine junge Generation Kreativ-Direktoren. Seine erste Kollektion für Saint Laurent zeigt Vaccarello im Oktober.

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