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Hand Drawn Glass in New York : Pinselstrich auf Kristallglas

Die Kristallgläser hat der irische Buchillustrator Nigel Peake für J. Hill’s Standard entworfen Bild: J. Hills’s Standard, WOLFGANG EILMES

Anike Tyrell will einer alten Tradition zu neuem Glanz verhelfen: Vor sechs Jahren eröffnete sie die Kristallmanufaktur J. Hill’s Standard, wo Glas noch von Hand graviert wird. Nun ist ihre Kollektion in New York zu sehen.

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          John Hill war nur drei Jahre in Waterford. Der Ort mit dem kleinen Hafen im Südosten Irlands, von den Wikingern im neunten Jahrhundert gegründet, gilt als die erste Stadt der Insel und hat heute rund 50.000 Einwohner. Im Jahr 1783 hatten George Penrose und sein Neffe William gerade eine Glasmanufaktur eröffnet, in der sie Flintglas herstellen ließen, das für Linsen von optischen Instrumenten genauso wie für edle Glasware verwendet werden kann.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Von der Herstellung selbst hatten Penrose und Penrose allerdings wenig Ahnung, der Engländer Hill umso mehr. Der Mann aus Stourbridge unweit von Birmingham kannte die richtigen Mischungsverhältnisse, er wusste Glas zu schneiden, zu gravieren und zu polieren. Doch schon 1786 verließ er Waterford wieder, weil er sich mit einem Mitglied der Penrose-Familie überworfen hatte. Sein Glasrezept aber blieb seinem Kollegen und Freund Jonathan Gatchell und damit Waterford Crystal erhalten.

          Ohne John Hill wäre aus dem einstigen Familienbetrieb nie eine so berühmte Kristallmanufaktur geworden. Doch auch die aus Waterford stammende Anike Tyrell beruft sich auf den großen Glasmacher und vor allem auf sein Rezept, das ihrer Meinung nach als „Standard“ für die Herstellung des feinen Kristalls gelten kann. Darum nannte sie ihre erst vor sechs Jahren eröffnete Manufaktur J. Hill's Standard. Mit ihr will sie der alten Tradition, die auf John Hill zurückgeht, zu neuem Glanz verhelfen. „Einst arbeiteten 3000 Handwerker hier in der Region in der Kristallglasindustrie“, sagt Tyrell. Davon sei wenig übrig geblieben, auch weil Glas heute vor allem maschinell produziert wird. Es gebe nur noch wenige Ausnahmen wie etwa die Wiener Manufaktur J. & L. Lobmeyr.

          Anike Tyrell zeigt in New York ihre dritte größere Kollektion

          Ihre ersten Kollektionen stellte Anike Tyrell während der Mailänder Möbelmesse im April 2014 vor. Entworfen hatten sie der aus Meran stammende Martino Gamper, der in London lebt und am Royal College of Art unterrichtet, und das Designer-Duo Scholten & Baijings (Stefan Scholten und Carole Baijings) aus Amsterdam.

          Ein Buchautor als Glasdesigner

          Die von Hand gravierten und mattierten Kristallkaraffen und -gläser bekamen etliche Auszeichnungen, zudem wurden sie in die ständigen Sammlungen des Pariser Kunstgewerbemuseums und des Nationalmuseums von Irland aufgenommen. Der Norweger Daniel Rybakken hat ebenfalls schon für die irische Manufaktur gearbeitet und die Kollektion „The Secant Project“ für J. Hill's Standard gestaltet. Seine Wand-, Tisch- und Bodenleuchten aus dem Jahr 2016 bestehen aus großen runden Glasscheiben.

          Nun zeigt Anike Tyrell ihre dritte größere Kollektion. Die Kristallkaraffen und -gläser, zum Teil mit hölzernen Deckeln, hat der irische Buchillustrator Nigel Peake entworfen. Die Gravuren im Glas zeichnen dabei seinen „Strich“ nach. Tyrell wurde auf den Künstler aufmerksam, als sie ein Buch mit irischen Landschaften von Peake in die Hand bekam. „Mir war sofort klar, dass die Muster und Strukturen großartig auf Kristallglas aussehen würden.“ Erstmals zu sehen sein wird die Kollektion Hand Drawn Glass in der New Yorker Galerie Les Ateliers Courbet – vom 18. September bis zum Ende des Jahres.

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