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Pariser Männermodewoche : Die Männer werden noch verspielter

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Fast alles ist tragbar: Männermode für Frühjahr 2018 von Rick Owens. Bild: AFP

Paris gewinnt in der Mode weiter an Bedeutung. Dieses Jahr kommen zunehmend auch Amerikaner zur Geltung. Designer Rick Owens zeigt, ob der Hype gerechtfertigt ist.

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          Wie lässt sich die Pariser Männermodewoche, die am Dienstag nach fünf Tagen zu Ende ging, auf einen Punkt bringen? Indem man ein Auge auf die Karriere von Rick Owens wirft. Der Designer aus Kalifornien ist 2003 mit seiner Frau Michelle an die Seine gezogen, um sich in der Modehauptstadt einen Namen zu machen. In Los Angeles war er für coole Sportswear bekannt. Seine Frau betrieb das angesagte Restaurant „Les Deux“ am Hollywood Boulevard, wo sich die Stars und die Freaks zum Essen trafen.

          Von Amerikanern war in Paris damals kaum eine Spur zu sehen. Jetzt ist das ganz anders. Owens hat sich zum vielleicht stilprägendsten Männermodemacher entwickelt, der wichtige Trends wie zum Beispiel den zum gewaschenen Leder vorgibt. Viele Amerikaner sind nachgezogen und zeigen ihre Kollektionen lieber in den Showrooms der französischen Hauptstadt als bei einer Schau in New York – wie der vielversprechende John Elliott oder die Trendmarke Off-White. In der Damenmode kommt’s noch dicker: Proenza Schouler und Rodarte, wegweisende amerikanische Marken, sind auf dem Haute-Couture-Kalender gelistet und veranstalten am Sonntag ihre Schauen in Paris.

          Rick Owens ließ ein Riesengerüst im Hof des Pariser Palais de Tokyo aufbauen. Die Models stiegen von schwindelerregender Höhe die Treppen hinab, bekleidet in den typischen Kutten, die an Insektenpanzer erinnern. Doch die Sachen verkaufen sich – Owens hat ohne finanzielle Hilfe ein Label aufgebaut, das einen Jahresumsatz von schon mehr als 200 Millionen Euro macht. Er verarbeitet das beste Leder in seinen Jacken, er hat die abgefahrensten überdimensionierten Silhouetten und steckt seine Männer schon seit Jahren in rockähnliche Hosen. Wer soll das tragen? Viele! Vor jeder Schau stehen Hunderte Fans, in Owens gekleidet, um sich hineinzuschmuggeln. Im Frühjahr und Sommer 2018 werden sie laut der Schau zweireihige Seidenjacketts tragen, die bis ans Knie reichen – und präzise Schneiderkunst mit nobler Aura vereinen.

          Blumenmuster sind im Trend

          Einige weitere Schauen ragten heraus. Haider Ackermann hat die auf formelle Kleidung ausgerichtete Schuh- und Luxusmarke aus dem Haus LVMH auf entspannte Sportswear umgepolt. Es sind wirklich Luxusfreizeitartikel: butterweiche Ledermäntel und Blousons, coole Fechtschuhe, wunderbare Farben wie Gelb, Gold oder Hellblau. Ackermann sagt, er sei von Erwin-Blumenfeld-Fotos angeregt worden, in denen die Farbtöne wirken wie durch Filter gezogen. Auch bei Hermès weiß man Leder zu adeln – Designerin Véronique Nichanian versieht ihre Mäntel und Jacken mit großen Nähten wie bei Baseball-Handschuhen.

          Rick Owens mit Ehefrau Michele Lamy Bilderstrecke

          Ein weiterer großer Trend: Blumenmuster. Dries Van Noten, Kim Jones für Louis Vuitton und andere zeigen damit, dass Männermode verspielter und femininer wird. So übertrug Jones mit seinen Hawaii-Hemden den von „Magnum“ berühmt gemachten Look ins Heute.

          Ein weiterer Beweis, dass Paris als Schau- und Schauenplatz an Bedeutung gewinnt, war die Rückkehr von Sarah Burton mit Alexander McQueen. Sie ist mit der Maßschneiderei in London verankert, in der Tradition der Savile Row. Nun kam Burton, die gerade Mutter geworden ist, an die Seine. Und wenn alle Perfecto-Lederjacken-Hybride bieten, dann zeigte Burton, wie man ein oft gesehenes Stück doch noch neu erfinden kann. Sie präsentierte einen Perfecto-Mantel mit Pelzfutter, an dem nicht die üblichen drei bis fünf Reißverschlüsse angebracht sind, sondern gleich ein paar Dutzend. Dieses Kleidungsstück zu kopieren wird schwierig sein.

          Handwerk und Design verbinden

          Rick Owens ist ein Designer, der sich nur um sein eigenes Label kümmert. So hat er die Zeit, sein Werk weiterzuentwickeln. Am Beispiel Balenciaga sieht man, dass ein Designer mit zu vielen Aufgaben auch mal stillstehen kann. Noch vor einem Jahr hatte Demna Gvasalia die beste Schau, als er radikal mit dem Volumen spielte und es vollkommen über- oder untertrieb. Für diesen Silhouettentrick ist er nun bestens bekannt, auch wegen seines eigenen Labels Vetements und natürlich wegen der vielen Kopien. Dieses Mal hielt er seine Schau im Freien ab, im Bois de Boulogne, und sein Thema waren Väter – und was sie tragen, wenn sie mit ihren Kindern im Park spielen. Das alles sah nach Eins-zu-eins-Übertragung aus. Die Vorbildväter waren eher schlecht angezogen, in schrecklichen einreihigen Sakkos aus billigem Stoff, die eine Nummer zu groß waren, und Sweatshirts, die aus dem Motocross entliehen schienen. Man erkannte den guten Willen, aber das reichte nicht – obwohl die Atmosphäre im Wald und echte Eltern und Kinder als Models emotionale Momente hervorbrachten.

          Da freut man sich dann doch über andere Deutsche. Der Georgier Gvasalia hatte prägende Jahre in Düsseldorf verbracht. Boris Bidjan Saberi wiederum, dessen Vater aus Iran stammt, hat schon als Kind in München die Liebe zur Mode entdeckt. Und sie hält an, wie zum Beispiel eine skulpturale Lederjacke in Orange und Grün zeigt. Boris Bidjan Saberi, der Handwerk und Design intelligent verbindet, ist fester Bestandteil des Pariser Schauenkalenders. Und das passiert nicht allzu vielen Deutschen.

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